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Nachrichten Als Amerika im Würgegriff der Großen Depression steckte
Nachrichten Als Amerika im Würgegriff der Großen Depression steckte
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00:00 02.04.2014

Sie gilt als die bisher größte globale Deflation — die „Great Depression“ (zu Deutsch: Große Depression). Fast die gesamten 30er Jahre hatte sie die USA im Würgegriff. Als Auslöser wird gemeinhin der Börsencrash im Oktober 1929 gesehen, der sogenannte Schwarze Donnerstag. Doch die wahren Ursachen liegen tiefer und offenbaren irritierende Parallelen zur Gegenwart.

Bereits im Vorfeld der Großen Depression waren ungezügelte Spekulationen, Bilanzfälschungen und Schneeball-Geschäfte gang und gäbe. Die Überproduktion nach dem Ersten Weltkrieg sorgte zusätzlich dafür, dass Unternehmen und Konsumenten immer schwerer an Kredite kamen. Als mit dem Börsencrash 1929 schließlich das Bankensystem ins Wanken geriet, reagierte die US-Notenbank mit einer Absenkung der Geldmenge um bis zu 30 Prozent.

Die US-Wirtschaft brach weitgehend zusammen. 1932 waren mehr als 15 Millionen Menschen arbeitslos — rund jeder vierte Erwerbsfähige. Ein Großteil der Amerikaner, die noch einen Arbeitsplatz hatte, war schlecht bezahlt. Der amerikanische Durchschnittslohn fiel um 60 Prozent.

Auch in Europa waren die Auswirkungen verheerend. Sechs Millionen Menschen standen allein in Deutschland auf der Straße. Gehälter und Preise brachen auf breiter Front ein. Die politische Szene radikalisierte sich und spülte im Januar 1933 schließlich die Nationalsozialisten an die Macht.

Selbst in den libertären USA kam es zu einer Radikalisierung der Gesellschaft. Alternative Massenbewegungen wie die linke Popular Front fanden hohen Zuspruch. Sogar die weitgehend bedeutungslose Kommunistische Partei der USA verzeichnete plötzlich Zuläufe. Ihr Generalsekretär William Z. Foster   fuhr bei den Präsidentschaftswahlen 1932 über 100 000 Stimmen ein — was der Partei nie wieder gelang. Aber auch rechtsextreme und faschistoide Organisationen wie die antisemitische Union Party des Father Coughlin gewannen an Einfluss in der Bevölkerung.

US-Präsident Franklin D. Roosevelt sagte zu seinem Amtsantritt im März 1933: „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“ Ihm gelang es schließlich im Rahmen des sogenannten New Deal soziale Reformen voranzutreiben. Mit staatlich geförderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie dem Bau von Highways, Schulen, Brücken oder der Fertigstellung des Hoover-Damms an der Grenze von Nevada und Arizona gelang es ihm, die schlimmsten Folgen der Großen Depression einzudämmen. Geschäftsbanken wurden riskante Wertpapiergeschäfte verboten, ein Einlagensicherungsfonds für Bankkunden und die US-Wertpapieraufsicht gegründet. Der Spitzensatz der Einkommensteuer kletterte auf 79 Prozent. Privater Goldbesitz wurde verboten. Ebenso die Kinderarbeit. Ein Mindestlohn, die 40-Stunden-Woche und das Streikrecht wurden eingeführt. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verdoppelte sich von 1929 bis 1938 auf sieben Millionen. Herzstück von Roosevelts Maßnahmen war der Social Security Act von 1935, der eine Alters-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung einführte, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bezahlt wurde. Endgültig aber fand die Großmacht erst mit Beginn des Zweiten Weltkrieges aus der Großen Depression heraus. jebu



OZ

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