Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Nachrichten Forscher und Anti-Atom-Kämpfer mit Nobelpreisen geehrt
Nachrichten Forscher und Anti-Atom-Kämpfer mit Nobelpreisen geehrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:32 10.12.2017
Beatrice Fihn, Geschäftsführerin der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen, bei ihrer Rede in Oslo. Quelle: Bendiksby. Terje/ntb Scanpix
Anzeige
Oslo/Stockholm

Die diesjährigen Nobelpreisträger haben am Sonntag bei Feiern in Oslo und Stockholm ihre Diplome und Medaillen entgegengenommen.

Den Friedensnobelpreis bekam in der norwegischen Hauptstadt am Mittag die internationale Organisation Ican für ihren Einsatz für ein Verbot von Atomwaffen. „Es ist Wahnsinn, sich von diesen Waffen beherrschen zu lassen“, warnte Direktorin Beatrice Fihn. Ein einziger Moment der Panik, der Nachlässigkeit oder ein verletztes Ego könnten eine Katastrophe auslösen. Deswegen sei ein Verbot die einzig vernünftige Lösung. 

Fihn nahm den Preis in einer sehr emotionalen Zeremonie zusammen mit einer Überlebenden des US-Atombombenangriffs auf Hiroshima entgegen. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm überreichte König Carl XVI. Gustaf den Preisträgern in Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaftswissenschaft am späten Nachmittag ihre Auszeichnungen.

Der Leiter der Nobelstiftung, Carl-Henrik Heldin, warnte, Wissenschaft und das Streben nach Wissen würden derzeit häufig infrage gestellt - „sogar in Teilen der Welt, wo man sie für selbstverständlich hielt“. „Fakten, Wissen und rationales Denken werden herausgefordert von alternativen Fakten, unwahren Aussagen und unverantwortlichem Handeln“, sagte Heldin. Viel zu viele Menschen auf der Welt seien ständig von Gewalt bedroht. 

Friedensnobelpreisträger Ican, die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“, kämpft seit 2007 gegen den Widerstand der Atommächte und vieler anderer Länder dafür, Atomwaffen per internationalem Vertrag zu verbieten. Die Organisation wirkte maßgeblich am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mit, der im Juli unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird.

Der Friedensnobelpreis für Ican setzt auch die vermutlich neun Atommächte und ihre Partner unter Druck. Denn sie und fast alle Nato-Staaten - darunter Deutschland - tragen den Verbotsvertrag nicht mit. 

„Der Vertrag hat mächtige Gegner, doch die Idee, Atomwaffen zu verbieten und abzuschaffen, ist weder neu noch naiv“, betonte Nobeljurorin Berit Reiss-Andersen. Das Nobelkomitee glaube, ein Verbot könne der entscheidende Schritt zu einer Welt ohne Atomwaffen sein. 

Den Literaturnobelpreis nahm der in Japan geborene britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro entgegen. Sara Danius, die ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie, ehrte ihn für herausragende Kunst. Man blättere immer weiter, weil man gepackt von dem sei, was man zwischen den Zeilen lese. Ishiguro helfe dem Leser wie mit einer Lupe Zusammenhänge zu verstehen und gehe dabei oft literarische Risiken ein. 

Mit dem Preis in Chemie wurden der Schweizer Jacques Dubochet, der Deutsch-Amerikaner Joachim Frank und der Briten Richard Henderson für die Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie ausgezeichnet. Den Nobelpreis in Physik überreichte König Carl Gustaf den US-Amerikanern Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne für den Nachweis der Gravitationswellen.

Für die Erforschung der Inneren Uhr nahmen die US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young den Medizin-Nobelpreis entgegen. Sie hätten einen „wahrhaft fundamentalen Prozess“ in den menschlichen Zellen aufgedeckt, lobte Laudator Carlos Ibanez. Jetzt verstehe man auch, warum das Bankett am Abend der Nobelpreisverleihung vielen gegen Jetlag helfen werde, sagte er scherzend. 

Den als inoffizieller Nobelpreis bekannte Preis für Wirtschaftswissenschaften ging in diesem Jahr ebenfalls wieder an einen US-Amerikaner. Richard Thaler nahm ihn für seine Beiträge zur Verhaltensökonomie entgegen.

Die Preise werden traditionell am Todestag ihres Stifters Alfred Nobel (1833-1896) verliehen. Sie sind in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 900 000 Euro) dotiert.

dpa

Mehr zum Thema

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan reist heute zu einem zweitägigen Griechenland-Besuch nach Athen.

07.12.2017

Für Werke mit starker emotionaler Kraft bekommt Kazuo Ishiguro den Literaturnobelpreis. In seiner Nobelrede erzählt der Brite, wie er seinen Stil entwickelte - und fordert frisches Denken in der Literaturwelt.

07.12.2017

Die meisten Fischbestände weltweit gelten als ausgereizt oder überfischt bis hin zu kollabiert. Seit 20 Jahren gibt es das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei. Allen Verdiensten zum Trotz bleiben kritische Stimmen nicht aus.

08.12.2017

Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht könnte noch am Donnerstag einen Schlussstrich unter den seit Jahren schwelenden Machtkampf beim Discounter ziehen. Es geht um Macht und viel Geld.

12.04.2018

Wie viel ist der Käuferschutz beim Online-Bezahldienst Paypal in der Praxis wert? Ein BGH-Urteil stärkt die Rechte des Verkäufers. Der Kunde bleibt aus Sicht der Richter dennoch König. Verbraucherschützer sehen das anders.

12.04.2018
Nachrichten Nach Todesschüssen auf Polizei - Lebenslange Haft für „Reichsbürger“

Im Morgengrauen schießt er auf Beamte einer Spezialeinheit. Ein Polizist stirbt, zwei weitere werden verletzt. Für seine Tat hat der „Reichsbürger“ aus Mittelfranken jetzt seine Strafe bekommen.

28.03.2018
Anzeige