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Ahrenshoop: Die Geometrie der Brüche

Ahrenshoop Ahrenshoop: Die Geometrie der Brüche

Moritz Götze schießt mal wieder den Vogel ab. Für aktuelle Arbeiten verwendete der Hallenser anatomische Wandtafeln aus grauer Vorzeit.

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Galerist Robert Dämmig in Ahrenshoop. An der Wand: „Die Frau“ (l.) von Rüdiger Giebler, „Kunst Dünger“ von Moritz Götze.

Quelle: D. Lilienthal

Ahrenshoop. Moritz Götze schießt mal wieder den Vogel ab. Für aktuelle Arbeiten verwendete der Hallenser anatomische Wandtafeln aus grauer Vorzeit. Auf einer schwimmen zwei Nackte zwischen amöbenartigen Gebilden umher, die sich laut Papptafel als „verschiedene Stärkesorten“ erweisen. Ein anderes zeigt eine nachtschwarze Szenerie mit Götzes poppigen Stadtbewohnern, die eine hohe graue Blattpflanze erkunden. Die Amöben und die Pflanze sind Teil der Schautafeln, alles andere hat der Künstler drumherum gemalt.

Derart witzig sind nicht alle Arbeiten in der Ausstellung „Figur Landschaft Geometrie“, die am Wochenende in der Galerie Alte Schule in Ahrenshoop eröffnet wurde. Zu sehen sind Papierarbeiten von zwölf Malern und Zeichnern. Der Titel verweist auf den freien Umgang mit den klassischen Malerei-Sujets, denn mehr als um die reine Verarbeitung der Umgebung, häufig inspiriert von der Darß-Landschaft, geht es den meisten Künstlern um die individuelle Abstraktion der Auseinandersetzung mit Umwelt. Namen wie Edmund Kesting oder Stefan Plenkers belegen, auf welch unterschiedlichen Pfaden gewandelt wird.

Das heißt nicht, dass nicht direkt in der Natur gearbeitet werden darf. Wolfgang Reinke ist mit einer seiner typischen düsteren Meerlandschaften vertreten, in der sich die Energie der unmittelbaren Naturerfahrung ahnen lässt. Dunkel, aber auf andere Art expressiv sind zwei Köpfe von Max Uhlig, ein Gewirr aus Linien, die durch Verdichtung und Ausdünnung Kontur und Plastizität gewinnen. Uhlig ist mit einem dritten Blatt vertreten, das ihn als Meister einer explosiven Farbigkeit zeigt, die nach den gleichen Prinzipien wie die schwarzweißen Köpfe funktioniert.

So spannt die Ausstellung einen Bogen von der Kargheit grafischer Einfachheit reiner Figurengruppen von George Grosz und einer neu-sachlichen Liebesszene von Erich Wegner über die spätkubistische Figürlichkeit à la Picasso in Grafiken von Wolfgang Frankenstein, einen Lieblichen Frauenakt von Gerhard Marcks hin zur postexpressionistisch leuchtenden Geometrie der großformatigen Werke von Rüdiger Giebler und der ganz und gar im Jetzt angekommenen Pop-Moderne von Moritz Götze.

Es wird offenbar, dass sich alle vertretenen Künstler auf eigenen Pfaden, aber doch in jeweils verschiedenen Kontexten bewegen. Darin spiegelt sich das Konzept der Ausstellung. „Es ging mir darum Positionen aufzuzeigen, die die Kontinuität künstlerischer Sujets und deren Brüche im Wandel der jeweiligen Zeitgenossenschaft sichtbar machen“, erklärt Galerist Robert Dämmig. Zugleich beweist die Schau, dass derart unterschiedliche Ansätze auch auf engem Raum sehr gut nebeneinander bestehen können

Galerie Alte Schule Ahrenshoop:

„Figur Landschaft Geometrie“,
Ekkehard Tischendorf, Hermann Brachmann, Stefan Plenkers, Hans Kinder, Wolfgang Franken-
stein, Gerhard Marcks, Rüdiger Giebler, Egon Pukall, Moritz
Götze, Wolfgang Freinke, Bernd Hahn, Edmund Kesting, George Grosz. Bis 4. Mai, Freitag bis
Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

 



. Matthias Schümann

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