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Ausstellung in Essen: Der eigene Körper als Material

Werke aus Pinault-Sammlung Ausstellung in Essen: Der eigene Körper als Material

Immer wieder haben Künstler die eigene Person zum Thema ihrer Arbeit gemacht. Die Werke gehen dabei oft weit über das traditionelle Selbstporträt hinaus. Das Museum Folkwang widmet dem Thema jetzt eine Ausstellung. Ein Großteil der Werke kommt aus der Sammlung Pinault.

Essen. Bruce Naumans Atelier war 1968 noch ziemlich leer, weil er kein Geld hatte. „So war ich gezwungen, mich selbst zu erforschen und mich zu fragen, was ich da überhaupt machen sollte“, sagte der US-Künstler später in einem Interview zu seinen frühen Videoarbeiten.

Und so ließ er sich eine Stunde lang immer wieder in eine Ecke fallen - und filmte sich dabei. „Bouncing in the Corner No. 1“ nannte er sein Werk - zu sehen in der Herbstausstellung des Folkwang Museums in Essen. „Dancing with myself“ ist die Schau mit Werken von 33 Gegenwartskünstlern überschrieben. Thema ist die eigene Person als Gegenstand des Kunstwerks - jenseits des traditionellen Selbstporträts.

Erstmals zeigt dabei der französische Unternehmer und Kunstsammler François Pinault (80) Werke aus seiner Sammlung in einer großen Ausstellung in Deutschland. Zwei Drittel der gezeigten 115 Arbeiten stammen aus der Pinault Collection, die sonst in zwei Museen in Venedig zu bestaunen ist. Fast alle anderen Arbeiten hat Folkwang beigesteuert. Ein Schwerpunkt liegt auf Video und Fotografie.

Spektakulär der Auftakt im Museumsfoyer: Eine Bronzeskulptur eines Mannes hält ein Rohr, aus dem ein feiner Wasserstrahl spritzt - genau auf den Kopf der Skulptur. Der Kopf wird von einem elektrischen Heizelement erhitzt - ständig steigt daher Wasserdampf auf. Die Figur zeigt den Künstler Alighiero Boetti (1940-1994): Beim Nachdenken über seine Kunst? Oder ist es eher ein Verweis auf seinen Hirntumor, der ihn wenig später auch das Leben kostete?

Durch einen großen Vorhang aus roten und weißen Plastikkugel-Schnüren geht es dann in die Ausstellung. Der kubanische Künster Felix González-Torres hat den Vorhang „Untitled (Blood)“ genannt. Aids ist das Thema des Künstlers, der 1996 selbst an der Krankheit starb: Die Perlen erinnern an rote und weiße Blutkörperchen. Das einzige Kunstwerk der Ausstellung, das der Besucher anfassen kann - und muss.

„Die Schau präsentiert viele Blickwinkel und Gesichtspunkte der Selbstbetrachtung, besonders die künstlerische Arbeit mit dem eigenen Körper“, erklärt Anna Fricke, eine der drei Kuratoren der Ausstellung. Beispiel Cindy Sherman: Gezeigt werden 15 Arbeiten der 62 Jahre alten US-amerikanischen Fotokünstlerin, die gern fiktive Rollen annimmt. Ein aktuelles Werk aus diesem Jahr zeigt sie als abgeklärte Filmdiva in violettem Kleid. Oder darf man sich so eine altägyptische Königin vorstellen? Die inszenierte Großaufnahme ist jedenfalls perfekt belichtet und gestochen scharf. Über Cindy Sherman erfährt der Betrachter aber eigentlich wieder mal - nichts. Auch der Titel hilft nicht weiter: „Untitled #564“.

Anders bei der 1982 geborenen US-Fotokünstlerin LaToya Ruby Frazier. In einer Serie porträtiert Frazier sich selbst und ihre Familie in ihrer Heimatstadt in Pennsylvania, die unter der Schließung eines Stahlwerks zu leiden hat. Fast immer schaut Frazier in die Kamera - ernst, fragend, vorwurfsvoll. Die Aufnahmen haben dokumentarischen Charakter - auch ihre Mutter und Großmutter sind zu sehen.

Das Museum ist am Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Donnerstag und Freitag von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt in die Sonderausstellung kostet 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Eintritt in die ständige Sammlung des Museums ist frei. Zu der Ausstellung ist in der Edition Folkwang/Steidl ein Katalog erschienen (40 Euro).

dpa

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