Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Nachrichten „Das geht an der Realität vorbei“
Nachrichten „Das geht an der Realität vorbei“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.09.2013

Manon Struck-Pacyna ist Referentin beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, der die Lebensmittelwirtschaft vertritt.

Ostsee-Zeitung: Warum hat die Lebensmittelindustrie so ein schlechtes Image?

Manon Struck-Pacyna: Das Interessante ist: Der Verbraucher vertraut den Lebensmitteln, aber nicht den Herstellern. Das hängt damit zusammen, dass die Verbraucher zum großen Teil nicht mehr wissen, wie die Lebensmittel hergestellt werden. Die meisten wissen nicht, wie es in den Industriehallen aussieht.

OZ: Die Werbung zeigt ihnen ja auch keine Industriehallen, sondern knorrige Bauern, die von Hand ihre Kräuter hacken.

Struck-Pacyna: Werbung arbeitet natürlich mit Emotionen und will ein Lebensgefühl vermitteln. Man kann sicher den sterilen Produktionsprozess schwer in der Werbung darstellen. Aber man muss darüber nachdenken, wie man Elemente der industriellen Herstellung ins Bild setzen kann. Da findet langsam ein Umdenken statt.

OZ: Wenn eine Kalbsleberwurst mehr Schweine- als Kalbfleisch enthält — ist das Irreführung?

Struck-Pacyna: Nein, denn der Hersteller hat sich an das Gesetz gehalten. Es ist genau geregelt, wie viel Fleisch von einer Sorte für welche Bezeichnung in dem Produkt enthalten sein muss.

OZ: Die Lebensmittelbranche warnt vor Überreglementierung. Was ist damit gemeint?

Struck-Pacyna: Die Verbraucherzentralen fordern zum Beispiel immer wieder, dass die wichtigsten Angaben vorn auf dem Etikett stehen. Aber dann müsste eigentlich alles dort stehen und nichts mehr auf der Rückseite, das geht an der Realität vorbei. Man kann erwarten, dass jemand, der sich mit einem Produkt näher auseinandersetzt, sich die Zeit nimmt, die Packung umzudrehen. Interview: kab

OZ

Anzeige