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Studium und Beruf In Stein gemeißelt - Eine Branche im Umbruch
Mehr Studium und Beruf In Stein gemeißelt - Eine Branche im Umbruch
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12:50 28.04.2016
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Oberkirch

Michael Walter und seine Kollegen geben der letzten Ruhestätte dauerhaft ein Gesicht. Als Steinmetze fertigen sie den Grabstein, der nach der Beerdigung auf dem Friedhof steht. Doch die Zukunftsaussichten der Branche sind nicht mehr so rosig wie früher.

Der Trend zur Feuerbestattung und zu alternativen Beerdigungsformen wie Natur- oder Seebestattung macht Steinmetzen zu schaffen. Weil die Zahl der traditionellen Beerdigungen auf Friedhöfen seit Jahren stark zurückgeht, müssen sie umdenken.

Jogerst Steintechnologie

Die Zahl der Bestattungen in Deutschland ist mit mehr als 800 000 pro Jahr zwar stabil, doch die Formen verändern sich. War eine Erdbestattung auf dem örtlichen Friedhof mit Sarg und Grabstein früher die Regel, wird sie immer mehr zum Auslaufmodell.

Verbandes Deutscher Naturstein-Verarbeiter

„Das Bild verändert sich“, sagt Firmenchef Walter. War ein Grabstein früher selbstverständlich, so sei das heute nicht mehr der Fall. Urnengräber beispielsweise brauchen keinen Stein, auch Gräber im Wald kommen ohne aus. Steinmetze werben daher für den Friedhof. Dieser sei der „zentrale Ort des Abschiednehmens und Gedenkens“.

„Der Friedhof ist das Geschichtsbuch einer Stadt“, sagt Walter. Ohne ihn und ohne Grabsteine werde diese Geschichte nicht festgehalten. Zudem seien Friedhöfe, gerade für ältere Menschen, ein wichtiger Begegnungsort.

Grabsteine selbst verändern sich

Ein schlichter, grauer Stein mit dem Namen des Toten sowie seinen Geburts- und Sterbedaten alleine werde immer seltener, sagt Walter. Persönliche Motive oder Gegenstände seien zunehmend Bestandteil, ebenso Holz- oder Stahlelemente im Stein sowie buntere Farben und gewagtere Formen. Es kommen regelrechte Skulpturen auf die Gräber. Das verändere das Bild der Friedhöfe.

Zudem gehe der Trend hin zu hochwertigen Materialien und zu Naturprodukten. „Es ist ein bewusstes Zeichen setzen - der Stein als Visitenkarte des Toten und des Grabes.“ Das, was den Verstorbenen ein Leben lang ausgemacht habe, solle in einem Stein festgehalten, verewigt und erzählt werden. Darin bestehe die Kunst. „Unsere Arbeit geht weg vom einfachen Meißeln, hin zum Gestalten“, sagt Walter.

Verband der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe

Nun hoffen Steinmetze und Sargbauer auf ein Umdenken bei Hinterbliebenen und Bestattern. „Es gibt erste Anzeichen, dass sich der seit Jahren andauernde Trend wieder umkehrt“, sagt Pehle vom Verband der Steinmetze. „So wurden in diesem Jahr nur noch eine Handvoll neuer Urnenwälder eröffnet. In den Jahren zuvor waren es bis zu fünfzig neue Wälder.“ Der Friedhof bekomme nach Jahren der Abkehr wieder etwas mehr Wertschätzung.

dpa

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