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Nachrichten „Beim Mittelstand besteht sehr viel Nachholbedarf“
Nachrichten „Beim Mittelstand besteht sehr viel Nachholbedarf“
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00:00 13.09.2013

Christoph Schäfer ist Datenschutzexperte und arbeitet für das Karlsruher Unternehmen Secorvo, das Firmen in Sachen IT-Sicherheit und Datenschutz berät.

OSTSEE-ZEITUNG: Sind deutsche Unternehmen zu wenig geschützt gegen Datendiebstahl?

Christoph Schäfer: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Die Frage ist, wie weit man sich ihr nähert. Denn je höher man kommt, desto teurer wird es. Natürlich muss man alles dafür tun, dass keine Daten abhandenkommen. Gerade menschlichem Vorsatz eines Insiders, wie es jetzt bei Vodafone der Fall war, ist schwierig vorzubeugen.

OZ: Wird Datensicherheit bei uns generell zu leicht genommen?

Schäfer: Das kann man so sagen. Durch die Datenschutzskandale der letzten Jahre haben große Unternehmen wie Vodafone zwar schon gut aufgeräumt, in großen Teilen des Mittelstandes aber besteht sehr viel Nachholbedarf. Es ist auch ein schwieriges Thema, weil viele sich mit der IT-Sicherheit gar nicht auskennen. Da gibt es einen Dienstleister, der sich vor allem darum kümmert, dass die Computer laufen. Datensicherheit gehört nicht unbedingt dazu.

OZ: Erfahren wir von allen größeren Hackerangriffen?

Schäfer: Es gibt eine Meldepflicht nach Paragraf 42a des Bundesdatenschutzgesetzes, wenn besondere personenbezogene Daten abhandengekommen sind, etwa zur Gesundheit oder zur Religionszugehörigkeit. Dann muss das Unternehmen unverzüglich die Betroffenen und die Datenschutzaufsichtsbehörde informieren. Bei allen anderen Fällen ist es eine Absprache im Unternehmen. Und Sicherheitsvorfälle sind natürlich keine gute Werbung.

OZ: Sind die Deutschen generell zu sorglos mit ihren Daten?

Schäfer: Ich glaube, weniger sorglos als die Deutschen sind wenige Völker auf der Welt. Bei uns ist die Sensibilität relativ hoch. Das wird im Ausland teilweise gar nicht verstanden.

OZ: Was wäre die Konsequenz: Generell die Finger lassen von Smartphones und Internet?

Schäfer: Das wäre natürlich völlig unrealistisch. Aber man muss unterscheiden zwischen Unternehmen und Privatleuten. Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Daten und Systeme sicher zu machen. Privatleute können das grundsätzlich erst mal handhaben, wie sie möchten. Sie sollten aber natürlich kritischer mit dem Thema umgehen.

OZ: Wie sichern Sie sich selbst ab?

Schäfer: Im Internet kommt man an Google nicht vorbei, aber wenn man nach sensiblen Themen sucht, sollte man es besser nicht benutzen. Ein großes Thema sind auch Cloud-Dienste, in die viele Smartphone-Besitzer heute bedenkenlos ihre Daten schicken. Aber das sind Dienste, die sie weder beherrschen noch verstehen können. Ich selbst habe noch ein klassisches Handy. Ich kann damit telefonieren, SMS schreiben und sogar E-Mails abrufen, mehr brauche ich eigentlich nicht. Ich habe auch kein iPad.

OZ: Unterm Strich: So etwas wie Privatheit gibt es nicht mehr?

Schäfer: Das würde ich nicht sagen. Wir haben in Europa und speziell in Deutschland ein Grundrecht auf Datenschutz, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Das ist eine ganz wesentliche Errungenschaft, der man sich bewusst sein sollte.

Interview: Peter Intelmann

OZ

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