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Kultur 450 Jahre: Ovationen für die Staatskapelle Schwerin
Nachrichten Kultur 450 Jahre: Ovationen für die Staatskapelle Schwerin
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00:00 23.05.2013
Heinz-Jürgen Staszak zum Festakt 450 Jahre Staatskapelle
Schwerin

Aber jetzt ist sie in ihrem Bestand durch die Fiskalpolitik des Landes bedroht. Nicht nur, aber auch aus Sparsamkeit machte sie ihr saisonabschließendes 8. Sinfoniekonzert zugleich zum großen Jubiläumskonzert, von Deutschlandradio Kultur live übertragen und vom Publikum mit stehenden Ovationen bedankt — Festglanz im Zwielicht der Ungewissheit war das durchgängige Leitmotiv des Dienstagabend im Staatstheater.

Zuvor gab es Grußworte. Sozialministerin Manuela Schwesig pries die glorreiche Vergangenheit der Staatskapelle und gebrauchte gleich mehrmals die Wendung: „Das war so. Das ist so.“ Aber den einen entscheidenden Satz: „Das wird auch so bleiben“, sagte sie nicht. Stattdessen formulierte sie „ihren Wunsch nach mehr Sicherheit für die Kapelle“ ausdrücklich nicht als Ministerin, sondern als persönliche Bemerkung. Da war Angelika Gramkow, Schwerins Oberbürgermeisterin, entschiedener. „Wir stehen fest zu unserem Theater und zu unserem Orchester; wir wollen sie bewahren und erhalten“, bekannte sie unter Beifall.

Dann gab es, worum es geht: Musik, von der Staatskapelle unter ihrem Generalmusikdirektor Daniel Huppert mit wirkungsvollem Können und enthusiasmiert gespielt. Mit großem künstlerischen Einsatz besonders für das eindrucksvolle Hauptwerk des Abends, die Uraufführung des „Schweriner Konzertes“, ein „Orchesterkonzert in vier Abteilungen“ von Siegfried Matthus (79), einem schon in der DDR international erfolgreichen Komponisten. „Keine Jubelmusik sollte es sein“, sagte Matthus, „sondern eine Protestmusik“. Und so stoßen — in spieler- und hörerfreundlicher Beherrschung der Kunstmittel — unterschiedliche Bezirke der Gefährdung auf solche der rhythmisch getriebenen Auflehnung, bis sie sich im Schlusssatz „Con rabbia“ (Mit Wut) zu einer Mischung aus Ohnmacht und aktivierender Empörung verdichten.

Zugleich ist dieses Werk, im schönen Doppelsinn, eine Hommage an das Orchester, nicht nur an das Schweriner, sondern an das „unverzichtbare Kulturgut“ (Matthus) sinfonisches Orchester, diesen schwierigen, wundervollen und unvergleichlichen künstlerischen Apparat, dessen mannigfaltige Ausdrucksmöglichkeiten seiner einzelnen Instrumentenregister und ihres kunstvollen Zusammenwirkens exemplarisch gewürdigt werden. Diese Kunst präsentierte die Staatskapelle auch in den Rahmungen des Matthus-Konzertes. Im Verein mit der niederländischen Geigenkünstlerin Isabelle van Keulen (46) gaben Huppert und das Orchester dem großen Violinkonzert von Brahms einen gar nicht landläufigen Zuschnitt, die Staatskapelle mit gerundetem, ausdifferenziertem Klang, die Solistin ohne bloße virtuose Bravour und dramatischen Furor, sondern mit intensiver Intimität und zerbrechlicher Zartheit oder mit gleichsam präzisem Temperament.

Mit der abschließenden Feuervogel-Suite von Strawinsky, fein koloriert und genau gezeichnet, bewiesen die Staatskapelle ihre farbenreiche Klangkultur und Huppert seine durchdringende Gestaltungskraft.

OZ

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