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Auszeichnung für „Toni Erdmann“ in San Sebastián

Filmfestival Auszeichnung für „Toni Erdmann“ in San Sebastián

San Sebastián bezeichnet sich als „das kleinste der großen Filmfestivals“. Diesmal haben sich besonders viele Hollywoodstars angesagt. Auf der Eröffnungsgala im nordspanischen Badeort stand aber eine deutsche Regisseurin trotz ihrer Abwesenheit im Mittelpunkt.

San Sebastián. Zum Auftakt des Internationalen Filmfestivals von San Sebastián ist der deutsche Oscar-Kandidat „Toni Erdmann“ als „Film des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Der Preis der Internationalen Vereinigung von Filmkritikern und -Journalisten (FIPRESCI) wurde auf der Eröffnungsgala am Freitagabend von Film-Hauptdarsteller Peter Simonischek und Produzentin Janine Jackowski in Empfang genommen. Jackowski betonte bei der Dankesrede im nordspanischen Badeort, Regisseurin Maren Ade sei die erste Frau, die diesen angesehenen Preis bekomme.

Ade wollte den Preis persönlich in Empfang nehmen, sagte aber nach Angaben der Organisatoren „aus familiären Gründen“ kurzfristig ab. Die Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin hatte zuvor mitgeteilt, sie fühle sich „in besonderem Maße geehrt“, da die Auszeichnung von Experten verliehen werde, die „praktisch alle Filme des Jahres gesehen haben“.

„Toni Erdmann“ wurde in San Sebastián schon am ersten Festival-Tag mehrfach gezeigt und mit Lob überschüttet. Die Tragikomödie um eine explosive Vater-Tochter-Beziehung ist der dritte Langfilm der aus Karlsruhe stammenden Ade, die 2003 mit „Der Wald vor lauter Bäumen“ ihr Debüt feierte. Vor der 39-Jährigen hatten unter anderem so namhafte Regisseure wie Pedro Almodóvar, Michael Haneke, Cristian Mungiu, Aki Kaurismäki, Jean-Luc Godard und Richard Linklater den seit 1999 verliehenen Grand Prix de la FIPRESCI erhalten.

Die Eröffnungsgala der 64. Ausgabe des Festivals von San Sebastián musste gleich zu Beginn unterbrochen werden, weil mehrere Zuschauer mit Plakaten und Schreien die Freilassung kranker Häftlinge der früheren baskischen Terror- und Separatistengruppe ETA forderten.

Offizieller Eröffnungsfilm des Events war Emmanuelle Bercots „La fille de Brest/150 Milligrams“, der als Europa-Premiere vorgeführt wurde. Bei dem neuntägigen Festival werden mehr als 200 Streifen zu sehen sein. Die offizielle Auswahl besteht aus 25 Filmen. 17 davon konkurrieren um den Hauptpreis der „Goldenen Muschel“, darunter „La fille de Brest“, zwei deutsche Koproduktionen sowie die Adaptation von Philip Roths Roman „American Pastoral“, mit der der Schotte Ewan McGregor sein Regie-Debüt gibt. Die Jury leitet der dänische Erfolgsregisseur Bille August („Das Geisterhaus“).

In der baskischen Küstenstadt haben sich dieses Jahr so viele internationale Stars wie selten zuvor angekündigt: Erwartet werden neben McGregor unter anderem Javier Bardem, Richard Gere, Sigourney Weaver, Ethan Hawke, Monica Bellucci, Oliver Stone, Hugh Grant, Isabelle Huppert, Joseph Gordon-Levitt und Shailene Woodley. Weaver und Hawke erhalten beide den Ehrenpreis des Festivals.

Das Filmfestival in der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas zählt nach Cannes, Venedig und Berlin zu den wichtigsten in Europa. Die Preisverleihung ist am 24. September.

dpa

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