Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Gewitter

Navigation:
August Diehl findet Karl Marx zeitgemäß

Zeitenwende August Diehl findet Karl Marx zeitgemäß

Als Computerhacker Karl Koch im Film „23“ wurde August Diehl einst bekannt. Jetzt spielt er Karl Marx. Und findet den Revolutionär alles andere als verstaubt.

Voriger Artikel
Josef Hader als Wutbürger von trauriger Gestalt
Nächster Artikel
Erstklassige Unterhaltung zur 22. Aids-Gala

Schauspieler August Diehl in Berlin:

Quelle: Britta Pedersen

Berlin. Wie kommt man heutzutage auf die Idee, ausgerechnet einen Film über Karl Marx zu machen? Hat nicht der Kommunismus längst ausgedient? August Diehl (41) spielt in dem Porträt „Der junge Karl Marx“ von Regisseur Raoul Peck aus Haiti die Hauptrolle. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zur Berlinale sagt er: Mitnichten!

Frage: Ein Film über Marx - ist das zeitgemäß?

Antwort: Oh ja, sogar sehr! Ich glaube, dass wir heute in einer Welt leben, in der sich praktisch der Bogen zu Karl Marx schließt. Was im 19. Jahrhundert anfing mit der Industrialisierung und der Entstehung des Proletariats, das wird jetzt durch den nächsten großen Schritt abgelöst, die Digitalisierung. Insofern haben wir auch das Gefühl, an einer Zeitenwende zu stehen. Nur sind wir der Situation passiver ausgeliefert als die Menschen damals.

Frage: Wie meinen Sie das?

Antwort: Das System ist so rasend schnell geworden und unübersichtlich. Leute, die vorgestern noch in einer Garage gelebt haben, werden über Nacht zu Supermillionären, Start-ups ploppen auf und verschwinden, die Veränderungen überschlagen sich. Vielleicht sind wir nach dem Zusammenbruch des Kommunismus jetzt wirklich an einem Punkt, wo auch der Kapitalismus wackelt oder auf lange Sicht sogar zusammenbricht, wie Karl Marx es prognostiziert hat.

Frage: Welche Anzeichen sehen Sie dafür?

Antwort: Eigentlich ist ja schon lange klar, dass es auf Dauer nicht so weitergeht wie jetzt - gerade mit der Verteilung der Güter und der Not in der Welt. Jetzt haben wir die neue Situation in Amerika. Es wird kein Freihandelsabkommen mehr geben, viele Veränderungen kommen auf uns zu. Deshalb werden wir über ein neues System nachdenken müssen, wie wir wirtschaftlich eigentlich leben wollen. Insofern kommt mir der Zeitpunkt, sich mit Karl Marx auseinanderzusetzen, sehr logisch vor.

Frage: Was bedeutet die Einladung zur Berlinale für Sie?

Antwort: Die Berlinale ist das Festival, mit dem ich praktisch aufgewachsen bin. Das ist mein Festival, das ist die Stadt, in der ich lebe. Ich kenne die Berlinale noch aus Zeiten, wo ich noch gar nicht gespielt habe. Wir haben uns immer Stempel gedruckt auf die Hände, um auf Partys zu gehen und irgendwo dabeizusein. Also, ich bin wahnsinnig froh, dass der Film hier gezeigt wird, weil er ja auch gut zu der Stadt passt.

Frage: Es ist eine französisch-deutsch-belgische Koproduktion. Was ist für Sie das Besondere am europäischen Film gegenüber Hollywood?

Antwort: Die Hollywood-Regisseure, die ich kennengelernt habe, waren untereinander sehr unterschiedlich, aber eine Sache hat sie vereint: Keiner von denen hat sich in die Suppe spucken lassen. Jeder hat den Film gemacht, den er machen wollte, manchmal fast ein bisschen maniac-mäßig oder unerbittlich. Aber ich muss sagen, diese Leute gibt es in Deutschland und Frankreich genauso.

ZUR PERSON: August Diehl, 1976 in Berlin geboren, wurde als Computerhacker Karl Koch in dem Kinofilm „23“ bekannt. Auf Anhieb gewann er damit 1999 den Deutschen Filmpreis. Weitere Auftritte hatte er in „Inglourious Basterds“, „Salt“ und „Wer wenn nicht wir“. Seit 2013 ist er Ensemblemitglied am Burgtheater Wien.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Artists first

Die Berlinale-Eröffnung, das ist wie ein Klassentreffen der deutschen Filmbranche - traditionell mit Gags von Anke Engelke. Wie reagiert das Festival auf Trump?

mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.