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Eine Aufsteiger-Biographie in acht Epochen

Eine Aufsteiger-Biographie in acht Epochen

Von ganz unten nach ganz oben: Gerhard Schröder sicherte seinen geradezu unaufhaltsamen sozialen Aufstieg auch durch private Flexibilität ab.

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Gerhard Schröder liebt Zigarren der Marke „Cohiba“.

Weggefährten und Biografen sind sich über die Person Schröder in einem einig: Der frühere Bundeskanzler hat sein Leben in Epochen eingeteilt. Seine Stationen:

Das Arme-Leute-Kind. Sein Vater fiel im Krieg, Mutter Erika brachte vier Kinder allein durch. Sie beschwört ihren Kleinen: „Geh inne Schule.“ Gerd ist der Kleinste in der Zwergschule im Lippischen, hat aber ein helles Köpfchen.

Der Bildungsprofiteur. Für das Gymnasium ist kein Geld da. Nach der Hauptschule geht Gerd bei einem Haushaltswarenhändler in Lemgo in die Lehre. Auf der Abendschule holt er die mittlere Reife, später das Abitur nach. Das Studium in Göttingen finanziert er durch Wochenendarbeit auf dem Bau. Mit 24 heiratet er die Tochter des Bauunternehmers.

Der Juso-Chef. Beim Jura-Studium kommt Schröder mit der Parteipolitik in Berührung — und mit einer jungen Lehrerin, die sein Selbstbewusstsein fördert. Schröder steigt bei den Jusos auf, ist ein bisschen links, aber nicht zu sehr.

Der Aufsteiger. Die nächste Etappe ist erreicht. Rechtsanwalt in Hannover, Juso-Bundesvorsitzender, Bundestagskandidat, MdB. Privat orientiert er sich auch neu. Auf die Lehrerin folgt eine junge Intellektuelle, die zwei Töchter mit in die Ehe bringt und Schröder eine Familie beschert. Er ist von ihr fasziniert: „Hillu ist nicht nur schön, sie ist auch kluch.“ In der vom „Kanalarbeiter“ Egon Franke beherrschten hannoverschen SPD wird Schröder zum Reiztypen.

Der Ministerpräsident. Der Junge aus dem Lipperland hat es geschafft. Er kann seine alte Mutter, wie einst versprochen, mit dem Mercedes abholen (lassen). In seiner ersten Legislaturperiode als Ministerpräsident (1990 bis 1994) zeigt eine seiner großen Stärken: Schröder kann gute Leute um sich scharen und auf sich einschwören. Frank-Walter Steinmeier, Brigitte Zypries, Jürgen Trittin, Uwe-Karsten Heye. In seiner zweiten Amtszeit strebt Schröder erfolgreich die Kanzlerkandidatur 1998 an — und orientiert sich auch privat neu. Die Politik-Journalisten Doris Köpf passt jetzt eher zu ihm als eine passionierte Tierschützerin, als die sich Hillu zunehmend erwies.

Der Kaschmirkanzler. „Regieren macht Spaß“, sagt Schröder und setzt das legendäre rot-grüne Chaos in Gang. Die Anzüge sind von Brioni, die Brille von Armani und die Zigarren sind Marke Cohiba. Später zeigt er Stärke und hält Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. Und Härte: Seine Agenda 2010 sichert in seiner Wahrnehmung und der seiner Bewunderer Deutschlands wirtschaftliche Zukunft. Schröder ist jetzt mächtig, aber noch nicht reich.

Der Global Player. Schröder wechselt in die Wirtschaft, verdient endlich annähernd so viel Geld wie die „Bosse“, mit denen er als Kanzler so gut konnte. Alle Fragen, ob er nicht in die Politik zurück möchte, beantwortet er mit dem bekannten Wolfslächeln. Soll heißen: Ich will doch nicht verarmen.

Der Weltendeuter. An dieser Rolle arbeitet Schröder noch. Ab Siebzig fällt das leichter. ur

 



OZ

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