Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Alte Meister werden wieder hörbar gemacht
Nachrichten Kultur Alte Meister werden wieder hörbar gemacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 27.09.2018
Hans Schmitz vor dem Reproduktionsklavier Quelle: Foto: S. Gollnow/dpa
Stuttgart

Wenn Hans-W. Schmitz eine Papierrolle in sein automatisches Klavier einlegt, ist das fast wie eine heilige Handlung. Dann noch ein, zwei Schalter umgelegt und die 100 Jahre alte Rolle mit den akkurat gestanzten Löchern setzt sich in Bewegung. Ein kurzes Rauschen – dann bewegen sich die Klaviertasten wie von Geisterhand. Es erklingt Moritz Moszkowskis „La Jongleuse“, gespielt vom berühmten Josef Hofmann, aufgenommen am 20. Oktober 1905. „Das Besondere: Die Töne kommen nicht aus einem Lautsprecher, es gibt keine Boxen und keinen Trichter“, sagt der 73-jährige Schmitz. „Hier spielt das Instrument selbst – und zwar genau so, wie der Pianist seinerzeit gespielt hat.“ Offiziell nennt Schmitz sein Instrument „Reproduktionsklavier“. Auf den ersten Blick ähneln die Papierrollen etwas breit geratenen Lochstreifen. Entwickelt hat die Technik die Freiburger Firma „M. Welte & Söhne“, 1904 wurde das „Welte-Mignon“-Verfahren patentiert – lange bevor die Schallplattentechnik ihren Siegeszug antrat. Die Medien hätten das seinerzeit als „neues Weltwunder“ gefeiert, schreibt die Fachzeitung „Audio“. Mit dem Verfahren konnten erstmals „alle Feinheiten des persönlichen Spiels von Pianisten aufgenommen und wiedergegeben werden“. Allein die Wiedergabe-Technik ist ihm zufolge hoch kompliziert. „Die Rollen werden von einem Motor über eine Abtastleiste gezogen und mit Unterdruck abgelesen. Jedes Loch in der Rolle führt zu einem Druckabfall, dadurch wird ein Ventil geöffnet, das über ein Vakuum die Klaviertasten bewegt.“ Das Abspielen der alten Rollen ist wie ein Blick in die Musikgeschichte. Die Tatsache, dass es dadurch „hörbare Belege“ aus der Vor-Schallplattenzeit gibt, sei gar nicht hoch genug einzuschätzen, meint Andreas Spreer von der Tacet-Musikproduktion in Stuttgart. Der Musikverlag gibt zahlreiche CDs mit Welte-Technik Rollentechnik heraus – mit Unterstützung des Experten Schmitz. „Bei Gustav Mahler etwa hört man beinahe einen Geist über den Tasten schweben“, sagt Spreer. Das Problem: Die Welte-Technik droht vollends in Vergessenheit zu geraten. Immer weniger Menschen kennen sich mit dem komplizierten Apparaten aus, sagt Schmitz. Gemeinsam mit einem Co-Autoren hat er einen Katalog aller Welt-Rollen erstellt. Alles in allem gebe es 5000 Musiktitel, eingespielt von Meistern wie Richard Strauss und Vladimir Horowitz.

P. Meinert

Förderverein ruft zum Endspurt im Spendenmarathon: 5500 Euro sind bereits eingegangen

27.09.2018

Die Berliner StasiopferGedenkstätte Hohenschönhausen sucht eine neue Leitung. Nach Abberufung der Führungsspitze müsse jetzt zunächst das Tagesgeschäft wie etwa ...

27.09.2018

Caroline Beil und Isabel Varell begeistern im Musical „Hammerfrauen“ im Theater Wismar

27.09.2018