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175 Jahre St. Pauli Theater: Hafen, Huren und sehr viel Heimat

Hamburg 175 Jahre St. Pauli Theater: Hafen, Huren und sehr viel Heimat

. Es mag an dem Standort liegen, direkt neben der legendären Davidwache am Spielbudenplatz, an der Reeperbahn, an den vielen Stars, die dort ein- und ausgehen ...

Hamburg. . Es mag an dem Standort liegen, direkt neben der legendären Davidwache am Spielbudenplatz, an der Reeperbahn, an den vielen Stars, die dort ein- und ausgehen und an der wechselvollen Geschichte des Hauses. Es könnte auch die Mischung von Bürgerlichkeit und Milieu, polierten Fassaden und Herbertstraße sein, die die Faszination ausmacht. Fest steht, das St. Pauli Theater ist ein Stück Hamburger Geschichte, nicht aus der Stadt und nicht aus dem kulturellen Leben wegzudenken.

Am 30. Mai feiert eines der ältesten Privattheater der Republik seinen 175. Geburtstag, mit großer Gala wie es für ein solches Haus angemessen ist. Immer ein wenig schrill, immer volksnah und immer mit subtiler Tiefgründigkeit.

„Es gab hier schon alles“, sagt Ulrich Waller, der das Theater seit 2003 zusammen mit Thomas Collien leitet. Dieser ist bereits in der dritten Generation tief mit dem Haus verbunden. Sein Großvater, der Konzertveranstalter Kurt Collien, hatte es 1970 übernommen. Da war es mehr als 100 Jahre alt, hatte Urania-, Actien-, Varieté und Ernst Drucker Theater geheißen und eine Bühne für Lokalstücke, Tanz- und Musikshows, Henrik Ibsen und die Zitronenjette geboten. Schon da war es ein Ort für die Menschen, die im Viertel lebten.

„Da durfte geraucht, gegessen und getrunken werden, es gab Stehplätze und das Publikum hat auch schon mal aktiv in das Bühnengeschehen eingegriffen“, erzählt Regisseur Waller. Als den Zuschauern, hauptsächlich Seeleuten, das Ende von Goethes Faust nicht gefiel, protestierten sie so lange, bis Gretchen nicht etwa stirbt sondern Faust heiratet. „Das muss so Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen sein“, sagt Waller. Seitdem traten immer wieder große Stars auf der kleinen Bühne auf, etwa Freddy Quinn als „Der Junge von St. Pauli“ in den 1970 ern Jahren.

In den 1980ern folgt dann die Blütezeit als Boulevardtheater, Elke Sommer und Willy Millowitsch treten auf. Mit Thomas Collien, der seit 25 Jahren am Haus ist, und Ulrich Waller seit 13 Jahren, etabliert sich das Haus als „modernes Volkstheater“, wie Collien es nennt. „Wir wollen intelligente Unterhaltung bieten und ein Theater sein, das keine Schwellenangst auslöst, nicht so ernst ist wie manch Staatstheater und doch auch Bildungsbürger anzieht“, erklärt er. Kurzweilig und doch auch mal unbequem. Collien und Waller halten es da mit Udo Lindenberg: „Unterhaltung hat etwas mit Haltung zu tun.“

Auf gleich sechs Säulen fußt das Konzept. „Nach dem Vorbild von Broadway und Westend bieten wir Stücke wie ,Der bittere Honig’ mit Eva Mattes in der Regie von Peter Zadek oder ,Tod eines Handlungsreisenden’ mit Burghart Klaußner inszeniert von Wilfried Minks“, sagt Collien. Ein zweiter Schwerpunkt ist Theater mit klarem Hamburg-Bezug. „Nacht-Tankstelle“, „Ricky – ein Boxer aus St. Pauli“ und „Linie S1“ sind Beispiele.

Darüber hinaus bietet das Theater internationale Inszenierungen und Theatergastspielen sowie Kabarett und Comedy eine Bühne.

OZ

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