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Abenteuer der Menschwerdung: Ein Holzkopf erwacht zu echtem Leben

Schwerin Abenteuer der Menschwerdung: Ein Holzkopf erwacht zu echtem Leben

Das Schweriner Theater spielt zur Weihnachtszeit „Pinocchio“: Statt „großen Kinos“ gibt’s feines Theater – für alle Sinne.

Schwerin. . Start mit Holzkopf oder eher etwas weicher – irgendwie ist doch für jeden das Heranwachsen und Menschwerden ein großes Abenteuer. Oder war es früher mal, und ist es heute womöglich wieder, nun mit dem Blick auf eigene Kinder oder Enkel.

Im neuen Weihnachtsmärchen des Mecklenburgischen Staatstheaters lässt Pinocchio, der Hampelmann, der aus einem sprechenden Holzstück geschnitzt wurde und nun ein richtiger Junge werden will, im Schweriner Großen Haus solche Abenteuer spannend nacherleben – in einer schönen, farbenfrohen Theateraufführung: keine großflächig dröhnende Theatershow, sondern ein Schauspiel der klaren, geschickten, die Intelligenz und Fantasie der vielen kleinen Pfiffikusse im Publikum herausfordernden Gesten und Spielvorgänge (Regie Jan Jochymski). Die kleinen Zuschauer fanden das sehr fesselnd, folgten gebannt und höchst konzentriert dem spannenden Geschehen und applaudierten am Ende begeistert.

Sechs Schauspieler verkörpern über 15 Figuren, darunter einer, Christoph Götz, in einer zweiten Hauptrolle als kapellmeisterliche grüne Grille, die am linken Bühnenrand mit Keyboard, Mikro und vielerlei Gerät beeindruckende Klangkulissen zaubert: Kleiner Aufwand, könnte man meinen. Doch groß war dafür der Aufwand an Fantasie, Einfällen, bunten Kostümen und lebhaften Stoffkulissen (Ausstattung: Sabine Schmidt) in der Wirkung.

Mit Weihnachten hat die Geschichte wenig zu tun – höchstens indirekt. Denn auf seinem abenteuerlichen Weg verschlägt es Pinocchio auch mal ins Spielzeugland. Das aber ist hier als besonders tückische Form eines Schlaraffenlands inszeniert: eine grell oberflächliche Werbe- und Konsumshow, zwei Verkaufsclowns mit blöden Sprüchen über die Supertollheit ihrer Welt, in der die Kunden zu willenlosen Konsum-Eseln werden und dann nur mit Mühe die Eselsohren vom Kopf kriegen. Es ist eine Warnung von vielen in der Pinocchio-Geschichte des Italieners Carlo Collodi (1826-1890). Deren belehrend erhobener Zeigefinger ist in dieser Bühnenfassung von Peter-Jakob Kelting und Jürg Schlachter munter aufgelockert und weniger drohend, aber doch noch erkennbar. Ein bisschen Erziehung schadet ja nicht – und dass es davon nicht zuviel gibt, dafür sorgt besagte Grille, die als überforderter Autoritäts-Pädagoge wegen der neugierigen Abschweifungen Pinocchios fast verzweifelt.

Robert Höller gibt diesen berühmten hölzernen Bengel mit viel naivem Charme und artistischem Esprit: eine Art Hans im Glück, der zur Musik von „Hänschen klein“ aufbricht, erst lesen lernen will, dann aber doch gleich in die Welt zieht, um seinem Schöpfer, dem Schnitzer-Vater Geppetto (Sebastian Reusse) eine neue Jacke zu besorgen. Nur noch beiläufig geschieht hier, dass Pinocchios Nase vom Lügen immer länger wird (und dann bei Wahrheiten sogleich wieder auf Normallänge schrumpft). Aber immer wieder lässt sich dieser Pinocchio vom „rechten Weg“ abbringen, wird mit Glück und guter Fee (Anja Werner) gerettet und schließlich gerade dank der Erfahrungen auf Abwegen am Ende ein guter Junge.

Mit auf der Bühne Julia Keiling und Özgür Platte, die neben anderen Rollen als gaunerhaftes Duo Katze und Fuchs dem naiven Jungen sein bisschen Geld stehlen wollen. Und nachdem Pinocchio seinen Schnitzer Geppetto aus dem Bauch des Mörderwals gerettet hat, gibt’s natürlich ein Happy End. Auch für die musizierende Grille, die dank dieser Geschichte nun endlich ein eigenes Lied singen kann.

Insgesamt hat das Mecklenburgische Staatstheater zwischen der Premiere vom Samstag und dem 22. Dezember mehr als 40 Vorstellungen des Kinderbuchklassikers geplant. Nach Angaben des Theaters sind bereits 22000 Karten verkauft, es gebe aber noch Restkarten.

Dietrich Pätzold

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