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Ausstellung in Köln: Otto Freundlich, Feindbild der Nazis

Künstler, Jude, Kommunist Ausstellung in Köln: Otto Freundlich, Feindbild der Nazis

Wiederentdeckung eines Künstlers: Das Museum Ludwig stellt den abstrakten Maler und Bildhauer Otto Freundlich vor, der von den Nazis verfemt, verfolgt und schließlich ermordet wurde.

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Das Bild „Komposition“ (1930, l), die Bronze-Skulptur „Aufstieg“ (1929/1960) und das Bild „Hommage an die farbigen Völker“ 1938 von Otto Freundlich.

Quelle: Henning Kaiser

Köln. Die Nazis hatten auch der modernen Kunst den Krieg erklärt. Wie erfolgreich sie dabei mitunter waren, zeigt die Geschichte des Malers und Bildhauers Otto Freundlich. Nicht nur er selbst wurde vernichtet, sondern auch ein großer Teil seiner Kunst.

Die Ausstellung läuft vom 18. Februar bis zum 14. Mai. Geöffnet dienstags bis sonntags 10.00 bis 18.00 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22.00 Uhr, montags geschlossen. Eintritt 12 Euro, ermäßigt 8,50 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel-Verlag, 352 Seiten, 250 Farbabbildungen, Museumspreis 39 Euro.

Dabei war den NS-Zensoren ein besonders perfider Triumph vergönnt: Freundlichs bekanntestes Werk ist bis heute die Skulptur eines Kopfes - und zwar aus dem einfachen Grund, weil sie auf dem Umschlag des Ausstellungsführers zur NS-Schau „Entartete Kunst“ prangte. Nach langer Zeit gibt es jetzt wieder einen Versuch, Freundlich der Vergessenheit zu entreißen: Das Museum Ludwig in Köln präsentiert sein Werk in einer der wohl wichtigsten Ausstellungen dieses Jahres (18. Februar bis 14. Mai).

Es gibt gleich drei gute Gründe, warum man sich diese Schau ansehen sollte. Erstens sind hier ganz einfach wunderschöne Bilder zu sehen. Die Strahlkraft dieser abstrakten Werke - insgesamt sind es 80 Exponate - hat eine klare Inspirationsquelle: Als junger Mann beteiligte sich Freundlich an Restaurierungsarbeiten im Dom von Chartres mit seinen berühmten Glasfenstern - nirgendwo soll es ein schöneres Blau geben als hier. Der Farbenrausch beeinflusste sein ganzes Leben. Freundlich schuf Gemälde, Mosaike, Wandteppiche, Glasfenster, Skulpturen. Man kann die Ausstellung genießen, ohne etwas über Freundlich zu wissen.

Die Ausstellung erschließt dem Besucher aber auch Freundlichs Ideenwelt, und das ist ihr zweites großes Plus. Freundlich (1878-1943) verstand sich als politischen Künstler. Aber anders als bei Otto Dix, George Grosz oder Käthe Kollwitz sieht man das nicht sofort, weil seine Kunst abstrakt ist. Er prägte dafür den Begriff „Kosmischer Kommunismus“. Freundlich versuchte, seine Chartres-Erfahrung und seine politischen Überzeugungen zu verbinden: Alles ist fließend, alles ist miteinander in Verbindung, Hierarchien gibt es nicht.

Der dritte Grund für den Besuch ist die Biografie von Otto Freundlich, der als Jude, Kommunist und moderner Künstler das perfekte Feindbild für die Nazis abgab. In den 30er Jahren beschlagnahmten sie 14 Werke von ihm, unter anderem für die Wanderausstellung „Entartete Kunst“. Die 1,40 Meter hohe Monumentalplastik „Großer Kopf“ - den Steinstatuen der Osterinsel nachempfunden - bildeten sie vorne auf dem Begleitheft ab. Zudem gaben sie der Plastik den erfundenen Titel „Der neue Mensch“.

Eine junge Praktikantin des Museums Ludwig hat bei Recherchen für die Ausstellung entdeckt, dass die Nazis die Skulptur irgendwann durch eine plumpe Nachbildung ersetzten, vielleicht, weil das Original kaputt gegangen war. Es ist jedenfalls verschwunden. Die Replik unterschied sich deutlich von dem Original, möglicherweise sollte der Kopf ein vermeintlich „afrikanisches“ Aussehen erhalten, um den rassistischen Vorstellungen der Nazis noch mehr zu entsprechen.

Freundlich, der schon seit 1924 in Frankreich wohnte, erkannte nach dem Einmarsch der Deutschen, dass nicht nur er selbst, sondern auch seine Kunst in größter Gefahr war. Auf einigen Blättern hinterließ er ein mit schnellem Strich skizziertes Verzeichnis von Schlüsselwerken, die, wie er wusste, zum Teil schon nicht mehr existierten. Es ist ein bewegendes Holocaust-Dokument. Ebenfalls in Köln zu sehen: Farben und Paletten des Künstlers, die Jahrzehnte später in seinem winzigen Versteck in einem Pyrenäen-Dorf entdeckt wurden. Von einem Nachbarn verraten, wurde er 1943 ins Lager Sobibor deportiert und ermordet, sein genaues Todesdatum ist unbekannt.

dpa

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