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300 Bilder für Schwerin

Schwerin 300 Bilder für Schwerin

Staatliches Museum zeigt Werke der privaten Kunstsammlung Frank Brabants, die er dem Haus nach seinem Tod übereignet

Schwerin. Zu seinem ersten Holzschnitt von Max Pechstein kommt Frank Brabant Anfang der 60er Jahre eher durch Zufall: „Ich war zu früh zu einer Verabredung und ging in eine Galerie, dort gab es etwas zu essen und zu trinken. Dann dachte ich, so kann ich hier nicht rausgehen“, erinnert sich der 79-Jährige. Für 300 DM stottert er damals jene Arbeit ab, mit der er den Grundstein zu seiner mehr als 600 Arbeiten umfassenden Sammlung legt. Für sein zweites Werk „Marielle“ von Ernst Ludwig Kirchner opfert er 6000 DM – das Geld für seinen ersten VW Käfer.

Die Ausstellung „Von Beckmann bis Jawlensky“, die heute in Schwerin eröffnet wird, zeigt 150 Arbeiten seiner Sammlung und gibt damit einen Vorgeschmack: Nach seinem Tod überlässt der gebürtige Schweriner dem Staatlichen Museum rund 300 Arbeiten, die anderen Werke erhält das Museum Wiesbaden, die Stadt, in der Brabant seit fast 60 Jahren lebt.

Brabants Sammlung zählt zu den bedeutendsten Privatsammlungen der klassischen Moderne und umfasst Arbeiten von Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Georg Tappert, Emil Nolde, Otto Dix, Max Beckmann bis hin zu A.R. Penck und Markus Lüpertz. Der Schwerpunkt liegt auf Werken des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, jener Epochen, die in der Sammlung des Schweriner Museums vergleichsweise weniger vertreten sind. Ein zentrales Sammlungsgebiet bilden Arbeiten der sogenannten verschollenen Generation, die Brabant bekannten Künstlern bewusst gegenüberstellt.

Mit der Sammlung schließe sich eine Lücke – besonders im Hinblick auf die 20er und 30er Jahre – da damals kaum aktuelle Werke für das Haus angekauft worden seien. „Für uns ist es eine wichtige Erweiterung, die wir mit heutigen Mitteln nicht leisten könnten“, sagt Direktor Dirk Blübaum, der die Ausstellung kuratiert hat. Orientiert habe er sich an der Brabant'schen Dachgeschosswohnung in Wiesbaden, wo der leidenschaftliche Sammler seine Schätze auf rund 140 Quadratmetern dicht an dicht gehängt hat.

Zu sehen ist das in der Ausstellung auf einem großen Foto. Auch die gelbe Wandfarbe sei in der Ausstellung aufgenommen worden. „Wir haben versucht, Intimität herzustellen, die Ausstellung mutet an wie in einer großen Villa“, sagt Gerhard Graulich vom Staatlichen Museum. Dafür verzichtet Frank Brabant sogar auf einen Teil seiner Möbel – auch die sind Teil der Ausstellung, die einen Querschnitt der Werke zeigt, die die Sammlung des Schweriner Museums in Zukunft ergänzen werden.

Brabant, der 1938 in Schwerin geboren wurde und sich später in Wiesbaden eine erfolgreiche Existenz als Geschäftsmann aufbaute, hat einen besonderen Bezug zum Schweriner Museum: „Immer wenn ich keine Karten für die Kindervorstellung im Kino bekommen habe, bin ich ins Museum gegangen“, verrät er. „So habe ich die Kunst kennengelernt.“ Ein Bild ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: der Mädchenkopf von Emil Nolde: „Der Preis ging von 3000 auf 24000 DM rauf, es sollte nach Amerika verkauft werden.“ Mit „Ach und Krach – damals war es schwierig mit Krediten“ – habe er dafür gesorgt, dass es in Deutschland bleibt. „Heute ist es in Schwerin“, sagt Brabant. Und: „Das Sammeln geht weiter.“

Stefanie Büssing

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