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Leserbriefe Miteinander nicht NEBENEINANDER
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13:23 10.01.2015
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Stralsund

Für viele Muslime ist Deutschland inzwischen zur Heimat geworden. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird. Unter vielen Muslimen herrscht die Überzeugung, der Islam selbst sei perfekt, nur einzelne Muslime seien es manchmal nicht. Solange aber die islamische Welt unentschlossen, uneindeutig und abwartend gegenüber radikalen Tendenzen vorgeht, solange sie nicht zugeben will, dass der Islam auch eine kriegerisch-politische Seite hat, so lange bleibt es ein gesamtislamisches Problem.

So lange die Kampfaufrufe Mohammeds und der Kalifen nicht für alle Zeiten für ungültig erklärt werden, wird der Islam sein Gewaltproblem nicht lösen können. Ein Gebot der generellen Nächstenliebe oder Feindesliebe kennt nämlich die islamisch-klassische Theologie nicht. Wie eben der islamistische Terror, der ja rein gar nichts mit dem Islam zu tun hat (womit eigentlich dann?).

Nein, das Negativ-Image leitet sich ganz anders und täglich erlebbar ab: Wehleidigkeit, Sonderrechte in Schule und Sport einfordernd, Integration ablehnend, kein bzw. geringes Sprachvermögen, Parallelgesellschaften, Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Frauenbild, Männerbild, Homophobie, rechtsfreie Räume, hochkriminelle Familienclans, Bildungsferne. Das ist eben der I S L A M, den Bürger von Muslimen in Deutschland wahrnehmen.

Dagegen steht das Verhalten von Asiaten, Südamerikanern oder Afrikanern. „Ich muss mich anpassen, wenn ich in ein anderes Land komme, nicht umgekehrt. Dafür muss ich die Sprache erlernen, die dortige Lebensweise anerkennen. Dafür muss ich eine innere Bereitschaft haben, mit der Gesellschaft hier zusammenleben zu wollen.“ Es muss allen muslimischen Eltern deutlich gemacht werden, dass es sich nachteilig für ihre Kinder auswirkt, wenn sie bewusst abgegrenzt aufwachsen. Junge Menschen werden nur dann gegen salafistische Rattenfänger immun, wenn sie sich selbstbewusst als Deutsche und Muslime fühlen und dem Land, in dem sie aufwachsen, nicht negativ gegenüberstehen. Kinder werden um Chancen gebracht, wenn sie einen Widerspruch zwischen ihrem Glauben und der deutschen Staatsangehörigkeit sehen.

Des Weiteren muss aber auch Rede- und Kritikfähigkeit bei jungen Imamen geschult werden, auch die Selbstkritik und vor allem deren begründete Ablehnung jeglicher Radikalität. Leider wirken einige Jugendimame, die das Gedankengut radikaler Gruppierungen und Geldgeber aus dem Nahen Osten hier verbreiten, gerade in die entgegengesetzte Richtung auf die Jugendlichen ein.

Die „Wut“, die sich zurzeit Bahn bricht, sollte die Politik sehr ernst nehmen und die unterschiedlichen Teilnehmer nicht mit herabsetzenden Worten abqualifizieren. Es sind nicht nur rechtslastige Krawallbürger dabei, sondern auch besorgte, gebildete Bürger, die sehr wohl zwischen Muslimen und Terroristen differenzieren, aber ihrer Sorge Ausdruck geben möchten, dass politische und gesellschaftliche Entwicklungen nicht genügend öffentlich thematisiert und kritisch diskutiert werden. Sie öffentlich über die Medien abzukanzeln wird nur ihren Zulauf verstärken. Gesprächseinladungen, kritisch-konstruktive Dialoge und ein Ernstnehmen der berechtigten Anliegen wären hier zweifelsohne besser.



Ulf-Harry Kugelmann

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