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Deutschlands Mr. Olympia

Buenos Aires Deutschlands Mr. Olympia

Ab heute tagt das Internationale Olympische Komitee. Der Deutsche Thomas Bach hat gute Chancen, zum Chef gewählt zu werden.

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Als aktiver Fechter: Thomas Bach 1972 mit dem Florett.

Buenos Aires. Hemdsärmlig und in Jeans leitet Thomas Bach (59) die wichtigsten Tage seiner sportpolitischen Karriere ein. Er fühle sich gut, gespannt, zuversichtlich und kampfbereit, sagt er vor Beginn der 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Buenos Aires. Dort beginnt heute im schwer bewachten Hilton-Hotel eine der bedeutsamsten Zusammenkünfte in der 119-jährigen IOC-Geschichte. IOC-Präsident Jacques Rogge spricht sogar von einem „politisch aufgeladenen Herbst“, in dem die olympische Welt neu geordnet wird.

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Richard Carrion.

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Die IOC-Mitglieder entscheiden in den nächsten fünf Tagen den Sechskampf um die Rogge-Nachfolge, küren Madrid, Tokio oder Istanbul zum Gastgeber der Sommerspiele 2020 (s. unten). Und sie bestimmen, ob Ringen wie erwartet seinen Olympia-Status behalten darf oder ob es von Squash oder Baseball/Softball abgelöst wird. Am Dienstag wird der neue Präsident gewählt. „Das ist zweifellos eine richtungsweisende Vollversammlung von hoher Bedeutung“, sagt Bach. „Mit dem neuen Präsidenten müssen die IOC-Mitglieder und die Organisation acht Jahre, vielleicht sogar zwölf Jahre leben.“ Als ehemaliger Athlet könne er den Wettkampf kaum erwarten. „Ich freue mich auf den 10. September“, sagt Bach.

Das mag auch damit zu tun haben, dass er es auf der nationalen Bühne im Moment nicht leicht hat. Als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat er in den letzten Monaten das geplante Anti-Doping-Gesetz bekämpft — gegen den Bundesinnenminister, gegen den Sportausschuss des Deutschen Bundestags und sogar gegen den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbands.

„Diese Wahl würde für uns einige Wege verkürzen“

Seine Karriere als Sportler beendete Bach schon 1979 aus gesundheitlichen Gründen. 1976 hatte er mit der deutschen Mannschaft der Florettfechter olympisches Gold gewonnen, 1976 und 1977 auch den Weltmeistertitel. 1991 wurde er ins IOC gewählt. 2000 wurde er IOC-Vizepräsident, 2006 zusätzlich Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes. Gleichzeitig beriet der Jurist für hohe Honorare den Siemens-Konzern — und sah sich Vorwürfen ausgesetzt, er nehme es mit der Trennung von Beruf und Ehrenamt nicht so genau. Dabei ging es vor allem um die guten Kontakte nach Kuwait, die auch im IOC eine Rolle spielten. Bach ist Aufsichtsratsvorsitzender einer großen Firma für Holzverarbeitungsmaschinen in seiner baden-württembergischen Heimatstadt Tauberbischofsheim. Die Firma gehört inzwischen einem kuwaitischen Investor. Außerdem ist Bach Präsident der Arabisch-Deutschen Handelskammer. Die IOC-Präsidentschaft will er als unbezahltes Ehrenamt ausüben.

In den Augen der meisten deutschen Spitzensportfunktionäre ist Thomas Bach der richtige Mann für den IOC-Chefsessel. „Thomas Bach kann Dinge voranbringen und Kompromisse finden“, meint Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes. „Er kann alles, was ein IOC-Präsident braucht.“ Auch Basketball-Chef Ingo Weiss stimmt in den Chor derer ein, die dem deutschen Kandidaten zutrauen, „ein guter Präsident zu sein, der neue Akzente ins IOC bringen würde“.

Das Daumendrücken für Bach ist allerdings nicht ganz selbstlos. Weiss würde sich auf „einen kürzeren Draht“ ins IOC und „den einen oder anderen Tipp“ für den nationalen Sport freuen. „Der deutsche Sport wäre mit einem deutschen Präsidenten in herausragender Position vertreten“, sagte Christa Thiel und fügte zuversichtlich an: „Das würde uns alle freuen und bedingt natürlich auch, dass wir uns ein offenes Ohr für unsere Anliegen wünschen dürfen.“ Die Schwimm-Präsidentin gilt als Kandidatin für die Nachfolge von Bach im Präsidentenamt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Diese Wahl würde für uns einige Wege verkürzen“, hofft auch Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes und Sprecher der deutschen Spitzensportverbände. Auch er wird genannt, wenn hinter verschlossenen Türen bereits über die Neubesetzung des Spitzenamtes im DOSB spekuliert wird.

Es gibt aber auch andere Stimmen. „Ein IOC-Präsident muss den Interessen des Weltsports nachgehen. Deshalb wird der deutsche Sport keine wesentlichen Vorteile aus einer Präsidentschaft Bachs ziehen“, argumentiert Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop. „Und es wäre falsch, wenn er gezielte nationale Interessen verfolgen würde.“

Das IOC
Das Internationale Olympische Komiteeist ein Global Player und setzt durch seine Spiele Milliarden Dollar um. Jetzt bekommt es einen neuen Anführer, den neunten in seiner 119-jährigen Geschichte.


Lange hat es sich als Elite-Bund verstanden, als eine Ansammlung von Idealisten, Aristokraten, Akademikern und Experten mit Bevorzugung des Adels und des Militärs. Heute geben Banker, Firmenchefs und Manager den Ton mit an, zusammen mit den Chefs nationaler und internationaler Sportorganisationen, die auch etwas von Gewinnmaximierung verstehen.


Die Zusammensetzung der Vollversammlung wirkt schwer durchschaubar. Die Schweiz etwa hat fünf Mitglieder, 130 der 204 anerkannten Nationalen Olympischen Komitees sind aber überhaupt nicht vertreten. Frauen haben 21 Sitze und sind immer noch eine krasse Minderheit. Bis 1981 waren sie sogar ganz ausgeschlossen.


In den vergangenen zwölf Jahren unter Jacques Rogge erstaunte, dass er dem Adel mit nunmehr einem Dutzend Sitzen im IOC zu neuer olympischer Blüte verhalf. In Prinz Naval Faisal Fahd (Saudi-Arabien), Prinz Faisal Al Hussein (Jordanien) und Prinzessin Haya Al Hussein (Vereinigte Arabische Emirate) ließ der IOC-Anführer Königliche Hoheiten aus Arabien aufnehmen, dazu Dänemarks Kronprinz Frederik. Bei dessen Berufung 2009 in Kopenhagen empörte sich die dänische Presse und sprach ihm jede Befähigung für das Amt ab. Er könnte dem Beispiel von Willem-Alexander folgen. Der frisch gewählte König der Niederlande wird in Buenos Aires auf eigenen Antrag als IOC-Mitglied entlassen.

Die anderen Kandidaten
Richard Carrion werden neben Thomas Bach gute Chancen zugeschrieben. Der Top-Banker aus Puerto Rico ist Jacques Rogges Finanzexperte und für die traumhaften Geldreserven des IOC hauptverantwortlich: Sie haben sich trotz zweier Weltwirtschaftskrisen in den vergangenen zehn Jahren auf 900 Millionen Euro verneunfacht.


Ng Ser Miang aus Singapur scheint gleichauf mit Carrion zu liegen. Ng ist Milliardär und ehemaliger Segler. Er läutete die heiße Phase des Wahlkampfes mit einer Bemerkung zu Bach ein, der wegen seiner Nähe zu Scheich Ahmad al-Sabah aus Kuwait, dem angeblichen IOC-Königsmacher, in der Kritik steht. Das IOC brauche „einen Präsidenten von höchster Integrität, der unabhängig ist, frei von jeglichem Einfluss von außen und frei von Vorwürfen“, sagte Ng süffisant.


Als krasse Außenseiter gelten der Schweizer Denis Oswald, Wu Ching-Kuo aus Taiwan und Stabhochsprung-Weltrekorder Sergej Bubka (Ukraine).

 

 

OZ

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