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Kultur „Aus der Mitte gerückt“
Nachrichten Kultur „Aus der Mitte gerückt“
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00:00 21.05.2016
Die Künstlerin Susanne Rast mit ihren Werken aus Bronze und Holz. Im Vordergrund die Skulptur „Michi“ (Eiche, 2013). Fotos (3): Dietmar Lilienthal

Das Gesicht aus Holz wirkt feingliedrig und zart. Die Beine leicht gebeugt, zeigen den unsicheren Versuch, alleine zu stehen. Die Holzskulptur von Susanne Rast hat Symbolwert: Denn die Balance im täglichen Leben zu halten, ohne gängigen Normen zu entsprechen – darum geht es in der Ausstellung „Alte Motive – Neue Details“ der Bildhauerin. Bis Juli wird die Schau in der Rostocker Galerie Auriga gezeigt.

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Die Werke von Susanne Rast in der Galerie Auriga zeigen Menschen, die nicht der Norm entsprechen

Nicht verrückt sondern aus der Mitte gerückt – so beschreibt Susanne Rast ihr Sujet. „Menschen mit einem eigenen Lebensprogramm, das eben nicht der Norm entspricht“, sagt die Künstlerin. Genau diese Menschen sind es, die Rast interessieren. Ob alt oder mit verschiedenen Beeinträchtigungen – mit liebevollem Blick fängt die Künstlerin ebenjene Besonderheiten ein, verarbeitet sie in ihrer Kunst.

Motive findet sie im täglichen Leben, oft sind es Menschen, die sie umgeben und in irgendeiner Form berühren. Einer von ihnen ist Michi, ein leicht autistischer Junge, den Rast durch Zufall in einer neurologischen Klinik in Potsdam kennenlernte. „Er hatte sich sehr zurückgezogen, aber irgendwann fing er an, mit mir zu reden“, sagt sie. Nach seinem Vorbild schuf sie jene wacklig stehende Holzskulptur. „Sie steht für ein Leben mit Beeinträchtigung in einer Welt, die auf Leistung gedrillt ist“, sagt Rast. „Oft fehlt dabei die Geduld, damit sich diese Menschen entwickeln können. Das wollte ich in dem unsicheren Stehen ausdrücken.“

Kaminsky heißt eine weitere Holzbüste. „Vorbild dafür war ein gutaussehender, taubstummer und blinder Mann, der in einem 20er-Jahre-Anzug auf einem großen knallroten Dreirad fuhr, sich nur an seinen klingenden Fingerringen orientieren konnte. Das war eine interessante Erscheinung“, erinnert sich Rast lächelnd. Auch den Übergang vom Leben zum Tod hat sie in ihren Werken verarbeitet.

Ihre Portraits, die sie als Bilder und Holzskulpturen mit in die Galerie gebracht hat, sind für Rast immer der in Holz gemeißelte oder auf Papier verarbeitete Ausdruck individueller Lebensgeschichte, sozusagen die Substanz aller subjektiven Eindrücke, die sie von den Menschen gesammelt hat. „Das ist manchmal recht schwer, ich habe ja in der Regel nur den Kopf und den Ansatz der Büste, um den Menschen in seiner Gesamtheit darzustellen“, sagt sie.

Dabei fällt besonders die unterschiedliche Farbigkeit auf, mit der Rast bei ihren Eichenskulpturen arbeitet. „Ursprünglich wollte ich nur die Späne abbrennen, die die Kettensäge hinterlassen hat“, sagt sie. Heute nutzt sie die Farbe des verkohlten Holzes, um ihren Figuren mehr Ausdruck zu verleihen. Ihren jüngeren Arbeiten hat die Künstlerin, die ihr Holz von Grob nach Fein bearbeitet – wie sie es nennt – nach dem Sägen, Meißeln und Schleifen zusätzlich einen Kreideüberzug verpasst, auf den später die Farbe aufgetragen wird. „Dadurch wirkt es porzellaniger und bestimmte Details lassen sich besser formulieren“, sagt sie. Darauf spielt auch der Titel „Neue Details“ an. Aus dem Schatten ihres berühmten Vaters Jo Jastram ist Rast, die nach dem Studium ihren Künstlernamen annahm, längst herausgetreten.

„Trotzdem war unsere Sicht auf den Menschen oft ähnlich“, sagt sie.

Bildhauerin und Malerin

14 Holzskulpturen, zwei Bronzeplastiken und sieben Zeichnungen von Susanne Rast sind bis zum 9. Juli in der Rostocker Galerie Auriga (Fischerweg 12) zu sehen.

Susanne Rast wurde 1962 in Rostock geboren, machte eine Töpferlehre in Ahrenshoop und studierte Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin (unter anderem bei ihrem Vater Jo Jastram). Sie war Gründerin der Produzentengalerie raum5 und der Künstlergruppe MARFA. Arbeiten von ihr im öffentlichen Raum stehen in Rostock, Stralsund, Katzow, Gütersloh, Müggenwalde, Wustrow und Berlin.

Stefanie Büssing

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