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Experte warnt: Verschwörungstheorien sind nicht harmlos

Experte warnt: Verschwörungstheorien sind nicht harmlos

Rostock — Thomas Grüter (57), Wissenschaftler aus Münster, hat mehrere Bücher über Verschwörungstheorien geschrieben.

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Thomas Grüter

Quelle: privat

Rostock — Thomas Grüter (57), Wissenschaftler aus Münster, hat mehrere Bücher über Verschwörungstheorien geschrieben. Er erklärt, warum manche glauben, dass böse Mächte mit riesigen Haarp-Antennen das Wetter verändern oder mit Chemikalien den Himmel verseuchen („Chemtrails“).

OSTSEE-ZEITUNG : Gibt es viele Leute, die an Sachen wie Chemtrails und Haarp-Anlagen glauben?

Thomas Grüter : Die Szene ist eher klein. Sie hat vielleicht ein paar hundert Anhänger in Deutschland.

OZ : Wieso finden ihre absurden Geschichten so viel Beachtung?

Grüter : Weil eine spektakuläre Verschwörungstheorie leicht im Gedächtnis haften bleibt. Die oft aufwendige und technisch anspruchsvolle Widerlegung können sich die meisten Menschen dagegen nicht so recht merken.

OZ : Haben die Anhänger ein konkretes Feindbild?

Grüter : Jede Verschwörungstheorie kennt Verschwörer, die im Hintergrund Böses tun oder planen. Das können zum Beispiel die USA, Israel oder die Europäische Zentralbank sein. Ein solches Feindbild schweißt Menschen zusammen und schottet sie gleichzeitig nach außen ab. Der Inhalt der Theorien ist eher nebensächlich, er muss nur zum Stereotyp des bösen Verschwörers passen.

OZ : Warum tauchen die Haarp- und Chemtrail-Verschwörer bei den Pegida-Demonstrationen auf?

Grüter : Die Pegida-Anhänger sehen sich von Medien und Politikern absichtlich missverstanden. Sie glauben, die ,wahren‘ Ansichten der Mehrheit der Deutschen zu vertreten. Als Feindbilder lassen sich der Islam, die USA, die deutsche Politik und die Medien identifizieren. Anhänger anderer Verschwörungstheorien, wie Chemtrails, Haarp-Anlagen oder Reichsbürger, fühlen sich dort wohl, weil sie ein ähnliches Feindbild pflegen.

OZ : Haben Verschwörungstheorien mehr Zulauf als früher?

Grüter : Das lässt sich nicht belegen. Durch das Internet ist das Phänomen aber viel auffälliger geworden. Soziale Netze und Foren sorgen dafür, dass auch exotische Theorien schnell ein größeres Publikum erreichen. Andererseits verschwinden sie auch schneller.

OZ: Sind diese Theorien denn gefährlich?

Grüter: Sie können die Gesellschaft tief spalten. In den USA werfen sich Republikaner und Demokraten die wildesten Verschwörungstheorien an den Kopf, ein Konsens ist kaum möglich. Bis ins 20.

Jahrhundert wurden den Juden in Europa die übelsten Komplotte vorgeworfen, was immer wieder zu Pogromen geführt hat. Man sollte das keinesfalls unterschätzen.

Interview: gkw

 



OZ

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