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Putin ins Tierreich?

Cui bono? Putin ins Tierreich?

Gregor Prof. Putensen aus Greifswald

Greifswald. Speakers corner der OZ erlaubt die Präsentation unterschiedlichster politischer Standpunkte oder auch Sichten auf Erfahrungen allgemeinmenschlicher Art. Diese Rubrik bereichert die Zeitung.

Allerdings sollten sich die zur Nutzung dieser Tribüne privilegierten Autoren bei allem Anlass zu sarkastischer Begutachtung von Personen oder Geschehnissen der Versuchung versagen, kritikwürdige Politiker auch nur durch ihre annähernde 'Eingemeindung' in das Tierreich zu entmenschlichen. So geschehen in Wladimir Kaminers Corner-Beitrag „Putin und sein Privatzoo!“,OZ v. 30.4.-1.5.2017.

So amüsant wie seine „Russendisko“ und andere Texte von ihm zweifellos auch sein mögen – seine Präsentation Putins als jemand, der sich besser mit Tieren als mit Menschen verständigt, zielt in die Richtung einer Entmenschlichung politischer Kontrahenten.

Auch ich sehe Putin kritisch, wenn ich daran denke, dass er sich aus machtpolitischem Kalkül vom überzeugten (?) KGB-Kommunisten zum höchsten Amtsträger seines Landes – und dies nunmehr als Kreuz schlagendes Mitglied der griechisch-orthodoxen Kirche Russlands – hochgeboxt hat. Oder ebenso die fragwüridgen Seiten der russischen Innenpolitik.

Dennoch halte ich auch nur ein ansatzweises Verweisen politischer Gegner ins Tierreich, um Kritik oder gar grundsätzliche Ablehnung zu markieren, für eine demokratische politische Kultur als unvertretbar und gefährlich. Wladimir Kaminer hat sich in Deutschland längst eingelebt und das sei ihm als russisch-deutscher „Konvertit“ herzlich gegönnt. Aber er sollte darauf verzichten, sich im Sinne des Mainstreams soweit „eingedeutscht“ in die Nähe unsäglicher Praktiken vergangener politischer Auseinandersetzungen zu begeben, die den Menschen als Mensch infrage stellt.

Sicherlich weiß er aus der Geschichte der Religionen und Politik, dass deren Konvertiten zu größtem Ausmaß an eifernder Intoleranz gegenüber ihren vormaligen Glaubensbrüdern und Mitstreitern neigten. Dies möge uns allen erspart bleiben.

Gregor Prof. Putensen

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