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Die Deutschen ruhen sich in ihrer Freizeit gern aus

Die Deutschen ruhen sich in ihrer Freizeit gern aus

Studie: Ostdeutsche gehen lieber in den Garten, Westdeutsche treiben mehr Sport. Vor allem Jugendliche klagen über zu wenig freie Zeit.

Berlin — Amerikaner gehen mehr raus, Skandinavier stehen auf neue Medien, Südeuropäer lieben die Familie und Benelux-Bewohner die Kultur — und was tun die Deutschen in ihrer Freizeit am liebsten? Sie machen es sich daheim auf dem Sofa nett, sehen fern, telefonieren und ruhen sich aus. „Der Hang zu regenerativen Tätigkeiten hat bei uns weiter zugenommen“, bestätigte Professor Ulrich Reinhardt bei der Vorstellung des Freizeit-Monitors 2013 der Stiftung für Zukunftsfragen gestern in Berlin.

Die Studie zeigt einmal mehr: Die meisten bleiben am Feierabend zu Hause. Unter den 17 liebsten Freizeitbeschäftigungen ist keine einzige, die dezidiert draußen spielt. Ein zweiter Blick auf die Ergebnisse der repräsentativen Befragung von 3000 Personen ab 14 Jahren zeigt aber durchaus Unterschiede: Frauen lesen fast doppelt so oft Bücher wie Männer (45 zu 25 Prozent), nehmen sich mehr Zeit für die Körperpflege und zum Shoppen, während Männer öfter heimwerken, zu Sportevents oder in die Kneipe gehen. Aber auch Ost und West fallen auseinander. So treiben Westdeutsche mehr Sport (37 zu 25 Prozent), nutzen häufiger Social-Media-Angebote und treffen sich öfter mit Freunden. Ostdeutsche beschäftigen sich öfter im Garten (40 zu 34 Prozent), heimwerken lieber und gönnen sich häufiger eine Kaffeepause am Nachmittag.

Insgesamt gilt: Kontakte werden vorzugsweise via Telefon, Mail oder — je jünger desto intensiver — auch über soziale Netzwerke gepflegt. „Das hat sich verstärkt, aber viele erkennen mittlerweile auch, dass der virtuelle Kontakt nur Ergänzung und keine echte Alternative zum persönlichen Treffen ist“, betont Reinhardt. Tatsächlich stagniert die Zuwachsrate bei der Internetnutzung, und nur wenige der Befragten gaben an, in Zukunft noch mehr telefonieren oder im Web surfen zu wollen.

Denn alles ist auch eine Frage des Gesamtzeitbudgets: Mit kaum vier Stunden steht den Deutschen im Durchschnitt eine Viertelstunde weniger freie Zeit pro Werktag zur Verfügung als noch vor drei Jahren. Mit Ausnahme der Ruheständler beklagen fast alle Freizeitmangel. Am stärksten ist dies bei Familien. Aber auch immer mehr Jugendliche stöhnen. Bei ihnen ist die freie Zeit seit 2010 besonders um fast eine Stunde drastisch zusammengeschnurrt. Das liegt vor allem an der verkürzten Schulzeit, am Ganztagsunterricht und mehr Leistungsdruck, aber auch an Eltern, die das Beste für ihre Kinder wollen.

Trotz Arbeitszeitverkürzung und höherer Lebenserwartung sagt Reinhardt voraus: „Die wirklich freie Zeit wird in Zukunft nicht wesentlich zunehmen.“ Dafür werde der Graubereich zwischen Arbeit und echter Freizeit wachsen.

 

OZ

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