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Anfangs irritierend, am Ende imponierend

Anfangs irritierend, am Ende imponierend

Gleich sechs Hornisten bot das Landesjugendorchester Mecklenburg-Vorpommern für seine diesjährige „Winterarbeitsphase“ auf, eine knappe Woche gemeinsame Proben und ...

Gleich sechs Hornisten bot das Landesjugendorchester Mecklenburg-Vorpommern für seine diesjährige „Winterarbeitsphase“ auf, eine knappe Woche gemeinsame Proben und dann eine Konzerttournee nach Ludwigslust, in die Heilig-Kreuz-Kirche Berlin-Kreuzberg und in die Rostocker Nikolaikirche. Offenbar hatte man keine Schwierigkeiten, neben den knapp 70 Orchestermitgliedern auch jene sechs guten Hornspieler aus den besten Schülern der Musikschulen des Landes auszuwählen, die das ehrgeizige sinfonische Programm verlangte.

Der Konzert-Anfang war noch leicht irritierend, konzeptionell wie spieltechnisch. Auf Ouvertüre und Hexenritt aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ folgte nach nur 20 Minuten sogleich, eigentlich anlasslos, die Zugabe des Abends, das Seestück aus Tschaikowskis „Schwanensee“; aber es bot die Gelegenheit für das schöne Oboensolo des Rostockers Max Vogler.

Dann folgte der anspruchsvolle Höhepunkt des Konzertes, die Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, die „Romantische“ (1880), von Anton Bruckner, die selbst für Profiorchester eine Herausforderung sein kann. Der Australier Stanley Dodds (46), der seit 2012 ständiger Dirigent des Orchesters ist, führte hier die jungen Musiker zu einer imponierenden instrumentalen Leistung. Mit guten Balancen zwischen orgelartigen Orchesterregistrierungen, mit jugendlich schierer Kraft, besonders des Blechs, in eruptiven Klangausbrüchen, gaben sie ein eindrucksvolles Grundbild von der weihevollen Großartigkeit und der Intimität des Geheimnisses dieser Klangkathedrale, wobei die Waage manchmal allzu deutlich in Richtung einer pompösen Erhabenheit ausschlug.

Dabei hielt Dodds durchaus die geistige Spannung dieses 60-minütigen Riesenwerkes und fand für seine sinnfällige Gestaltung ein überzeugendes Konzept, besonders für den monumentalen Finalsatz, für dessen immer erneutes Anstreben des Höhepunkts, dessen Erlösung sich immer wieder versagt, um dann in einer machtvollen Unio mystica endlich einzutreten.

OZ

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