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Kultur Akademisch, frisch und basisdemokratisch musizieren
Nachrichten Kultur Akademisch, frisch und basisdemokratisch musizieren
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00:00 24.08.2016

In Rostock ist ein neues großes Sinfonieorchester aus der Nische getreten. Es nennt sich „Freies StudentenOrchester Rostock (F.S.O.R.)“ und gibt zwei sinfonische Konzerte im Jahr. Es besteht nicht, wie das Orchester der Hochschule für Musik und Theater (HMT), aus Studierenden dieser Hochschule, die den Abschluss in Geige oder Oboe oder anderen Orchesterinstrumenten anstreben. Es besteht aus Studierenden der Universität Rostock, die nicht Musik studieren, sondern Medizin oder andere wissenschaftliche Fächer.

Es ist aber auch nicht das Universitätsorchester, das unter der Leitung eines amtlich bestallten Universitätsmusikdirektors Studenten und Mitarbeitern der Universität die Möglichkeit gibt, sich musikalisch zu betätigen. Genau dies wollte eine Handvoll Studierender nicht, weil es ihre Bedürfnisse nach intensiverer Beschäftigung mit sinfonischer Musik und ihre Sehnsucht nach größerer Publikumswirkung nicht befriedigte. Also gingen sie ins Risiko und gründeten als Verein in einer studentischen Initiative das F.S.O.R., das im Januar 2007 sein Gründungskonzert gab.

Seitdem hat sich eine erstaunliche Erfolgsgeschichte vollzogen, mit rund 40 Konzerten, deren Lebenselixier die selbstbestimmte Freiwilligkeit ist. Da sitzt der Maschinenbau-Student neben der promovierten Augenärztin, die Chemie-Studentin neben der Medizin-Studentin, die den Löwenanteil der Musiker stellen. Die 80 Musiker sind beileibe keine Laien, denn alle haben eine fundierte Ausbildung an ihren Instrumenten erhalten.

Dazu gehören etwa die Solocellistin Franziska Hahn (22), Lehramtsstudentin, die „unglaublich gern mit anderen Leuten musiziert, weil Musik eine gemeinsame Sache ist“, oder der Geiger Stephan Marquardt (35), diplomierter Biophysiker, der sich als Schatzmeister auch um die nicht leichte Finanzierung des Orchesters aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und wenigen Spenden kümmert.

Das Orchester ist konsequent basisdemokratisch organisiert. Seine Mitglieder bestimmen die Programme, die sie einstudieren, und wählen, nach einem Probedirigat, ihren Dirigenten jeweils für ein Jahr.

Sieben Dirigenten hatte das Orchester seit seiner Gründung. Besonders erfolgreich war die zweijährige Amtszeit von Erina Yashima (29), für die auch diese Arbeit zu einem Sprungbrett für eine Assistenz beim weltberühmten Ricardo Muti in Chicago wurde, so dass jetzt Robin Portune (24), der selbst noch Dirigierstudent im sechsten Semester an der HMT ist, die künstlerische Leitung übernommen hat.

Koordiniert wird das Zusammenwirken von einem Vorstand, zu dem auch Franziska Bennöhr (24) gehört, Soloklarinettistin im Orchester und Studentin der Medizin, die so auch „Verantwortung für das Orchester übernehmen will“. Und natürlich haben sie einen Konzertmeister, den Geiger Oliver Mathes (21), Lehramtsstudent, der sich als „verlängerter Arm des Dirigenten empfindet“ und auch mal unterschiedliche Meinungen über Übungsintensität ausgleicht.

Markenzeichen des akademischen Orchesters ist sein sinfonischer Ehrgeiz, mit dem es solche dicken Brocken der sinfonischen Literatur wie die „Unvollendete“ von Schubert, die „Pathétique“ von Tschaikowski, die „Sinfonie aus der neuen Welt“ von Dvorák oder die „Vierte“ von Bruckner, die ein singulärer Höhepunkt für alle war, aufgeführt hat.

Mit ihrer frischen und ambitionierten Spielweise bringen die freien Studentenmusiker zweifellos eine belebende Farbe in das Rostocker Musikleben.

Heinz-Jürgen Staszak

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