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00:05 19.04.2016
„Wir lieben die Stürme“ singt der Rostocker Shantychor Blowboys. Natürlich sind die Jungs nicht wirklich sturmerprobt — aber musikalisch mit allen Wassern gewaschen. Quelle: Fotos: Hfr

Rostock. Die Arbeitsplatzbeschreibung für Shantysänger war bisher recht klar definiert: Kenntnis maritimen Liedguts, graue Haare, Fischerhemd, Prinz-Heinrich-Mütze, Trinkfestigkeit. Der Altersdurchschnitt: hoch. Nachwuchs kaum in Sicht. Auf Matrosen, ohe — einmal wird es vorbei sein.

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Die Rostocker Band Blowboys gibt Shantys einen neuen Sound und stellt am 29. April ihre erste CD vor.

Natürlich nicht. Gerade nehmen in Rostock zwölf Shanty-Sänger ordentlich Fahrt auf, und sie entsprechen dem klassischen Anforderungsprofil nur bedingt: Die Blowboys interpretieren maritimes Liedgut neu, sind zwischen 24 und 35 Jahre alt, tragen lässige Outfits — in Sachen Trinkfestigkeit allerdings halten sie sich an die Tradition. Die Sänger kennen sich von ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Seit zwei Jahren geben sie dem Shanty einen neuen Sound, und wenn sie mit großer Geste „Ja, wir sind Piraten und fahren zu Meere, wir fürchten nicht Tod und den Teufel dazu...“ singen, dann kann man sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Spaß und Ironie gehören natürlich dazu, wir nehmen die Lieder und uns damit auch ein bisschen auf die Schippe“, sagt Michael Donath, der Sonderpädagogik und Musik studiert. Zwar kommen die Jungs locker-flockig rüber — doch dass sie keine musikalischen Leichtmatrosen sind, beweist ihr virtuoser vierstimmiger Gesang, mit dem sie die guten alten Seemannslieder adeln.

Die Entstehungsgeschichte der Blowboys klingt fast nach Seemannsgarn. „Für meine Prüfung im zweiten Nebenfach Akkordeon fehlten mir noch knapp drei Minuten Programm. Da fiel mir der ,Hamburger Veermaster‘ ein“, erzählt Maximilian Piotraschke. Er heuerte einige Mitsänger aus dem Kammerchor der HMT an, nach einer einzigen Probe sangen sie drei Strophen des Shantys. „Die Prüfer waren begeistert“, sagt Piotraschke, inzwischen musikalischer Leiter und Organisator der Blowboys. Eine Steilvorlage für den Bandnamen war der Refrain des „Veermasters“: „Blow Boys blow, for Californio...“, der bei der After-Prüfungs-Party geschmettert wurde.

Nach diesem Überraschungserfolg wurde ernsthaft geprobt. Maximilian Piotraschke hatte in seinen privaten Notenbeständen den Zyklus „Anker auf“ von Otto Groll mit Seemannsliedern für vierstimmigen Männerchor entdeckt, aus dem sich ihr Repertoire speist. „Oft sind Shantys nur ein- oder zweistimmig gesetzt. Es waren ja früher Arbeitslieder auf den Schiffen. Einfache Melodien, die der Seemann auch noch nach fünf Gläsern Rum singen konnte.“ Das wiederum geht bei den Arrangements, die die Blowboys singen, nicht — ihre wöchentlich von einer Rostocker Brauerei gesponserte Kiste Bier wird erst nach der Probe geöffnet. Die Jungs kommen aus Stralsund, Rostock, Wolgast, Bremen, Greifswald, Neubrandenburg, Hamburg. Zwei blicken schon auf Shanty-Erfahrungen zurück. Philipp Wöllers Opa Gerhard hat vor 45 Jahren in Greifwald den Shantychor „Saalhund“ gegründet — beide standen auch schon gemeinsam auf der Bühne. Martin Schröder hat früher mit seinem Opa Musik für Senioren gemacht.

Die Blowboys segeln inzwischen auf Erfolgskurs: In der HMT, auf der Rostocker Hansesail, bei privaten Feiern, bei Straßenmusik und einem Konzert im Gutshaus Dummerstorf sorgten sie für Begeisterungsstürme. Das nächste Mal sind sie am 29. April zu erleben, wenn sie ihre erste CD vorstellen. Die heißt „Anker auf“ und vereint Seemanns-Klassiker wie „Wir lieben die Stürme“ oder „Heut' geht es an Bord“. Für ihr Konzert haben sie sich Verstärkung geholt: Franz Albers und Käpt'n Kruse. Das sind die Hamburger Shanty-Sängerinnen Wiebke Kruse und Franziska Rademacher. Wir halten fest: Der Shanty wird jung, smart und sexy.

Konzert am 29. April in der HMT Rostock, 20 Uhr, Tickets für 5 Euro an der Abendkasse

Shantys

Der Begriff Shanty leitet sich vom englischem Wort „chant“ ab, was soviel wie „singen/Gesang“ bedeutet, sowie vom französischem „chanter“, welches ebenfalls „singen“ bedeutet.

Auf Segelschiffen wurde gemeinsam unter Anleitung eines Vorsängers gesungen, um den unterschiedlichen Tätigkeiten einen Rhythmus zu geben, etwa beim Segelsetzen, Ankerlichten oder beim Ziehen von Tauen. Es gibt aber auch Seemannslieder, die nur in der Freizeit zur Unterhaltung

angestimmt wurden.

• Mehr Infos über die jungen

Rostocker Shantysänger

Blowboys im Internet unter www.blowboys.de

Von Petra Haase

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