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Das Erfolgsrezept der Über-Bayern

Das Erfolgsrezept der Über-Bayern

Sie gewinnen. Immer. Der FC Bayern München des Jahres 2014 kennt nur den Erfolg. Der Rest der Fußballwelt erstarrt in Ehrfurcht — oder Neid.

Keiner weiß heute mehr genau, wie das passieren konnte, damals, in den bösen Jahren. Zweimal kam der FC Bayern nur als Tabellenzehnter ins Ziel und einmal, 1978, sogar nur als Zwölfter, ein lausiges Pünktchen besser als Platz 15. Sogar gegen die verhassten Löwen vom TSV 1860 haben sie damals zu Hause verloren, und nur die Tatsache, dass die 60er dann trotzdem abstiegen, rettete bei vielen Bayern-Fans den Glauben an so etwas wie Gerechtigkeit im Fußball.

1978, das war der Tiefpunkt des FCB, ein Absturz aus dem Olymp in die Hölle. Gestern noch Europokalsieger, heute ein Niemand. Aber es war auch der Wendepunkt. Fortan stiegen die Bayern auf zum Maß

der Dinge. National sind ihnen die Gegner ausgegangen, auf Augenhöhe misst man sich nur noch mit Europas Top-Teams. Und selbst die schauen voller Ehrfurcht auf das, was an der Isar geschieht.

Die Geschichte des FCB ist eine Erfolgsstory. Dass der Klub jetzt bereits am 27. Spieltag die Meisterschaft feiert, folgt einer tieferen Logik. Böse Zungen sprechen gern davon, dass man sich einfach eines der besten Teams des Erdballs zusammengekauft habe. Aber das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Treffender dürfte sein, was der Mainzer Trainer Thomas Tuchel sagte: „Die Bayern fahren die Ernte für vier Jahrzehnte hervorragender Arbeit ein.“

Der FC Bayern ist heute ein milliardenschweres Wirtschaftsunternehmen, aufgebaut von einem Uli Hoeneß, der als Spieler begann, als Manager den Klub groß machte und als Präsident die Weichen stellte.

Der FCB ist das Lebenswerk des 62-Jährigen, von dem Menschen, die ihn näher kennen, gerne das Bild des stillen Wohltäters zeichnen. Vielleicht fällt es vielen deshalb so schwer, in ihm nun den bösen Steuersünder zu sehen.

Uli Hoeneß war die treibende Kraft, als der FCB den letzten wichtigen Schritt zum „Global Player“ machte. Im Februar 2002 gliederte man die Fußball-Abteilung in eine Aktiengesellschaft aus, Anteile halten Konzerne wie Adidas, Audi oder die Allianz. Geschätzte 140 Millionen Euro beträgt der Etat des FCB in der laufenden Spielzeit. Da hechelt die Konkurrenz schon hinterher, der HSV etwa muss mit 40 Millionen auskommen, Aufsteiger Braunschweig mit 15 Millionen. Man kann verstehen, dass mancher da eine gewisse Unwucht bei der Chancengleichheit beklagt.

Und natürlich freut sich halb Fußball-Deutschland jedes Mal diebisch, wenn diese Übermannschaft Federn lässt. Der Glaube an das David-Goliath-Prinzip ist im Sport eine treibende Kraft. Doch wie es aussieht, kommen die Bayern diesmal ohne Schrammen davon, zwei Unentschieden, 25 Siege, keine Niederlage. Da sind die Erfolge aus den anderen Wettbewerben noch gar nicht mitgerechnet.

Doch die Dominanz der Bayern birgt auch Gefahren. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bezweifelt zwar, dass der Liga Langeweile drohe („Auch in ein paar Jahren werden Außenseiter ein Unentschieden gegen die Bayern erreichen können“), doch wenn es bald nur noch darum geht, wer Zweiter wird, mangelt es dem Spielbetrieb an Attraktivität. Schon bringen deshalb Kritiker Pläne ins Spiel, zusätzlich eine Play-off-Runde auszuspielen. Ansonsten, so fürchten sie, werde der nächste Titel schon im Februar vergeben. Was sie nicht sagen: Der Meister hieße wohl trotzdem Bayern München.

Nicht zu Unrecht, das „Modell Bayern“ orientiert sich nun mal am Erfolg. Vergessen wird oft, dass die gerne als „Millionarios“geschmähten Bayern bei all ihren Investitionen stets einer eigenen Philosophie folgten. Sie verpflichteten europäische Top-Spieler wie Roy Makaay, Franck Ribéry, Arjen Robben oder Javi Martinez für Summen, die andere Klubs für ihren kompletten Kader ausgeben, doch dahinter steckte ein Kalkül. Die Bundesliga müsse Top-Stars präsentieren, sagte Hoeneß einmal, sonst könne man den Abstand zu Nationen wie Italien oder Spanien niemals verkleinern. Zudem muss die Chemie stimmen, Erfolg allein reicht beim FC Bayern nicht. Trainer Felix Magath gewann zweimal das Double — gefeuert wurde er trotzdem.

An seine Trainer stellten Hoeneß und der FC Bayern halt stets hohe Ansprüche, auch jenseits des Platzes. Irrtümer (Jürgen Klinsmann, Erich Ribbeck, Otto Rehhagel, Louis van Gaal) wurden umgehend korrigiert. Meist aber lagen die Bayern-Bosse richtig, so wie bei dem Spanier Pep Guardiola (43). Dessen Verpflichtung war der letzte Geniestreich des Uli Hoeneß. Den Superstar der Trainergilde, der beim FC Barcelona Kultstatus erworben hatte, an die Isar zu holen, war ein Meisterstück. Skeptiker, die meinten, eine Lichtgestalt wie Guardiola könne nur mit einem Kader aus Weltstars arbeiten, sind verstummt. Guardiola formte ein harmonierendes Team, das schnellen, modernen und fast fehlerfreien Fußball spielt. Der Zauberer sitzt fester im Sattel als viele seiner Vorgänger. Die simple Wahrheit:

Neben der besten Mannschaft haben sie jetzt auch den besten Trainer.

Man muss freilich zugeben, dass es die Trainer bei den Bayern nie wirklich leicht hatten. Überliefert ist ein Gespräch zwischen Coach Udo Lattek und Präsident Wilhelm Neudecker, es war die Winterpause 1974/75, und Lattek sagte: „Herr Neudecker, wir müssen etwas ändern.“ Neudecker antwortete: „Sie haben recht. Sie sind gefeuert.“

 



Uwe Nesemann

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