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Auf eine kreative Nachbarschaft

Ratzeburg Auf eine kreative Nachbarschaft

Künstler aus West und Ost stellen ab Montag im Kreismuseum Ratzeburg aus. Und suchen, 27 Jahre nach Grenzöffnung, nach gemeinsamen Visionen.

Ratzeburg. Sabine und Christian Egelhaaf erlebten die Zeit der Grenzöffnung hautnah: Sie leben in Mustin östlich von Ratzeburg, wenige Meter von der Grenze zu Mecklenburg entfernt.

Zonenrandgebiet, wie es so schön hieß. Absolut still – bis zum 9. November 1989. Sie sahen die Trabis in Richtung Ratzeburg rollen – und erkundeten Mecklenburg auf dem Rücken ihrer Pferde oder auf dem Rad. „Die Euphorie war damals groß.“ Jetzt, 27 Jahre danach, fällt ihr Urteil eher ernüchternd aus. „Ich habe das Gefühl, es hat sich nicht viel getan. Die Vernetzung der Künstler und der Verbände hört an den Kreis- und Landesgrenzen auf“, sagt Sabine Egelhaaf. Grenzübergreifende Aktionen wie etwa „Dörfer zeigen Kunst“ gebe es zu wenige. „Es sind immer noch getrennte Welten.“

Diese Welten wurden bereits vor zwei Jahren bei einer Gemeinschaftsausstellung von Künstlern aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Museumsgarten des Kreismuseums Ratzeburg zusammengeführt, und am 3. Oktober gibt es eine erweiterte Neuauflage. 14 Künstler aus Ost und West stellen draußen sowie im Museum Objekte, Installationen, Fotos, Malerei und Plakate aus, die das Zusammenwachsen der Bundesländer thematisieren. Heidemarie Ehlke aus Mölln hängt Worte wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ in einen Baum, Claudia Bormann aus Ratzeburg hat im ehemaligen Grenzdorf Schlagsdorf Scheunentore fotografiert, Annette Leyener aus Wismar experimentiert mit der Strahlkraft von Reflektoren.

„Visionen“ lautet das Motto der Schau, die vom Lauenburgischen Kunstverein in Zusammenarbeit mit dem mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow ausgerichtet wird. „Ohne Visionen und den Glauben an das Unmögliche ist eine Bewegung, das aktive Sein im Denken und im künstlerischen Handeln nicht vorstellbar. Was uns erst mal als unmöglich erscheint und wir es aber bereits als Gedanken formuliert haben, ist schon bereits im Prozess des Werdens – und somit schon Wirklichkeit“, sagt die Leiterin des Künstlerhauses, Miro Zahra.

Für Ramona Seyfarth und Paetrick Schmidt, beide 1980 geboren, ist die Ost-West-Diskussion kein Thema. „Vielleicht eher Nord- Süd“, überlegt Paetrick Schmidt aus Wismar. Seine Werke hängen in Kiel, er hat in Schweden ausgestellt und in Virginia als Stipendiat gearbeitet. „Wir sind über Grenzen hinweg vernetzt.“ Für „Visionen“ setzte sich der Fotograf in Ratzeburg selbst in Szene.

Auch Ramona Seyfahrt aus Neubrandenburg fühlt sich in ihrer künstlerischen Arbeit an keine Grenzen gebunden. „Dennoch ist man geprägt durch seine Herkunft, und diese Prägung spiegelt sich natürlich in der Arbeit wider. Und als ich in Bayern studiert habe, war es auch ein Thema, woher ich komme und warum ich dorthin zurückgehe.“ In ihren Installationen widmet sich die Künstlerin universellen Themen wie „unterwegs sein, Unterschlupf finden“. Symbol dafür ist ein Zelt, nach außen bunt gemustert, von innen ein Rückzugsort mit Familienfotos.

Sabine Egelhaaf knüpft ihre Visionen ganz konkret an die Schaalseeregion. „Der Naturschutz funktioniert hier grenzübergreifend. Aber was ist mit uns?“ Die Menschen würden hier sehr gerne leben oder Urlaub machen – fahren aber zur Arbeit in die Städte. Die Künstlerin plädiert für die vielfältigste Landschaftsnutzung, die auch Arbeitsplätze schafft – „ästhetisch, natur- und kulturverbunden, innovativ, sozial und radikal“. Ihren Traum von einer nachhaltigen Welt visualisiert sie mit weiß gestrichenen Bambusstäben, die mit Rödeldraht und Klebeband zu federleichten, dennoch stabilen Konstruktionen verbunden sind. „Ich möchte Lust darauf machen, selbst etwas zu bauen, neue Wege zu gehen.“

Sie und ihr Mann sind Mitglieder in den Bundesverbänden Bildender Künstler in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und stellen in beiden Bundesländern aus. „Wichtig ist, dass persönliche Kontakte zwischen den Künstlern entstehen.“ Dazu gibt es bei der Ausstellung Gelegenheit.

Petra Haase

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