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Aachen zeigt die andere Seite des Mies van der Rohe

Aachen Aachen zeigt die andere Seite des Mies van der Rohe

Ausstellung beleuchtet den Künstler und Architekten / Der traute sich einiges und war unglaublich visionär

Aachen. Die Krawatte sitzt perfekt, ebenso die Manschette seines Hemds, die unter dem dunklen Sakko hervorblickt. Lässig sieht Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) auf dem Schwarz-Weiß-Foto in der Ausstellung des Aachener Ludwig Forums aus: Die linke Hand in der Hosentasche, zeichnet er am Schreibtisch stehend mit der rechten scheinbar ganz locker an dem Haus Lange für den Krefelder Seidenfabrikanten Hermann Lange. Die Foto-Inszenierung ist so perfekt, dass man sich einen Moment lang wirklich fragt, ob der Architekt so locker zu Weltruhm kam.

Das Porträt ist Teil der Ausstellung „Mies van der Rohe – Die Collagen aus dem MoMa“ (28. Oktober bis 12. Februar 2017). Sie zeigt Mies von seiner unbekannten Seite: von der künstlerischen – wobei die Grenzen nicht immer eindeutig sind. Etwa in den Anfängen: Sein 1922 gezeichnetes „gläsernes“ Hochhaus auf einem Foto der Berliner Friedrichstraße hatte damals nichts mit der Realität zu tun. Man hätte es schlicht nicht bauen können, weil die Technik noch nicht so weit war. Mies’ erste Ideen waren so visionär, so radikal, technisch so unmöglich, dass sie nicht umgesetzt wurden.

„Mies wurde in seinen frühen Jahren als Papierarchitekt bezeichnet“, sagt der Direktor des Ludwig Forums und Kurator, Andreas Beitin. Eine Wettbewerbskommission soll die heute berühmte Skizze zur Friedrichstraße dann auch als utopischen Scherz beiseitegelegt haben. In Aachen sind 50 Collagen, Fotomontagen und Zeichnungen des Architekten aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) zu sehen – und damit zum ersten Mal in diesem Umfang, wie das Ludwig Forum betont. Der Sohn aus einem Aachener Steinmetz-Betrieb war 1938 in die USA ausgewandert und hatte sein Archiv ein Jahr vor seinem Tod dem MoMa vermacht. Mies galt als Ästhet, Perfektionist, Minimalist, dachte in der Kategorie „Weniger ist mehr“. Der Architekt hatte eine enge Verbindung zur Kunstszene: „Mit allen Künstlern, die in den 20er Jahren zur Avantgarde gehörten, zur Speerspitze der bildenden Kunst“, wie Beitin erklärt. E. Silberer

OZ

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