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„Einen wie Gottschalk gibt es nur einmal“

„Einen wie Gottschalk gibt es nur einmal“

Interview mit dem Medienpsychologen Jo Groebel.

OSTSEE-ZEITUNG: Alle reden über Markus Lanz. Geht es überhaupt um ihn, oder ist das Format „Wetten, dass. . ?“ in der Krise?

Jo Groebel: Ganz allgemein gilt, dass Sendungen so gut wie nie von ihren etablierten, liebgewonnenen Moderatoren zu trennen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die große Samstagabend-Unterhaltung zwar noch existiert, aber nicht mehr so zwingend Erfolg verspricht wie früher. Es gibt einzelne Gegenbeispiele, vor allem das „Dschungelcamp“, das ein breites Publikum anspricht und überall Tagesgespräch ist.

OZ: Warum ist der Moderator so wichtig?

Groebel: Gerade „Wetten, dass..?“ hat sehr stark von Thomas Gottschalk gelebt. Gottschalk liebte die Improvisation und lief zur Höchstform auf, wenn es schwierig wurde. Markus Lanz ist ein guter, disziplinierter Fernseh-Arbeiter, der gut vorbereitet ist, aber nicht diese Unverfrorenheit hat. Jemand wie Lanz funktioniert gut in einem Talkshow-Format, aber auf der großen Bühne braucht es einen Zauberkünstler — und jemanden wie Gottschalk gibt es eben nur einmal.

OZ: Welche Zukunft hat die ungeschnittene Liveshow noch?

Groebel: Den ganz großen Straßenfeger gibt es bei der Liveshow nicht mehr. Das schaffen ab und an noch einzelne Sendungen aus dem Bereich der Fiktion, wie „Tatort“, oder große Sportereignisse. Die Liveshow, die nicht dramaturgisch aufgepeppt ist wie das „Dschungelcamp“, führt nicht mehr alle Generationen vor dem Fernseher zusammen. Sie wird sich höchstens noch im mittleren Quotenbereich bewegen. Die Quoten von „Wetten, dass. . ?“ sind, am Durchschnitt des ZDF gemessen, immer noch ganz passabel. Das eigentliche Drama ist der Imageverlust durch den Einbruch.

OZ: Wie ordnen Sie die Internet- Kampagne gegen Markus Lanz ein?

Groebel: In gewisser Weise ist das die Renaissance des Gemeinschaftsmediums — selbst wenn es, wie in diesem Fall, nicht auf positiver Identifikation beruht. Das Internet schafft eine neue Öffentlichkeit, und das Besondere daran ist, dass es bei der Meinungsbildung einen Ansteckungseffekt gibt — vor allem bei negativen Meinungen.

OZ: Wer tut es sich noch an, unter solchem Druck eine populäre Sendung zu moderieren?

Groebel: Wer in die Politik geht oder Moderator wird, muss ein dickes Fell haben. Selbst wer so freundlich, sympathisch und harmlos ist wie Markus Lanz, kann einen Shitstorm auf sich ziehen. Das ist Teil des Berufsrisikos, dafür wird er gut bezahlt. Interview: Hanno Kabel

 



OZ

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