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Ai Weiwei lädt Chinas Präsidenten in Ausstellung ein

Peking Ai Weiwei lädt Chinas Präsidenten in Ausstellung ein

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat Staats- und Parteichef Xi Jinping in seine weltweit bisher größte Ausstellung in Berlin eingeladen.

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Der chinesische Künstler Ai Weiwei im Interview. Foto: Stephan Scheuer

Peking. Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat Staats- und Parteichef Xi Jinping in seine weltweit bisher größte Ausstellung in Berlin eingeladen.

Der Präsident könne seinen Deutschlandbesuch am Freitag und Samstag nutzen, um sich mit seinem Werk auseinanderzusetzen, sagte der 56-jährige am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Die Ausstellung „Evidence“ wird offiziell am 3. April im Martin-Gropius-Bau eröffnet.

„Wir haben sehr viel gemeinsam“, sagte der berühmteste chinesische Künstler der Gegenwart über den neuen Präsidenten. Beide hätten den gleichen familiären Hintergrund. Ihre Väter, der Dichter Ai Qing und der Vizepremier Xi Zhongxun, seien in revolutionären Zeiten sogar „sehr gute Freunde“ gewesen. Der Künstler selbst kann nicht an der Werkschau teilnehmen, weil ihm seit seiner Festnahme 2011 ohne Angabe von Gründen weiter ein Pass verweigert wird. Er dankte allen Deutschen, die sich für seine Reisefreiheit eingesetzt hätten.

Ai Weiwei, der auch als „soziales Gewissen“ Chinas gilt, bescheinigte seinem Land eine „schwere Identitätskrise“. Die Gründe seien die mangelnde intellektuelle Auseinandersetzung und die gewaltsame Herrschaft der Kommunistischen Partei. Es komme alles daher, dass die Macht in China bis heute noch „aus den Gewehrläufen kommt“, wie Ai Weiwei einen alten Spruch des Staatsgründers Mao Tsetung zitierte. „Wenn Chinas Führer nicht gewisse Macht abgeben, werden sie Selbstmord verüben“, warnte Ai Weiwei.

Die Kommunisten müssten sich demokratisch dem Volk stellen, wenn sie Legitimität bekommen wollten. „Ich hoffe, dass sie gewinnen können“, sagte Ai Weiwei. „Wenn sie durch echte Wahlen gewinnen, gratuliere ich ihnen, weil es die Entscheidung des Volkes ist.“ Die Partei traue sich aber nicht. „Wie jede Diktatur fürchten sie den Verlust der Macht, der einflussreichen Familienverbindungen“, beklagte Ai Weiwei.

„China ist mächtiger als je zuvor“, sagte der Künstler über die aufstrebende Großmacht China. „Wie es sich auf die Menschheit auswirkt und welche Richtung es nimmt, beeinflusst jeden.“ Ob es eine Rolle als „verantwortlicher Teilhaber“ in der Welt spielen könne? „Das hängt von Chinas Handeln ab“, findet Ai Weiwei. Doch schon in kleinen Dingen verhalte sich China „irrational“. Auch spiele China nicht mit offenen Karten und verstecke seine Motive. „Das ist schon sehr kritisch und könnte die Welt in Gefahr bringen.“

Etwa die Hälfte der Werke im Gropius-Bau hat Ai Weiwei eigens für die Ausstellung geschaffen. Neben 6000 Hockern, die Chinas Familien und den Werteverlust im Land symbolisieren sollen, werden auch 3500 handgefertigte Flusskrebse aus Porzellan in Reih und Glied gelegt. Die Flusskrebse heißen auf Chinesisch „Hexie“, was genauso ausgesprochen wird wie „Harmonie“. Es ist eine ironische Anspielung auf die chinesische Propaganda-Idee der „harmonischen Gesellschaft“. Insgesamt werden in 18 Räumen 3000 Quadratmeter bespielt.


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dpa

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