Volltextsuche über das Angebot:

-1 ° / -4 ° Schneeschauer

Navigation:
Warum nett sein im Job oft hinderlich ist

Kratzen statt kuscheln Warum nett sein im Job oft hinderlich ist

Teamfähig soll der Mitarbeiter sein, kollegial und hilfsbereit - kurzum nett. So lesen sich viele Stellenanzeigen. Für die Stimmung bei der Arbeit ist das sicher klasse. Nur für den Mitarbeiter selbst kann nett sein zum Problem werden.

Voriger Artikel
Universitäten helfen bei Umgang mit Belastung
Nächster Artikel
Neues Arbeiten in der Autoindustrie

Einen Kaffee für die liebe Kollegin! Nervig kann es werden, wenn man das Gefühl hat, ausgenutzt zu werden. Dann sollte man der Bitte nicht vorschnell nachkommen.

Quelle: Karolin Krämer

Hamburg. Wer nett zu Kollegen ist, muss nicht alleine Mittagessen, und in der Teeküche herrscht statt distanziertem Schweigen lockere Plauderei. Manchmal bringen Kollegen einem auch einen Kaffee oder mal was Süßes mit.

Wer nett ist, springt auch ein, wenn es mal eng wird. Nett sein heißt, gemocht werden - auch im Job. Klingt super, ist es aber nicht unbedingt. Für die Karriere ist es oft eher hinderlich - und kann einem sogar schaden.

Nett sein darf man nicht mit Freundlichkeit verwechseln: Ein höflicher Umgangston sollte im Job eine Selbstverständlichkeit sein, wie Karriereberaterin Ute Bölke aus Wiesbaden sagt. Mit nett sein ist gemeint, dass man ständig die Aufgaben übernimmt, die sonst keiner will. Oder auch, dass man auf ruppige Ansagen oder unberechtigt heftige Kritik so freundlich wie immer antwortet.

Wer nett ist, wird oft als Ja-Sager wahrgenommen, warnt Anne Forster. Sie ist Karriereberaterin und Coach in Zürich. Wer nur macht, was er gesagt bekommt, ärgert sich oft und staut dadurch auf Dauer einiges an Frustration auf.

Coach Kristine Qualen aus Hamburg sieht bei diesen sehr netten Menschen, die zu allem Ja sagen, deshalb vor allem die Gefahr eines Burn-outs. „Sie bekommen immer mehr Aufgaben oben drauf“, erklärt die Diplom-Psychologin. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ja-Sager in der Firma meist kein gutes Standing haben.

Für ihre Mühe bekommen sie somit in der Regel keine Anerkennung: Die Aufgaben, die keiner will, sind meist solche, mit denen man zwar lange beschäftigt ist, sich aber nicht profilieren kann. „Man bleibt unsichtbar“, erklärt Qualen. So bekommen die Netten immer mehr das Gefühl, ausgenutzt und mit Arbeit zugeschüttet zu werden.

Es gibt einige Anzeichen, an denen Mitarbeiter merken, ob sie zu nett sind. „Man wird nicht nach seiner Meinung gefragt und bringt sie von selbst nicht ein“, nennt Bölke als Beispiel. Und: „Weiterbildungen, Beförderungen und interessante Aufgaben laufen ohne einen.“

Bloß was ist dann zu tun? Bei Entscheidungen ist es besser, sich etwas Bedenkzeit zu verschaffen, als reflexhaft Ja zu sagen. Laut Qualen kann man seinem Gegenüber dass so erklären: „Ich kann noch nicht direkt zusagen, ich möchte erst noch darüber nachdenken.“

Oder man wagt es einfach mal und sagt Nein und widerspricht - das kann auch im Freundeskreis oder in der Familie sein. Das kann zum Beispiel heißen, dass man sich bei der Diskussion um Unternehmungen am Wochenende einbringt und die Vorschläge der anderen nicht einfach abnickt.

Auch Bölke rät, erst mal in seinem privaten Umfeld anzufangen, mit dem Ja-sagen aufzuhören. Hilfreich sei zum Beispiel das Feedback von Freunden, ob man sich in dieser Hinsicht verändert habe. Außerdem kann man mit ihnen bestimmte Situationen aus dem Arbeitsleben besprechen und alternative Verhaltensstrategien entwickeln.

Wichtig ist: Wer Nein sagt oder jemandem in einer Diskussion Paroli bietet, sollte das nüchtern und sachlich tun. „Wer immer nett war und sich dann vornimmt, es nicht mehr zu sein, rutscht schnell in ein trotziges oder beleidigendes Verhalten“, sagt Qualen. Schraubt man seine Nettigkeit zurück und sagt Nein, sollte man das immer sachlich erklären können.

dpa/tmn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Lobenswerte Arbeit
Jeder fünfte Absolvent in Deutschland promoviert mit der Note „summa cum lauda“. Das ergab eine Auswertung der Zeitschrift „Forschung und Lehre“

Der Doktortitel ist in Deutschland der zweithöchste akademische Grad, nach dem Professortitel. Und viele Absolventen promovieren mit Bravur. Das ergab eine Auswertung der Zeitschrift „Forschung & Lehre“

mehr
Mehr aus Studium und Beruf
Beilagen zum Thema
Wirtschaft & Umwelt

Alles Wissenswertes rund um die aktuelle Geschäftswelt, Industrie, Handel und die daraus resultierende Lebenssituation für Mensch, Tier und Pflanze. mehr

Beilagen
Inhalte für die Abo-Karte

Mit der neuen AboPlus-Karte sichern Sie sich starke Vorteile in Ihrer Region. Zum Start der neuen Abo-Karte 2017 stehen Ihnen schon zahlreiche Unternehmen in MV mit Ihren Angeboten und Dienstleistungen zur Verfügung. Unsere regionalen Partner finden Sie auf der folgende Seite mit allen relevanten Daten zu den beteiligten Unternehmen. mehr