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Als Kameramann Geschichten malen

Hamburg Als Kameramann Geschichten malen

Der Security-Mann am Set hat den Namen noch nie gehört: „Wedigo von Schultzendorff? Kenn' ich nicht.“ Der grau-blonde 55-Jährige mit dem listigen Lächeln gilt als einer der bekanntesten deutschen Kameramänner und wird trotzdem nie erkannt.

Hamburg. Damit teilt

er das Schicksal vieler Kameramänner, ohne deren Können viele Filme und ihre Darsteller nicht

zu Ruhm gelangt wären.

Im Dezember drehte von Schultzendorff in seinem derzeitigen Wohnort Hamburg mit Regisseur Lars Becker („Bunte Hunde“) für die ZDR-Krimi-Reihe „Jenny Berlin“.

„Wir haben die gleiche Vorstellung, wie man Filme macht“, sagt von Schultzendorff über den Regisseur. „Wir ergänzen uns“, meint er und korrigiert sich: „Besser: Ich ergänze ihn“. Und darin steckt viel Wahres: Der Kameramann als Adlatus, als Gehilfe, der großen Regisseure. Die, die für die Ausleuchtung sorgen, stehen selbst nie im Rampenlicht. „Wollte ich bekannt sein, wäre ich nicht Kameramann geworden“, weiß von Schultzendorff.

Schon als Kind zog er in Berlin mit seiner Kleinbildkamera durch die Stadt und knipste „Slides of Life“ („Bilder aus dem Leben“). Mit 16 Jahren reifte der Entschluss, die Staatliche Fachschule für Optik und Fototechnik in Berlin zu besuchen. Es folgte ein Praktikum in einem Filmkopierwerk.

Zunächst ging von Schultzendorff in die Werbung. „Ich war einer der Besten“, sagt er rückblickend wenig bescheiden. Doch in der Werbung könne man „keine ehrlichen Geschichten erzählen“. 1982 drehte er mit „Flucht aus Pommern“ den ersten Spielfilm fürs Fernsehen, vor drei Jahren sorgte er für die Bilder im Becker-Film „Das Gelbe vom Ei“ mit Heike Makatsch und Moritz Bleibtreu. Gleichzeitig kamen die attraktiven Hollywood-Angebote: „No Strings Attached“ (1997), „The Thirtheenth Floor“ (1999) und für Woody Allen „Hollywood Ending“ (ab 2002 im Kino).

Dabei ist es für Kameramänner schwierig, sich international durchzusetzen. „Man muss die eigene Kreativität technisch in die Praxis umsetzen können, man muss Geschichten malen können.“ Diese Fähigkeit besäßen deutsche Kameraleute selten. „Unsere Kameramänner stehen international ganz hinten“, sagt von Schultzendorff. „Italienische und französische Kameraleute sind uns 50 Jahre voraus“, meint er. Doch seit Mitte der 90er beobachte er eine neue Generation von jungen deutschen Kameraleuten, die auch international angesehen wären.



DIETMAR TELSER

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