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Auf dem Weg zum Kern des Werks

Auf dem Weg zum Kern des Werks

So sehen Synergieeffekte aus: Karin Wolf (57) ist Professorin für Viola an der Rostocker Musikhochschule, und sie ist seit mehr als 30 Jahren Bratschistin des von ihr mitbegründeten Verdi-Quartetts, ...

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Heinz-Jürgen Staszak über ein Konzert des Verdi-Quartetts in Rostock

So sehen Synergieeffekte aus: Karin Wolf (57) ist Professorin für Viola an der Rostocker Musikhochschule, und sie ist seit mehr als 30 Jahren Bratschistin des von ihr mitbegründeten Verdi-Quartetts, einem der führenden deutschen Streichquartette. Gelegentlich, in größeren Abständen, aber regelmäßig bringt sie ihre Mitquartettisten mit nach Rostock. Dann geben sie, wie am Mittwochabend, ein gemeinsames Konzert, hängen einen dreitägigen Meisterkurs für kammermusikinteressierte Studierende an, und geben auch noch, wenn es passt wie diesmal und vor fünf Jahren, ein Konzert in der Sanitzer „Stunde der Musik“. So haben die Rostocker immer mal wieder die Chance auf ein außergewöhnliches, qualitätsvolles Streichquartett-Konzert (sie wird nur nicht angemessen genutzt).

Auch diesmal wieder bestach das Verdi-Quartett durch die gewachsene selbstverständliche Homogenität seines Musizierens. Es ist nicht ständig auf der Suche nach vordergründiger Originalität, nach emotionsgeladenen Extremen in Tempo und Dynamik. Es hält Maß, mit Dichte und Intensität, und ist damit immer auf der Spur zum unverwechselbaren Kern des Werkes.

Dies war gleich dreimal beeindruckend zu erleben. Zuerst mit Mozarts spätem „Hoffmeister-Quartett“ (1786), mit erhellender Durchsicht auf Mozarts Satzkunst, in einer wunderbaren Balance der „olympischen Schönheit“ und der darin verhüllten dramatischen Erregung und Schmerzlichkeit. Dann mit dem Streichquartett Nr. 8 (1960) von Dmitri Schostakowitsch, einem sehr persönlichen Dokument der Leiderfahrungen seines Lebens und seines Jahrhunderts. Ohne exaltierte Expressivität, aber gerade darum fast atemstockend intensiv gestalteten die Musiker seine bange Angst, seine verzweifelte Lustigkeit, seine tiefe untröstliche Trauer und Klage. Ein besonderes Juwel gelang ihnen, unter Mitwirkung von Heiner Schindler, Professor an der HMT, mit dem Klarinettenquintett (1891) von Brahms, geradezu durchsonnt in seiner entspannten Heiterkeit, zart, aber nicht fragil, unverzärtelt und mit einer von innen leuchtenden Klangfarbigkeit.

 



OZ

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