Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Als Palmyra noch stand: Ansichten einer Phantomstadt

Köln Als Palmyra noch stand: Ansichten einer Phantomstadt

Kölner Ausstellung zeigt, dass der Wert der vom IS zerstörten Stadt in Syrien schon zu Goethes Zeiten geschätzt wurde

Voriger Artikel
Neue Chronik in limitierter Auflage
Nächster Artikel
Schwungvoll und reich bestickt: Die Nähtrends im Sommer

Thomas Ketelsen, Kurator der Ausstellung „Palmyra — was bleibt?“, im Wallraf-Richartz-Museum vor Grafiken der Ausstellung

Quelle: Oliver Berg/dpa

Köln. 1787 bekommt Johann Wolfgang von Goethe während seiner Italienreise etwas Besonderes zu sehen: „Arbeiten eines geschickten Architekten, der selbst in Palmyra war und die Gegenstände mit großem Verstand und Geschmack gezeichnet hat“. Euphorisch schwärmt Goethe von den Zeichnungen jener „wichtigen Ruinen“ aus den Weiten der syrischen Wüste. Die Darstellungen des Franzosen Louis-François Cassas (1756-1827) sind in Köln zu sehen.

Als die Planungen für die Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum Anfang 2015 begannen, stand Palmyra noch. Inzwischen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die wichtigsten Bauten der Oasenstadt gesprengt. In einer Beilage gibt der Kunsthistoriker Horst Bredekamp einen Bericht des Vernichtungswerks. Demnach sind nicht nur die berühmten Tempel zerstört, sondern auch der mittlere und südliche Bogen der von Goethe beschriebenen Säulenstraße.

Die Zerstörung der Denkmäler ging einher mit der Ermordung von Menschen. So wurde der 81 Jahre alte Chef-Archäologe von Palmyra, Khaled Asaad, als „Direktor der Götzen“ enthauptet. Trotz des Vorrückens der IS-Truppen hatte sich der Experte geweigert zu fliehen. Im Amphitheater wurden Regierungssoldaten hingerichtet. Drei Menschen kamen durch die Sprengung antiker Säulen zu Tode, an denen sie vorher festgebunden worden waren. Palmyra dürfte dem IS besonders verhasst sein, weil dort griechische, römische und persische Einflüsse zu einem eigenen Stil verschmolzen. Die syrischen Archäologen in Palmyra arbeiteten mit Kollegen aus aller Welt zusammen.

Den einzigartigen Stil-Mix von Palmyra zeigen auch 40 Zeichnungen, die in Köln besichtigt werden können. Cassas gab die Ruinen mit der Genauigkeit des Architekten wieder und rekonstruierte ihr ursprüngliches Aussehen. „Außerordentlich schön“, fand Goethe. Aufgrund solcher Zeichnungen war Palmyra um 1800 schon europaweit bekannt.

 



Christoph Driessen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.