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Nachrichten Kameradrohne liefert himmlische Bilder
Nachrichten Kameradrohne liefert himmlische Bilder
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02:00 04.11.2014
Auf Erfolgskurs: Ben Pötke (29) und Michael Knüppel (29) mit ihrer Volocam Fotos (3): Dietmar Lilienthal

Der goldene Hahn thront knapp 120 Meter über der Stadt. Die Kamera nähert sich ihm, umkreist ihn — und fängt zugleich das Panorama der Hansestadt Rostock ein. Unten am Fuß

der Petrikirche bangen zwei junge Männer um die teure Technik, die oben die grandiosen Luftbilder aufnimmt. „Am Anfang ist die Angst mitgeflogen“, sagt Michael Knüppel (29) von der Firma Volocam GbR, die sich auf Luftaufnahmen mit Kameradrohnen spezialisiert hat.

Die luftigen Bilder mit der mehr als 20000 Euro teuren Kameradrohne haben Knüppel und sein Kollege Ben Pötke (29) Anfang 2013 gedreht. Als Referenz, um potenziellen Kunden zu zeigen, was sie können. Was für beeindruckende Aufnahmen entstehen, wenn man aus der Vogelperspektive die Welt betrachtet. Oder ein Hotel, ein Eigenheim, eine Landschaft, Schiffe oder Industrieanlagen. Inzwischen hat Volocam viele Referenzen, aber der Weg dahin war lang.

Sechs Jahre waren die beiden alt, als sie sich beim Fußball-Training des FC Hansa Rostock kennen lernten. Damals wollten sie Profifußballer werden, klar, wie so viele Jungs in dem Alter. Der Traum erfüllte sich nicht, dafür ein anderer, den sie schon auf dem Ernst-Barlach-Gymnasium hatten: „Wir haben davon geträumt, als Selbstständige Geld zu verdienen.“ Gemeinsam und mit der eigenen Firma.

Nach dem Abitur trennten sich ihre Werdegänge — zumindest die beruflichen —, um bald darauf wieder zusammenzulaufen. Michael Knüppel studierte Wirtschaftwissenschaften an der Universität Rostock, Ben Pötke absolvierte in der Hansestadt eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton am Institut für neue Medien. Bei den Dreharbeiten zu seinem Anti-Drogen-Drama „Drugs & Dogs“ hätte Pötke gern Drohnenbilder eingebaut. Aber: Für „hochqualitative Aufnahmen“ habe es zwischen Hamburg und Berlin keinen Anbieter gegeben, sagt er.

Damit war der Grundstein gelegt für ihre Idee zur Selbstständigkeit. Und sie verfolgten ihr Ziel konsequent. Das Startkapital verdienten sie sich mit der Montage von Solaranlagen, etwa auf der DKB-Arena, die die leidenschaftlichen Hansa-Fans und Gründer des Strandfußballvereins „Rostocker Robben“ natürlich Ostsee-Stadion nennen. Bundesweit reisten sie zu Photovoltaikparks, und wenn sie zu Hause in Rostock waren, probierten sie sich auf einem Acker an ihrer ersten Drohne aus.

Was nachher in der Luft spielerisch einfach aussieht, erfordert viel Übung, technisches Geschick und Fingerspitzengefühl. Sie mussten lernen, Entfernungen und Höhe abschätzen, Kurven zu fliegen, Witterungsbedingungen zu beherrschen, damit ruckelfreie, scharfe Bilder entstehen. Dabei steuert Knüppel als Pilot die Drohne per Fernbedienung, während Pötke die daran befestigte Kamera bedient.

Auch innerhalb der Firma trennen die Existenzgründer ihre Aufgaben klar: Pötke plant die Produktionen und setzt sie um — von Fotos über bewegte Luftbilder bis hin zu Imagefilmen —, während Knüppel das Betriebswirtschaftliche organisiert. „So entsteht kein Kompetenzgerangel“, erklärt Knüppel.

Für die ersten Aufträge musste Volocam — Wortschöpfung aus volare (lat: fliegen) und cam (engl.: Kamera) — kräftig Klinken putzen gehen. Oder sie verteilten 30000 Werbeflyer in Rostock. Und das nicht gerade billige Angebot überzeugt immer mehr Kunden: Mittlerweile haben Knüppel und Pötke Auftraggeber von der Insel Usedom bis Lübeck. Dazu gehören Hotelbetreiber ebenso wie das NDR Nordmagazin, die Hanse Sail oder der Offshore-Zulieferer EEW Special Pipe Constructions in Rostock.

Doch die Konkurrenz ist gewachsen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern drängen sich inzwischen etliche Anbieter auf dem Luftbilder-Markt. „Unser Angebot ist sicher nicht das günstigste, dafür setzen wir auf Qualität“, betont Knüppel. Rund 400 Euro kostet bei Volocam die Dreh- und Flugstunde inklusive aller Aufnahmen, für den ganzen Tag werden 2000 Euro fällig. „Sollte ein Kunde mit unserer Arbeit nicht zufrieden sein, wiederholen wir den Dreh. Das gehört zum Service“, sagt Knüppel. Aber das sei bislang nicht vorgekommen.



Axel Meyer

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