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Kultur 70 Jahre Verlag für die Frau: DDR-Kochbücher bleiben gefragt
Nachrichten Kultur 70 Jahre Verlag für die Frau: DDR-Kochbücher bleiben gefragt
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10:01 02.12.2016
Die Bücher „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“ vom Verlag für die Frau gehören immer noch zu Standardwerken in vielen Haushalten. FOTO: JAN WOITAS

Leipzig. Welche Zutaten gehören in einen deftigen Gulasch? Wie gelingt ein „Kalter Hund“? Und wann schmeckt ein Erbseneintopf am besten? Zwei Bücher, in denen die Antworten zu finden waren, standen in fast jedem DDR-Haushalt: „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“. Generationen von Familien zwischen Ostsee und Erzgebirge bezogen ihr Wissen aus diesen zwei Standardwerken. Sie wurden vom Leipziger Verlag für die Frau herausgegeben und sind nach wie vor gefragt. Der Verlag – heute heißt er Buchverlag für die Frau – wurde vor 70 Jahren gegründet.

„Zu DDR-Zeiten wurde bodenständig gekocht“, sagt Sabine Melchert, Verlags-Programmleiterin. Die Rezepte seien vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungslage im sozialistischen Handel entwickelt worden. „Exotische Zutaten hatten da weniger eine Chance“, sagt sie. Trotzdem finden sich auch Rezepte für Obstsalate mit Melone, Pfirsich und Bananen, obwohl diese Früchte im Laden schwer zu bekommen waren. „Unsere Rezepte funktionieren, und die Zutaten sind heute alle einfach zu besorgen. Das ist unser Erfolgsrezept“, sagt Melchert. Die Koch- und Backbücher sind im Laufe der Jahrzehnte etwas modernisiert worden. Es gibt nun Farbfotos und Mengenangaben für Fett und Zucker wurden reduziert. Ansonsten blieb bewusst das meiste wie gewohnt.

Der 1946 in Leipzig gegründete Verlag verdankte zu DDR-Zeiten seine Bekanntheit vor allem Modezeitschriften wie „Pramo“ (Praktische Mode) oder „Saison“ mit Auflagen zwischen 200

000 und 300000 Exemplaren. Ab 1956 erschien die Zeitschrift „Sibylle“ – die Vogue des Ostens. Aus Leipzig kam auch die Zeitschrift „Guter Rat“, die heute zum Burda-Verlag gehört. Zum Ende der DDR hatte der Verlag über 400 Mitarbeiter. Er gab zehn Zeitschriften heraus, pro Jahr erschienen 40 Bücher und 700 Schnittmuster, Handarbeitsvorlagen und handkolorierte Kunstblätter. Heute sind es nur noch vier Mitarbeiterinnen.

Nach der Wende gab es einen schwierigen Schnitt: Angesichts bundesdeutscher Konkurrenz hatte der Verlag wenig Chancen, fand aber seine Nische. Seit 2015 gehört er zur Verlagsgruppe grünes herz (Ilmenau), die auf Land- und Wanderkarten sowie auf Regionales spezialisiert ist.

„Wir setzen weiter auf Bewährtes und auf das ostdeutsche Publikum“, sagt Geschäftsführer Lutz Gebhardt. Das Backbuch ist seit 50 Jahren ein Quotenhit und in 43. Auflage auf dem Markt. Der Klassiker „Wir kochen gut“ wurde in den vergangenen 55 Jahren über fünf Millionen Mal verkauft. Es sei aber nach wie vor schwierig, an Leser im Westen heranzukommen, sagt Gebhardt. „Es gibt die Sehnsucht nach den Wurzeln, nach der Küche aus der Kindheit“, sagt Kochbuch-Bloggerin Katharina Höhnk. Dieser Trend der nostalgischen Heimat-Kochbücher halte sich seit Jahren. Bundesweit gibt es nach ihren Angaben etwa 20 Verlage, die sich auf Kochbücher spezialisiert haben. Sie erreichten in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten.Gudrun Janicke

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