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Nachrichten Kultur Eminem – Neues Album „Kamikaze“ kam über Nacht
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15:34 31.08.2018
Gegenangriff: Auf dem neuen Album „Kamikaze“ rappt Eminem in nicht jugendfreiem Klartext gegen seine Kritiker. Quelle: picture alliance / dpa
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Hannover

Das Cover des Albums „Kamikaze“ zeigt ein Flugzeug, was sonst? Das Wort ist dunkel beleumdet, bedeutet zwar im Japanischen zwar „göttlicher Wind“, wurde vom Westen durch eine falsche Lesart der japanischen Schriftzeichen aber für jene Sonderverbände verwendet, die 1944 von Japan im verzweifelter werdenden Pazifikkrieg aufgestellt wurden. Selbstmordkommandos – japanische Piloten kamen aus dem Nichts, ließen ihre Flieger absichtsvoll an Zielen der Alliierten zerschellen.

Der sonstige Geheimniskrämer-Countdown blieb aus

Überraschend kam am heutigen Morgen Eminems „Kamikaze“. Wie so oft im Hip-Hop, erschien das Werk ohne großes, vorbereitendes Tam-Tam, digital, bis auf Weiteres ohne CD- oder Vinylvariante. Ist sonst in solchen Fällen zuweilen im Internet ein Vorab-Raunen zu bemerken, erscheinen ein paar Tage zuvor seltsame Grafiken auf den Websites, die nach einem Cover aussehen, gab es diesmal keinen Geheimniskrämer-Countdown.

Im Fall des 45-jährigen Marshall Mathers hatte auch noch niemand wirklich mit Nachschub gerechnet. Erst im Dezember 2017 war der Vorgänger „Revival“ erschienen. Der freilich keine wirkliche „Erweckung“ Eminems war. Die Kritik blieb verhalten, man vermisste den Underdog, bekrittelte die „rockige Produktion“ Rick Rubins. Das „Q Magazine“ befand, Eminem habe sich nie mehr wie ein „Man out of Time“ angehört.

Eminem arbeitet auf „Kamikaze“ mit neueren Beats

Dem Erfolg tat das keinen Abbruch, beim einzigen Deutschlandkonzert am 10. Juli auf dem hannoverschen Messegelände begeisterte der weiße Rap-König aus Missouri 75 000 Fans. Das neue Album, koproduziert von Dr.Dre, Eminem selbst und einer Heerschar Track-bezogener Helfer (darunter Mike Will, Ronny J und Boi-1da), lässt nun einen soundmäßig aufgeschlosseneren Eminem als zuletzt hören, der zwar immer noch klassisch mit seinen Maschinengewehrraps daherkommt, aber sich auch Meister der neuen Schule erweist.

Und der im Track „Lucky You“ klarstellt: „I don’t hate Trap“ . Eine Zuneigungsbekundung für die derzeit angesagte, elektronisch grundierte Hip-Hop-Variante aus den Südstaaten. Wen er dagegen nicht so mag: Präsident Trump, dessen Vize Mike Pence, und die Journalisten, die „Revival“ niedergeschrieben hatten. Sie alle bekommen ihr Fett weg. Wie auch die Kollegen, die für ihre Raps Ghostwriter beschäftigten. Dass die Wortwahl auf Albumlänge nicht jugendfrei ist, versteht sich von selbst.

Das Cover ist eine Hommage an „License to Ill“ der Beastie Boys

Das Artwork von Eminems zehntem Werk, ein Flugzeug, ist eine Hommage an „License To Ill“, das Album, mit dem die Beastie Boys 1986 auf den Plan traten. Das Linienflugzeug der Beasties zerschellte, wenn man das Album umklappte, an einem Berg, Eminems Militärflieger bekommt nur einen Schuss vor den Bug.

Flugzeuge stehen für Rock-Tragödien. Legenden wie Buddy Holly, Jim Croce, Otis Redding und Bandmitglieder von Lynyrd Skynyrd starben bei Abstürzen. Sie sind aber auch die Insignien der Pop-Hybris. Musiker fliegen im bandeigenen Flugzeug zu Tourneestationen oder lassen sich nach Konzerten im 1000-Kilometer-Radius nach Hause bringen. Und das nicht erst in jüngster Zeit. Das Beastie-Boys-Cover basierte auf dem Foto des Starships – der legendären mit Schlafzimmern und Kaminen ausgestatteten Boeing 720, die von Led Zeppelin benutzt wurde.

Einige der 13 Stücke des Albums haben Hitpotenzial

Eminem sieht sich im Gefecht. Der Schriftzug „TIKU5“ auf seinem Düsenflieger liest sich rückwärts als „Suck it!“ Eine Breitseite gegen alle, die ihn schon abgeschrieben hatten. „Kamikaze“ jedenfalls wird – ganz im Gegensatz zum Albumtitel – kein Absturz werden. Dieser Aufsteiger enthält einige potenzielle Hits: „Venom“ aus Ruben Fleischers kommender gleichnamiger Marvel-Comicverfilmung etwa, das leicht psychedelische „Stepping Stones“ und „Nice Guy“ , sein poppiges Duett mit der kindlich-schläfrig singenden Kanadierin Jessie Reyez.

Damit könnte ihm der Wiedereinstieg in die Top Ten der globalen Charts gelingen, was den „Hits“ von „Revival“ allesamt verwehrt blieb. Natürlich geht es auch dem zornigen Eminem um die alten Poptrophäen: Liebe, Erfolg und Geld.

Kritische Gegenrede vom Manager Paul Rosenberg

Als nächstes könnte „Kamikaze II“ kommen, die Antwort an all die die „Kamikaze“ nicht mochten, das eine Antwort sei auf all jene die „Revival“ nicht mochten. Das, so gibt sein Manager Paul Rosenberg in einem von zwei gesprochenen Intermezzi (auf dem anderen hört man einen auf seine Kritiker schimpfenden Eminem) zu bedenken, wäre keine besonders gute Idee. Eminem wird freilich nur seiner Nase folgen. Bei seiner derzeitigen Geschwindigkeit könnte es der „Kamikaze“-Nachfolger noch ins Weihnachtsgeschäft schaffen.

Eminem: „Kamikaze“ (streambar auf den bekannten Portalen)

Von Matthias Halbig / RND

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