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Nachrichten Der Kampf um Burg Trechow
Nachrichten Der Kampf um Burg Trechow
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00:00 07.09.2013
Kurzen

Trechow — Was ist unbequem an einer alten Burg, einem Herrenhaus, das immerhin bereits als Denkmal von nationalem Rang eingestuft wurde? Christian Schierning, seit 2004 Eigentümer von Burg Kurzen Trechow (Landkreis Rostock), braucht nur seine Geschichte zu erzählen, damit man es versteht. „Es war ein langer Weg, bis ich endlich anfangen konnte, das jahrzehntelang vernachlässigte Haus zu renovieren.“

Schon 1990 zog der Nachfahre der ehemaligen Besitzerfamilie von Plessen in das marode Gebäude ein, anfangs zur Miete. „Erst 2004 konnte sich die Gemeinde zum Verkauf entschließen.“

Das hängt mit der Familiengeschichte zusammen, glaubt er. Gerade die Alteigentümer sollten das Haus nicht zurückbekommen: „Mit dem Herrenhaus und den früheren Bewohnern verknüpfen viele Feudalismus, Großgrundbesitz und Leibeigenschaft“, so Schierning. 1946, nach der Vertreibung der Gutsbesitzer, sollte der Renaissancebau von 1601 deshalb abgerissen werden. Dann wurde er doch gebraucht: Als Wohnraum für Flüchtlinge, LPG-Büro, Konsum und Sitz des Bürgermeisters.

Trotz aller Widerstände ließ der gelernte Betriebswirt nicht locker. Er absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre, um ehemals zum Gut gehörendes Land bewirtschaften zu können. Heute sind es rund 400 Hektar, teils gepachtet, auf denen er Ackerbau betreibt.

In das Gutshaus hat der Familienvater schon Hunderttausende gesteckt, ein großer Teil davon Fördermittel. Dach, Fassade, Fundamente, Fenster und Türen kosteten ein kleines Vermögen. Und doch ist das Schloss innen noch immer Baustelle. Die Familie lebt im früheren Wirtschaftstrakt, einem Anbau aus dem 19. Jahrhundert.

Im Inneren der Burg verbergen sich unter dicken Farbschichten klassizistische Wandmalereien. Das Inventar ist verschwunden. Doch es gibt eine Farbfoto-Dokumentation, die Schiernings Großmutter vor 1945 erstellte. So schön wie damals soll alles wieder werden. Irgendwann. Für ein Leben vielleicht zu viel? „Kann sein“, lacht Schierning. Aber aufgeben wird er nicht. Besichtigung:

10-18 Uhr

OZ