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„Aggressivität mögen die Zuschauer nicht“

„Aggressivität mögen die Zuschauer nicht“

Das Kanzlerduell hat „Länderspielqualität“, sagt der Medienberater Michael Spreng. Die Kandidaten müssen topfit sein.

Michael Spreng war u. a. Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und ist heute Medienberater. 2002 hat er als Wahlkampfmanager Edmund Stoibers den Kandidaten mit einem Team auf das TV-Duell gegen Gerhard Schröder vorbereitet und auch die Regeln ausgehandelt. Unter www.sprengsatz.de schreibt er einen vielbeachteten Blog.

OSTSEE-ZEITUNG: Wie muss man sich die Vorbereitung auf ein Kanzlerduell vorstellen?

Michael Spreng: Am wichtigsten ist, dass die Kandidaten ein ruhiges Wochenende haben, dass sie physisch und psychisch erholt sind. Und sie müssen vorher trainiert werden. Sie müssen Argumente ausprobieren, Kernbotschaften in verständliche Sätze verdichten und versuchen, die Gegenargumente vorwegzunehmen, um darauf antworten zu können.

OZ: Kennen Sie die Trainer?

Spreng: Nein. Aber 2005 und 2009 bei Frau Merkel war es zum Beispiel der ehemalige ZDF-Journalist Alexander Niemetz.

OZ: Man wundert sich, dass erfahrene Politprofis wie Angela Merkel und Peer Steinbrück so etwas nötig haben.

Spreng: Es ist ja auch keine Schwäche, sondern Professionalisierung. Das Duell der Kandidaten ist der Höhepunkt des Wahlkampfes, das einzige Zusammentreffen auf Augenhöhe. Es hat Länderspielqualität in der Politik. Da muss man topfit sein, argumentativ wie physisch und psychisch.

OZ: Es zählen also die Fakten und nicht die sympathischere Ausstrahlung oder Glaubwürdigkeit?

Spreng: Doch, das spielt auch eine Rolle. Aggressivität zum Beispiel mögen die Zuschauer nicht. Man muss argumentieren, sich im Gespräch dem Gegner auch einmal zuwenden und nicht nur stur in die Kamera sprechen. Das kommt ebenfalls nicht gut an.

OZ: Trotzdem muss Peer Steinbrück morgen Abend angreifen.

Spreng: Sicher, aber er darf nicht aggressiv sein und muss mit Ironie aufpassen, die wird häufig auch nicht verstanden. Und er muss Formeln finden, die etwa über den Vorwurf hinausgehen, die Kanzlerin verwalte das Land nur. Das ist zu abstrakt. Da muss er konkreter werden. Frau Merkel wird wie immer ruhig und besonnen auftreten und sich als Präsidialkanzlerin geben.

OZ: Für wie viel Prozent ist das Duell in der Endabrechnung gut?

Spreng: Das ist schwer zu sagen. Steinbrück müsste haushoch siegen, um zu gewinnen. Und ich weiß nicht, wie er das schaffen will. Ich denke, das Duell stabilisiert die Anhängerschaft und kann Unentschiedene noch zur Wahl treiben. Aber es wird keine Wechselwähler überzeugen. Mit dem Duell das Blatt noch einmal völlig wenden zu wollen würde bedeuten, es zu überschätzen. Da müsste Frau Merkel schon furchtbare Fehler machen, und das ist eher nicht zu erwarten.

OZ: Ist die Wahl schon gelaufen?

Spreng : Gelaufen ist aus meiner Sicht, dass Frau Merkel Kanzlerin bleibt. Ich glaube, die spannende Zeit liegt nicht mehr vor, sondern nach der Wahl, wenn es darum geht, ob es zur Fortsetzung der Koalition kommt, zu einer Großen Koalition oder ob die Grünen mit der Union reden.

Interview: Peter Intelmann

 

OZ

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