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00:00 24.10.2017

Mit zwei Premieren wurde am Sonnabend das leicht umgestaltete Rostocker Ateliertheater wieder in Betrieb genommen. Es hält auch weiter mit seiner kleineren Anordnung einen intimeren Erlebnisrahmen bereit. Am Premierentag gab’s gleich zwei Stücke vom Berliner Kollektiv eins, Gewählt wurde das interessante Format des Live-Hörspiels, das zum Teil auch von der Improvisation lebt. Regie führten Sören Hornung und Paula Thielecke.

Zum Beginn eine Kindervorstellung: „Kosmonautin Walentina“ (Autor: Flo Staffelmayr), eine Ein-Frau-Rolle, auf der Bühne war Sandra-Uma Schmitz zu erleben. Er begann mit einem Dialog der kleinen Walentina mit ihrer Mutter, wobei sich der große Traum des kleinen Mädchens offenbarte: einmal in den Weltraum fliegen. Im Zeitraffer nahm das Stück die Besucher mit bis zum absolvierten Weltraumflug mit glücklicher Landung. Und das mit einigen Seitenhieben auf den Kollegen Juri Gagarin, der nicht nur der erste Mensch im Weltall war,sondern auch ein sowjetischer Macho gewesen sein soll.

Das Leben von Walentina Tereschkowa ist ein Besonderes. Die heute 80-Jährige, die im Juni 1963 als erste Frau ins Weltall flog, war später auch eine Ikone der Sowjetunion. So gab’s mit diesem Thema auch ein wenig Geschichtsunterricht. Denn dieses Kapitel ist heute in Vergessenheit geraten, jene große Euphorie, die einst mit der bemannten Raumfahrt einherging. Aber das war auch der Wettlauf der Systeme im Kalten Krieg – in West die Astronauten und in Ost die Kosmonauten. Eine Heldenverehrung prägte im Osten damals auch das öffentliche Leben. In der Rostocker Südstadt zum Beispiel wurden in den sechziger Jahren sämtliche Schulen nach Kosmonauten benannt, eine von ihnen nach Walentina Tereschkowa. Auch das ist inzwischen Geschichte.

„Kosmonautin Valentina“ präsentierte die Kurzfassung einer Biografie, als Live-Hörspiel akustisch aufgewertet und kindgerecht präsentiert. Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich endlich seinen Traum erfüllt hat. Als Kindervorstellung war das Thema vielleicht ein bisschen zu komplex, dafür in der Präsentation auf die kleinen Gäste abgestimmt. Im Ateliertheater konnten die Kinder auf Matten herumlümmeln, der Erzählerin zuhören, in den projizierten Sternenhimmel schauen und schließlich entscheiden, was sie davon für sich mit nach Hause nehmen.

Am Abend wurde im Ateliertheater wesentlich härterer Stoff präsentiert:„Die lächerliche Finsternis“, ebenfalls ein Live-Hörspiel vom Kollektiv eins. Lyriker und Dramatiker Wolfram Lotz hat für seinen Text unter anderem Motive aus Joseph Conrads Roman „Das Herz der Finsternis“ und Francis Ford Coppolas Streifen „Apokalypse Now“ verwendet. Eine außer Kontrolle geratene Bundeswehrmission in Afghanistan gibt dieser Geschichte den Rahmen. Symbolisch wird dieser Ort im Nirgendwo zum „globalisierten Krisenherd einer irre gewordenen Welt“, auf diese Weise äußert Wolfram Lotz massive Kritik am kolonialen Gebaren der westlichen Welt. 2015 hatte das Stück dafür den Nestroy-Theaterpreis bekommen.

In Rostock wurde dieses Stück als Live-Hörspiel eingerichtet – diese Reise in die Finsternis kulminierte zu einer gesellschaftliche Farce mit vielen thematischen Ausflügen, durchbrochen von einer Selbstreflektion des Autors Wolfram Lotz. Auf der Bühne bekam das Züge einer Live-Performance, die den Stoff ins Groteske steigerte. Die Darsteller (Sören Hornung, Sandra-Uma Schmitz, Paula Thielecke und Max Mehlhose-Löffler) gaben dem Geschehen auch körperlich eine Wirkung, die weit über die Möglichkeiten eines Live-Hörspiels hinausging.

Am Ende ist nicht nur eine Militärmission gescheitert, auch der Anspruch der westlichen Welt, irgendwo auf dem Planeten etwas reparieren zu wollen. Die bittere Bilanz hat eine größere Dimension.

Thorsten Czarkowski

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