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Analyse: Polens Angst vor Russland erwacht wieder

Warschau/Vilnius Analyse: Polens Angst vor Russland erwacht wieder

Die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation trifft in Polen einen Nerv. Plötzlich ist sie wieder da, die Angst vor dem russischen Machtstreben und dem ungestillten Appetit ...

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Moskau vollzieht nach Unterzeichnung des umstrittenen Vertrags über den Anschluss der Krim die nächsten Schritte. Foto: Yuri Kochetkov

Warschau. Die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation trifft in Polen einen Nerv. Plötzlich ist sie wieder da, die Angst vor dem russischen Machtstreben und dem ungestillten Appetit auf das Land der Nachbarn.

„Es darf kein neues Jalta geben“, sagte Regierungschef Donald Tusk. Das russische Vorgehen auf der Krim sei eine „Herausforderung an die gesamte freie Welt“.

Die Konferenz von Jalta, auf der die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs die Neuordnung Europas beschlossen, wurde für Polen zum Trauma. Denn die Menschen in dem Land, das seit dem ersten Kriegstag gegen die deutsche Besatzung gekämpft hatten, wurden dem Interessengebiet der Sowjetunion zugeschlagen - aus polnischer Sicht ein Verrat durch den Westen.

Auch aus dieser Erfahrung heraus hat sich Polen wie kaum ein anderes EU-Land in den vergangenen Jahren für eine Westintegration der Ukraine und den Aufbau der „Östlichen Partnerschaft“ stark gemacht. Als die Gewalt gegen ukrainische Demonstranten auf dem Maidan in Kiew eskalierte, kamen die Forderungen nach Sanktionen aus Polen, Dutzende verletzter Demonstranten wurden im Nachbarland medizinisch behandelt.

US-Vizepräsident Joe Biden diskutierte während seines Besuchs in Warschau und am Mittwoch in Vilnius nicht allein die Entwicklung in der Ukraine - er versicherte den Polen und Balten die Solidarität der Nato. In den Gesprächen mit polnischen Politikern und dem estnischen Staatspräsidenten Toomas Hendrik Ilves ging es immer wieder um Artikel fünf des NATO-Vertrags, der „nicht nur heute, sondern für alle Zeiten verpflichtet“, wie Biden betonte: Jeder Angriff von außen auf einen NATO-Mitgliedstaat wird als Angriff auf das gesamte Bündnis gesehen.

Auf eine Stärkung der regionalen Sicherheit drängen auch der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski und seine litauische Amtskollegin Dalia Grybauskaite. Das Vorgehen Russlands sei eine Bedrohung für die Sicherheit der Region. Die litauische Parlamentspräsidentin Loreta Grauziniene geht noch weiter: „Meine persönliche Meinung ist, dass Putin anstrebt, das Gebiet der früheren UdSSR wieder herzustellen“, sagte sie am Mittwoch im litauischen Rundfunk.

„Sein (Putins) Traum ist der Aufbau einer Supermacht, und dazu braucht er nicht nur die Krim, sondern die ganze Ukraine“, meinte auch der ehemalige polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski, der sich seit Jahren als Vermittler in der Ukraine engagiert hat. Er rechne zwar nicht mit einem militärischen Vorgehen, „aber wir sollten in den nächsten Wochen, auf jeden Fall vor den Präsidentenwahlen in der Ukraine, mit einer ständigen Destabilisierung der Lage rechnen.“

Als Russland von den Sorgen um die Sicherheit der ethnischen Russen auf der Krim sprach, dürften sich viele Polen an den 17. September 1939 erinnert gefühlt haben. Damals begründete die Sowjetunion den Einmarsch in Ostpolen mit der Sorge um die dort lebenden Weißrussen und Ukrainer. Dabei war die faktische Aufteilung Polens schon Monate zuvor zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion vereinbart worden.

Auch in den baltischen Staaten, die jahrzehntelang Sowjetrepubliken waren, dürfte die russische Sorge um die eigene ethnische Minderheit alte Ängste schüren - in Litauen, Lettland und Estland lebt eine russische Minderheit nicht immer konfliktfrei mit der baltischen Bevölkerungsmehrheit.



dpa

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