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Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 bei uns fahren, sagt die Bundesregierung. Kaum zu schaffen, sagen Experten.

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Die neue Stromstärke (von l. o., im Uhrzeigersinn): Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel im Renault Twizy, der Mitsubishi i-MiEV, ein Elektro-Smart und der i3 Hybrid von BMW, der ab September in Leipzig in Serie gehen soll.

Quelle: Fotos: dpa, AFP, Johannsen (LVZ)

Die Erwartungen sind groß, und die Worte sind es auch. „Der i3 kommt definitiv auf den Markt“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer jüngst seinen Aktionären. „Und wir werden damit Geld verdienen.“

Der i3 ist ein Elektroauto, bisher aber hält sich der Markterfolg von Elektroautos sehr in Grenzen. Etwa 7100 von ihnen sind auf deutschen Straßen unterwegs — bei mehr als 43 Millionen Autos insgesamt nicht eben viel. Trotzdem gibt die Bundesregierung nicht auf. Bis 2020 sollen mindestens eine Million Elektroautos fahren, hat sie schon vor vier Jahren als Ziel ausgegeben und das auch gestern beim Autogipfel in Berlin noch einmal unterstrichen (s. unten).

In der Industrie übt man sich immerhin nach außen in Zuversicht. Er sei „überzeugt, dass das gelingen kann“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn mit Blick auf die Regierungspläne. Ex-Bahnchef Heinz Dürr ist selbst mit einigen Millionen Euro bei einem Start-up-Unternehmen eingestiegen, das Ladekabel für E-Fahrzeuge herstellt. „Das Elektroauto hat Zukunft“, sagt er. Renault hat zwar gerade mit einem Partner für Batterien einen millionenschweren Schiffbruch erlitten, dennoch machte Konzernchef Gilles Normand klar: „Die Zukunft von Elektrofahrzeugen ist absolut nicht in Frage gestellt.“ Bis 2015 will Renault-Nissan insgesamt vier Milliarden Euro in Elektroautos investieren. Und Tesla hat dieser Tage in den USA einen Staatskredit in Höhe von 361 Millionen Euro zurückgezahlt — neun Jahre vor Ablauf der Frist. Die Geschäfte liefen sehr gut, hieß es. Das freut auch Daimler, ist der Konzern doch mit knapp fünf Prozent an dem US-Unternehmen beteiligt.

Model S heißt das Tesla-Flaggschiff, ein Auto, von dem die „FAZ“ im Test sehr begeistert war. 422 PS, Oberklasse-Niveau, viereinhalb Sekunden von 0 auf 100, und die Reichweite ist mit 410 Kilometern auch bemerkenswert. Allerdings braucht es 20 Stunden an einer normalen Steckdose zum Laden, die Akkus wiegen 700 Kilo, und leisten können muss man sich die Limousine auch: Der Grundpreis liegt bei 95 000 Euro.

Die Reichweite, die Ladezeiten und das Geld sind Kategorien, in denen Elektroautos bisher wenig überzeugen konnten. Doch beim Preis tut sich etwas. Zwar wird der i3 von BMW, der ab September in Leipzig in Serie gehen soll, auf etwa 40 000 Euro geschätzt, den Renault Zoe gibt es aber schon jetzt für 21 700 Euro. Und der Smart Fortwo ed mit Leih-Akkus ist für knapp 19 000 Euro zu haben.

Das Angebot an Elektro-Modellen ist derzeit noch überschaubar, bis Ende nächsten Jahres jedoch sollen allein von deutschen Herstellern 16 neue Modelle hinzukommen. Volkswagen etwa plant ab Herbst Elektroversionen des Up und des Golf, Audi will mit dem e-tron punkten und Porsche mit einer Hybrid-Variante des Panamera. Daimler hat schon jetzt neun Modelle mit Batterie- oder Brennstoffzelle im Programm, geplant sind aber unter anderem ein Smart-Viersitzer mit Elektroantrieb sowie eine neue B-Klasse.

Und die deutschen Autofahrer? Sind skeptisch, wenn man einer aktuellen Umfrage des ADAC folgt. 43 Prozent sind nicht bereit, einen Aufpreis für Elektrofahrzeuge zu bezahlen. 200 Kilometer Reichweite seien zwar in Ordnung, aber die Ladezeiten müssten deutlich kürzer werden. Und bevor man ein E-Auto kaufte, würde es eher ein Hybrid- oder Gasfahrzeug werden.

Dabei reiche die begrenzte Reichweite eines E-Mobils schon heute für die meisten Alltagsfahrten aus, betont die Naturschutzorganisation WWF. Und ihr Einsatz als flexibler Stromspeicher zur Netzstabilisierung sei ebenfalls zu prüfen.

Zumal dieser Einsatz auf vergleichsweise leisen Sohlen daherkommt. Zwar könnten Elektroautos nicht pauschal als geräuscharm bezeichnet werden, hat das Umweltbundesamt jüngst in einer Studie festgehalten. Weil mit der Geschwindigkeit auch der durch die Reifen erzeugte Lärm wachse, seien E-Mobile nur bei unterem Tempo wirklich leise. Gerade deshalb aber seien zum Beispiel E-Busse im Stadtverkehr den herkömmlichen Bussen in Sachen Lärm klar überlegen. Und Mopeds und Motorräder könnten sogar „prinzipiell“ fast so leise sein wie Fahrräder.

Trotzdem geben sich Analysten bei den Marktchancen eher vorsichtig. Im Jahr 2018 produziere die deutsche Autoindustrie voraussichtlich mehr als 300 000 Elektroautos, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Vor einem halben Jahr sei man noch von 200 000 Fahrzeugen ausgegangen. Aber auch 2018 werde nur ein halbes Prozent der Autos mit Elektroantrieb fahren. int

 

OZ

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