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Art-Cologne-Chef Hug: „Kunstszene muss Kräfte bündeln“

Köln Art-Cologne-Chef Hug: „Kunstszene muss Kräfte bündeln“

Ausgerechnet zur 50. Ausgabe der Art Cologne gibt es Ärger: Galeristen in Berlin wie auch in Düsseldorf sind sauer auf die größte deutsche Kunstmesse. Direktor Daniel Hug wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Köln. Kritik - und dann auch noch gleich aus zwei Richtungen - ist eine neue Erfahrung für den erfolgsverwöhnten Direktor der Art Cologne, Daniel Hug. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur nimmt der Chef der größten deutschen Kunstmesse nun erstmals zu den Vorwürfen aus Berlin und Düsseldorf Stellung.

Frage: Herr Hug, was hört man da: Die Art Cologne muss nächstes Jahr wegen einer anderen in Köln stattfindenden Messe nach hinten verschoben werden?

Antwort: Da gab es leider ein großes Missverständnis. Die Art Cologne findet immer in einem Zeitfenster von ein bis zwei Wochen nach dem Ende der Oster-Schulferien NRW statt, und das ist auch nächstes Jahr so. Da ändert sich gar nichts. Nur ist Ostern nächstes Jahr eben sehr spät.

Frage: Und dadurch findet die Art Cologne dann vom 27. April bis 30. April statt und damit parallel zum jährlichen Gallery Weekend, dem wichtigsten Ereignis der Berliner Galerien-Szene.

Antwort: Ja, das ist leider so. Wir sind aber mit dem Gallery Weekend im Gespräch, um eine Lösung zu finden.

Frage: Was für eine Lösung soll das sein? Die einzige Alternative wäre, die Art Cologne in die Osterferien zu legen.

Antwort: Das geht auf keinen Fall. In den Osterferien sind viele Sammler nicht da. Das würde also allen Ausstellern bei der Art Cologne sehr schaden, auch denen aus Berlin.

Frage: Es gefällt den Berliner Galeristen aber auch überhaupt nicht, dass sie sich jetzt zwischen Art Cologne und Gallery Weekend entscheiden müssen.

Antwort: Das Gallery Weekend hat ca. 50 Aussteller. Davon stellen 21 auf der Art Cologne aus. Die Art Cologne hat 218 Aussteller. Ich muss mich also um mehr als 200 Aussteller kümmern, nicht nur um die Berliner Aussteller.

Frage: Aber die Berliner sind wichtig. Sie bilden die größte Ausstellergruppe auf der Art Cologne.

Antwort: Alle Aussteller sind uns wichtig. Und ich kann nicht für alle einen ungünstigen Termin wählen, nur weil 21 mit dem derzeitigen Termin nicht happy sind. Außerdem: Ich würde mal schätzen, dass 8 von diesen 21 so groß sind, dass sie beide Termine zugleich stemmen können. Die anderen müssen sich womöglich entscheiden, ja.

Frage: Ärgerlich ist aber, dass jetzt wieder diese atmosphärische Störung zwischen Köln und Berlin besteht.

Antwort: Wir wollen keinen Streit. Und außerdem: Selbst wenn diese Überschneidung stattfindet, ich glaube gar nicht, dass das so schlecht wäre. Jeder, der sich im Messegeschäft auskennt, wird Ihnen sagen: Wenn es in einer Woche zwei ähnliche Branchenevents gibt, dann generiert das zusätzliches Interesse.

Frage: Sie meinen, dass vielleicht extra viele Besucher aus dem Ausland anreisen würden, wenn sie gleich von Köln nach Berlin weiterfahren könnten?

Antwort: Genau.

Frage: Dazu hört man aus Berlin, dieser Austausch sei eine Illusion: Zum Gallery Weekend kommen demnach vor allem Besucher aus Übersee, während die Art Cologne von der rheinischen Sammlerszene beherrscht wird.

Antwort: Das ist absolut falsch. Wir sind eine internationale Messe. Die Hälfte unserer Aussteller kommt aus dem Ausland, bei den Besuchern ist es jeder dritte. Und von denen würden viele gerne beides mitnehmen, Köln und Berlin. Was sie dagegen nicht machen, ist: dass sie mehrfach im Jahr nach Deutschland kommen. Die Frage ist doch: Wollen wir eine starke deutsche Kunstszene, wo man einen Termin im Frühjahr hat, um den sich alles herumgruppiert und zu dem dann alle wichtigen Leute nach Deutschland kommen? Oder wollen wir es weiter aufsplitten wie bisher, so dass sich die Sammler entscheiden müssen: Gehe ich dieses Jahr nach Köln oder gehe ich nach Berlin? Die deutsche Kunstszene muss ihre Kräfte bündeln.

Frage: Es gibt dieses Jahr noch aus einer anderen Ecke Kritik. Mehrere Galeristen aus dem Rheinland, vor allem aus Düsseldorf, beklagen sich darüber, dass sie keinen Zuschlag für die Art Cologne bekommen haben. Sie sprechen von Kölner Klüngel.

Antwort: Klüngel gibt es bei uns überhaupt nicht. Das ist einfach eine Folge des Erfolgs der Messe. Jedes Jahr haben wir immer mehr Anfragen für einen Messestand, dadurch müssen wir mehr ablehnen. Diese Entscheidung wird von einem unabhängigen internationalen Beirat getroffen. Der Beirat bewertet die Galerie dabei hauptsächlich nach dem Projekt, mit dem sich die jeweilige Galerie beworben hat. Dann geht es auch um Fragen wie: Ist diese Galerie auch im Ausland aktiv oder eher nur lokal oder regional? Und schließlich ist auch die richtige Mischung entscheidend. Als ich selbst Galerist war, bin ich übrigens auch von ein paar Messen abgewiesen worden. Ich kenne das Gefühl, es ist nicht schön, aber es ist völlig normal.

Frage: Erzählen Sie uns zum Abschluss noch etwas Schönes: Was bietet die Art Cologne Besonderes bei ihrer 50. Ausgabe?

Antwort: Viele große internationale Galeristen kehren zu uns zurück, zum Beispiel Perrotin aus Paris, Krinzinger aus Wien oder Max Hetzler aus Berlin. Außerdem haben wir dieses Jahr zum Jubiläum nicht nur eine, sondern drei Sonderausstellungen. Eine davon dokumentiert die gegenseitige Beeinflussung von Künstlern in Deutschland, in den Niederlanden und in Belgien seit den 60er Jahren. Denn dieser ganz selbstverständliche internationale Austausch macht unsere grenznahe Region hier ja wesentlich aus. Das hat von Anfang an ganz entscheidend zum Erfolg der Art Cologne beigetragen. Eine weitere Sonderschau präsentiert wegweisende Arbeiten aus dem Gründungsjahr der Art Cologne 1967. Auch die Sektion Film Cologne wirft einen retrospektiven Blick auf fünf Dekaden Bewegtbildkunst.

ZUR PERSON: Daniel Hug (47) hat die Art Cologne wieder zum unbestrittenen deutschen Branchenführer gemacht. Als er sie 2009 übernahm, musste die weltweit älteste Kunstmesse um ihre Existenz bangen. Es kam damals überraschend, dass als neuer Direktor niemand aus dem rheinischen Dunstkreis ausgewählt wurde, sondern ein Außenseiter aus Los Angeles. Doch der Griff erwies sich als richtig: Der in der Schweiz geborene Amerikaner strukturierte die Messe neu, richtete sie internationaler aus und gewann nahezu alle namhaften abtrünnigen Aussteller zurück.

dpa

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