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Rostock Abenteuer mit Sibylle

Rostocker Kunsthalle bietet buntes Programm zur Ausstellung um die DDR-Modezeitschrift

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Stefanie Meyer (28), wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Rostocker Kunsthalle, konzipiert das Begleitprogramm zur Sibylle-Ausstellung.

Rostock. Es gibt da die Geschichte mit den drei Tomaten. Carla Wurdak benötigte für ein Titelfoto der „Sibylle“ in den 80er Jahren drei rote Tomaten. Die gab es damals aber nicht. Also ging sie rüber ins Spitzenrestaurant auf der Berliner Friedrich-Straße, wo die „Sibylle“-Redaktion residierte, und sprach den Chefkoch an. Der hat ihr drei Tomaten „geliehen“

OZ-Bild

Rostocker Kunsthalle bietet buntes Programm zur Ausstellung um die DDR-Modezeitschrift

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– ob sie sie zurückgebracht hat, verriet sie im Café der Rostocker Kunsthalle nicht.

Carla Wurdak hat die Ausstellung in Rostock, die sich mit ihrer langjährigen Arbeit als Chefredakteurin der DDR-Modezeitschrift „Sibylle“ beschäftigt, besucht. Die heute 82-Jährige war von 1982 bis 1990 Chefredakteurin der „Sibylle“. Im Jahr 1994 musste sich die Zeitschrift den Gesetzen des freien Marktes geschlagen geben und wurde eingestellt.

In Rostock tauchte Carla Wurdak tief in die Geschichte ein, lobte Kurator Ulrich Ptak für seine intensive Arbeit und die Systematik der Ausstellung und erzählte ein paar Anekdoten aus alten Zeiten.

Zum Beispiel, dass sie damals für ein Titelfoto gerade mal zwei Filme zur Verfügung gestellt bekam – für eine Reportage einen. Mit 36 Bildern! In digitalen Zeiten kaum vorstellbar.

Carla Wurdak betont, dass „Sibylle“ aber eben mehr war als reine Fotostrecke. Sie habe schon mehrere Ausstellungen zu dem Thema in Potsdam und Berlin gesehen, sagt sie. Aber diese hier in Rostock sei etwas Besonderes. „Die Geschichte, die Geschichten, die Fotografie. Sibylle bestand ja nicht nur aus Modefotografie.“

Die Problematik, betont auch Ptak, bestehe ja darin, wie man eine Zeitung ins Museum bringt, die es seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gibt. Carla Wurdak: „Hier hat man, selbst wenn man nicht Chefredakteur der Sibylle war, als junger Mensch zum Beispiel, nach der Ausstellung einen Eindruck davon, wie es in der DDR aussah, wie die DDR funktioniert hat.“

Diesen Eindruck will die Kunsthalle nicht nur mit der Ausstellung selbst, sondern auch mit einem museumspädagogischen Begleitprogramm verstärken, das heute auch als Ferienangebot mit einem „Sibylle-Workshop“ startet. Dabei können kleine und große Teilnehmer gemeinsam mit Schneidermeister Andreas Kiefer Kleidung nach Maß schneidern – gern auch im Sibylle-Look. Vier Workshops werden bis Ende März angeboten.

Das Programm, das bis Ende April läuft, hat Stefanie Meyer (28), wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunsthalle, erstellt. Sie sagt: „Es ist ja bewusst ein sehr facettenreiches Rahmenprogramm – mit Künstlergesprächen, Filmvortrag, Modenschau und einem Workshop, bei dem man selbst kreativ sein kann. Die Besucher sollen etwas erfahren, aber auch erleben können.“

Am 19. Februar lädt die Kunsthalle zu einem Ausstellungsgespräch mit dem ehemaligen Sibylle-Fotografen und Professor für Fotografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, Rudolf Schäfer. Einer der Höhepunkte sei der Artist Talk mit dem Fotografen Sven Marquardt, zu DDR-Zeiten der Punk unter den Sibylle-Fotografen, am 22. Februar. Anschließend werde Marquardt noch aus seiner Biografie „Die Nacht ist Leben“ lesen.

Zur Filmvorführung am 14. März kommt die Grimme-Preisträgerin Sabine Michel (45), zeigt ihre Dokumentation über die Fotografin Sibylle Bergemann und wird auch darüber sprechen. Die Fashion Show Anfang April ist noch in Planung. Am 9. April lädt das Fotografen-Ehepaar Ute und Werner Mahler, ebenfalls Sibylle-Fotografen, zum Gespräch.

Stefanie Meyer sagt: „Mit der Sibylle verbinden viele Besucher ja auch Erinnerungen. Das heißt, es ist ein noch nicht abgeschlossener Prozess. Unser Ziel ist es mit all diesen Angeboten, dass wir ein möglichst breites Publikum ansprechen.“ Also auch junge Leute, die die „Sibylle“ nicht erlebt haben, zu begeistern.

Programm

Workshops: vom 8. 2. bis 15. 2. und vom 2. 3. bis 30. 3. Workshops für Groß und Klein zum Selberschneidern.

Künstlergespräche: mit Sibylle-Fotografen Prof. Rudolf Schäfer (19. 2), Sven Marquardt (22. 2.), Ute und

Werner Mahler (9. 4.).

Vortrag: Dr. Andreas Krase, Autor des

Bildbandes zur Aus-

stellung. Thema:

„Der Modefotograf muss kühn sein.“

Film: „Mein Leben – Die Fotografin Sibylle Bergemann“ von Sabine Michel am 14. 3.

Lesung: „Frauen in der DDR“ mit Dr. Anna Kaminsky, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 6. 4..

Michael Meyer

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