Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur ARD-Dopingexperte Seppelt erhält kein Visum für Russland
Nachrichten Kultur ARD-Dopingexperte Seppelt erhält kein Visum für Russland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:43 12.05.2018
Der Doping-Experte Hajo Seppelt erhält wohl keine Einreiseerlaubnis nach Russland. Quelle: Jean-Christophe Bott/keystone
Anzeige
Berlin

Die Rote Karte Russlands für den Doping-Enthüller Hajo Seppelt hat in Deutschland für Kritik gesorgt und die Bundesregierung auf den Plan gerufen.

Dem ARD-Journalisten wurde das Visum für die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli verweigert. Dies sei ein „denkbar schlechter Vorbote für eine objektive und unabhängige Berichterstattung“ über die WM, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer, dem ARD-Hauptstadtstudio. Der CSU-Politiker, der im Innenministerium für den Bereich Sport zuständig ist, forderte Russland auf, diesen Schritt rückgängig zu machen.

„Das unterstreicht, in welchem Land die WM stattfindet“, kritisierte die Grünen-Parteivorsitzende Annalena Baerbock die Entscheidung Russlands. Die Politikerin forderte auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Handeln auf: „Sport ist immer auch Politik. Der DFB darf dazu nicht schweigen.“.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigte sich ebenfalls empört und forderte ein Machtwort vom Fußball-Weltverband. „Die FIFA muss die Entscheidung Russlands anprangern und sich dafür einsetzen, dass Hajo Seppelt zur WM-Berichterstattung nach Russland einreisen kann.“

Das Ganze sei natürlich ein enormer Einschnitt in die Pressefreiheit und zeige, dass es der russischen Regierung darum geht, kritische Stimmen mundtot zu machen, meinte Frank Überall, der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes. „Angesichts der Tatsache, dass er die Dopingfälle in Russland öffentlich gemacht hat, kann man davon ausgehen, dass es sich um einen Rachefeldzug handelt.“

Die FIFA erklärte auf dpa-Anfrage, dass Seppelt eine Akkreditierung für das WM-Turnier gewährt worden sei. Nun warte man auf Informationen aus Russland. Die Pressefreiheit sei für die FIFA von überragender Wichtigkeit. „Wir streben immer an, Medienvertretern die besten Voraussetzungen zur Berichterstattung über alle FIFA-Turniere zu bieten.“

Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden, die seit 2009 im Ersten ausgestrahlt werden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. „Das ist ein politischer Akt seitens der Russen und das hat eine medienpolitische Dimension. Ich finde, dass die Politik sich dazu positionieren muss“, sagte Seppelt dem Internetportal „Salonkolumnisten.com“.

Arbeitsschwerpunkte des 55-jährigen Berliners sind die Themen Doping, Sportpolitik und Olympia. Der vielfach ausgezeichnete Journalist hat 2016 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis bekommen, weil er nach Auffassung der Jury „Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke“ bringt und „heftigen Widerstand von internationalen Sportorganisationen, Funktionären und Verkäufern glitzernder Großereignisse“ provoziert. Für seine Sportsendungen „Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik“ und „Wie Russland seine Sieger macht“ (beide ARD) war Seppelt zuvor bereits der Deutsche Fernsehpreis (Kategorie Sportsendung) zuerkannt worden.

Seppelt stehe nun auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“, das für ihn beantrage WM-Visum sei für ungültig erklärte worden. „Die ARD betrachtet dies als einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des ARD-Sportjournalismus und im Hinblick auf die Berichterstattung über Großereignisse wie die Fußball-WM als beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit“, hieß es in der Mitteilung des öffentlich-rechtlichen TV-Senders. Bei Sportgroßereignissen wie der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen sei der freie Zugang für Medienvertreter aus aller Welt üblicherweise selbstverständlich und gehöre auch zu den Voraussetzungen für die Vergabe an Ausrichterländer.

dpa

Mehr zum Thema

Portugals Fußball-Star Cristiano Ronaldo von Real Madrid hat sich nach Angaben seines Clubtrainers Zinedine Zidane während des 2:2 bei Meister FC Barcelona nicht schwerer verletzt.

08.05.2018

Gibt es noch ein Comeback im Bayern-Trikot? Reicht die Zeit bis zur WM? Ist das Risiko zu hoch? Die Fragezeichen und die Zweifel um Ausnahme-Torhüter Manuel Neuer bleiben auch kurz vor der Bekanntgabe des vorläufigen DFB-Kaders durch den Bundestrainer.

08.05.2018

Gibt es noch ein Comeback im Bayern-Trikot? Reicht die Zeit bis zur WM? Die Zweifel um Ausnahme-Torhüter Manuel Neuer bleiben. Auch um Mesut Özil gibt es plötzlich Sorgen. Ein paar Offensivoptionen fehlen Joachim Löw schon sicher.

08.05.2018
Kultur Neues Album “Lost Souls“ von Loreena McKennitt - Keltische Klänge

Auf ihrem Album “Lost Souls“ gibt die Kanadierin Loreena McKennitt bislang unveröffentlichten Songs eine Heimat. Und spricht über ihren Berufswunsch Tierärztin, ihren Weg zur Musik und ihre Sorge um die Kinder des Internets.

11.05.2018

Graphic Novels werden immer vielschichtiger. Schon lange sind Comics als Kunstform anerkannt, Museen stellen Werke aus. In gut zwei Wochen kommt die Branche wieder zum Comic-Salon in Erlangen zusammen. Eine Erfolgsgeschichte.

12.05.2018
Kultur Buchtipps von Martina Sulner - “Die Sünde der Frau“ und mehr Buchtipps

Essays über das Leben berühmter Frauen und deren Hang zur Selbstzerstörung, ein Roman über das Auseinanderfallen einer vermeintlichen Bilderbuchfamilie, und eine originelle Biografie über Samuel Becketts Zeit in Paris: die Buchtipps von Martina Sulner.

11.05.2018
Anzeige