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Kultur Armer Schlucker mausert sich zum Youtube-Star in Kapstadt
Nachrichten Kultur Armer Schlucker mausert sich zum Youtube-Star in Kapstadt
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15:47 14.03.2013
Alen Abrahams war arbeitslos. Bei seinem illegalen Parkwächter-Job sang er hin und wieder. Youtube und ein Radio-DJ machten aus dem Südafrikaner einen nationalen Star. Foto: Lutz Bergmann
Kapstadt

Doch nun sitzt Abrahams gelassen vor seinem Bier im Szene-Café „Mr. Pickwick's“ auf der berühmten Long Street in Kapstadt. Selbstbewusst lächelt er den Uniformträgern zu - und die lachen zurück. Sie wissen genau, wer da sitzt. „Ich habe dich auf Youtube gesehen, Mann“, sagt strahlend einer der Polizisten. „Coole Songs!“

Abrahams ist spätestens seit Januar der neue Youtube-Star Südafrikas. Angefangen hatte es bei seinem Nachtjob, den er nie ohne Rollerblades macht, um schnell vor Polizisten abhauen zu können. Denn eine Erlaubnis für den Job hatte er nicht. In Kapstadts unsicheren Vergnügungsvierteln passte er auf Autos auf und kassierte dafür von den Fahrern Trinkgeld, zuweilen sang er ihnen auch ein Lied in der Hoffnung auf ein paar Münzen mehr. Einer jungen Frau gefiel seine Parodie eines Michael Jackson-Songs so gut, dass sie ihn mit ihrem Smartphone aufnahm und das Video auf Youtube stellte.

Das Lied verbreitete sich im Nu; auch der Radio-Moderator Aden Thomas von „Heart 104.9“ wurde darauf aufmerksam. Er bat seinen Freund Marlon Kruger, den singenden Parkwächter zu finden und ihn in die Sendung zu lotsen. Abrahams war nicht einmal überrascht: „Ich wusste immer, dass so etwas einmal passieren würde.“ Mittlerweile ist Kruger sein Manager. Die Karriere hat begonnen.

Im März und April stehen Auftritte auf Musik-Festivals auf dem Programm. Seine Youtube-Videos sind noch immer ein Renner. Allein im Februar sahen sie sich mehr als eine halbe Million Menschen an. Nun soll bald die erste CD erscheinen. Noch braucht es Lizenzen, weil Abrahams Hits allesamt Cover berühmter Stars wie dem Rapper Usher oder der Reggae-Ikone Shaggy sind.

Es sieht so aus, als ob Abrahams das Elend verlassen könnte. Er wuchs in einem Ghetto auf. Zu Hause herrschte meist bittere Not. Wenn er als Kind keine Schuhe hatte, ging er barfuß zur Schule. Als Alen neun Jahre alt war, haute er von zu Hause ab, weil sich ohnehin niemand um ihn gekümmert habe, sagt er. Sein Brot verdiente er sich mit Betteln. „Ich habe die Leute so lange genervt und verfolgt, bis sie mir Geld gegeben haben.“ Irgendwie habe er den Weg wieder in die Familie gefunden, sogar seinen Schulabschluss gemacht, berichtet er. Vieles klingt etwas wirr, aber klar wird, dass dieser Mann keine einfache Kindheit und Jugend hatte.

Musik war schon immer die wichtigste Zuflucht in diesem schwierigen Leben. „Ich singe, seit ich denken kann“, sagt Abrahams. In der Schule fiel sein Talent auf, zuweilen drängten ihn sogar seine Mitschüler, einen populären Song zu singen. Schon als Junge war er ein leidenschaftlicher Fan von Michael Jackson. Dessen Song „Ben“ übersetzte er etwas eigenwillig in Afrikaans, mit witzigen Wortspielen gespickt. Zuweilen sind Abrahams Texte aber auch voller Anspielungen auf die düsteren Seite Südafrikas, etwa die vielen Vergewaltigungen. „Ich singe über das, was ich täglich zu sehen bekomme“, sagt er.

Der 31-Jährige will nun ein wirklicher Star werden. Dann möchte er den Leuten in seinem Viertel helfen, natürlich auch seiner Familie. Etwas bitter sagt er gleichwohl: „Meine Familie ist mir wichtig, ich aber nicht meiner Familie.“ Als erstes will er sich aber jetzt darum kümmern, ein gesetzestreuer Bürger zu werden. Sein Personalausweis ist völlig zerfleddert, jetzt hat er erstmals genug Geld, die Gebühren für einen neuen zu zahlen.

dpa

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