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Kultur Hiddensee-Roman im TV: So können Sie „Kruso“ sehen
Nachrichten Kultur Hiddensee-Roman im TV: So können Sie „Kruso“ sehen
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10:10 26.09.2018
Kruso (Albrecht Schuch) und Karola (Anja Schneider) mit Schiffbrüchigen auf der Terrasse des „Klausner“ Quelle: Lukas Salna
Hiddensee

Auch wenn der Film nicht an Originalschauplätzen gedreht wurde, erkennen Zeitzeugen doch die Orte der Handlung wieder. Der Film „Kruso“, den das Erste heute Abend sendet, führt zurück in die Zeit der ausgehenden DDR und auf die Insel Hiddensee. Die Verfilmung des gleichnamigen Buchs, für das Autor Lutz Seiler 2014 den Deutschen Buchpreis erhielt, handelt von einem „wilden Haufen von Aussteigern und Andersdenkenden“, wie es der Maler Torsten Schlüter beschreibt, der heute zwischen Berlin und Hiddensee pendelt. „Ich war einer von denen. Uns verband die Abneigung gegen das System und auf Hiddensee zu leben, war wie abhauen.“ Auf dem Söten Länneken hätten sich die die jungen Leute nicht mehr wie in der DDR gefühlt. „Von dort aus ließ sich alles mit einer gehörigen Portion Ironie ertragen“, sagt Schlüter. „Da oben wollten wir nicht mehr weg, es war ja alles so, wie wir leben wollten.“ Das Risiko, sich auf ein Surfbrett zu stellen und nach Dänemark zu fahren, habe deswegen niemand mehr eingehen wollen.

Einer der Orte der Handlung existiert mit der Gaststätte „Klausner“ noch heute. Das Haus war seinerzeit ein volkseigenes Ferienheim, in dem die heutige Inhaberin Ramona Siegel zunächst kellnerte. Nach der Wende kaufte sie den „Klausner“, den sie noch heute als Familienbetrieb führt. Die Gaststätte liegt im Dornbuschwald an der Steilküste 70 Meter über dem Meeresspiegel und galt daher schon damals als „Insel auf der Insel“. Dort strandet in Buch und Film Protagonist Ed nach dem Unfalltod seiner Freundin, heuert als Tellerwäscher an und lernt Kruso kennen, den heimlichen Steuermann des eingeschworenen Klausner-Teams. Dessen Mission ist es, den systemüberdrüssigen „Schiffbrüchigen“ seine Idee einer inneren Freiheit nahezubringen. Doch als immer mehr DDR-Bürger über Ungarn gen Westen flüchten, wird auch der „Klausner“ leerer. Aus der schützenden Arche wird schließlich ein sinkendes Schiff.

Leben zwischen Jauche, Kakerlaken, Sex und Alkohol

Marion Magas wuchs auf Hiddensee auf, wo sie noch heute als Autorin von Erlebnisberichten zur DDR-Geschichte der Insel lebt. „Weil ich nicht studieren durfte, kellnerte ich in Neuendorf“, erzählt sie. Nach der Arbeit sei sie immer mit Freunden im Griebener „Enddorn“ oder dem „Klausner“ gewesen. Die Verhältnisse dort kannte sie gut, weil sie mit einem der Kellner liiert war. „Hiddensee war eine Nische, in der man sich zusammenfand, um sich auszutauschen.“ Dabei sei es nicht immer nur um wilde Parties gegangen. „Unser Leben war auch sehr von Kunst und Kultur bestimmt und manchmal haben wir uns auch getroffen, um uns Bücher vorzulesen.“

„Eigentlich ging es ja in der Dornbusch-Disko richtig ab“, erinnert sich Hans-Georg Romanowski, der damals als Türsteher den Einlass regelte und auch sonst für Ordnung sorgte. „Das war eine versponnene Truppe, die einfach keine Lust mehr auf Osten hatte“, bestätigt Romanowski, der heute im Auftrag der Kurverwaltung Kurkarten kontrolliert. Damals hatte er eine Baracke, in der er Künstler und Intellektuelle übernachten ließ, die auf ihre Ausreise warteten. Das Buch hat Romanowski zwar nicht gelesen, sich aber den Inhalt von seiner Freundin erzählen lassen. „Den Kruso hat es so nicht gegeben“, weiß er daher. Der sei aus mehreren entlehnten Charakteren jener Zeit zusammengesetzt. Das sieht auch Torsten Schlüter so, der sich in zumindest einer Szene wiederzuerkennen glaubt.

Schlüter hatte nach Erscheinen des Buches 2014 eine Rezension für das Hiddensee-Magazin geschrieben. Das Buch handele vom Leben der überqualifizierten Saisonkräfte als Tellerwäscher: „Ein Küchendasein und Inselleben zwischen Ausgussdämpfen, Jauche und Kakerlaken auf der einen und Sexorgien, Alkoholexzessen und Parties auf der anderen Seite.“ Weil der Film Gesprächsthema unter Einheimischen wie Urlaubern ist, wird er heute Abend im Zeltkino von Vitte gezeigt. Das organisierte Jörg Mehrwald auf den letzten Drücker und änderte eigens das Programm. „Der Film gehört auf die Insel und soll auch hier gezeigt werden“, findet Mehrwald, der den Streifen zudem im Oktober als Sondervorstellung zeigen möchte. Nach der Vorführung soll Gelegenheit zum Austausch bestehen.

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