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Automatisierte Menschen und menschliche Maschinen

Rostock Automatisierte Menschen und menschliche Maschinen

Der Autor Marc-Uwe Kling stellte in Rostock sein Buch „QualityLand“ vor

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Marc-Uwe Kling las im Volkstheater Rostock.

Quelle: Foto: Dietrich Pätzold

Rostock. Vor zehn Jahren freute sich Marc-Uwe Kling über den von der OZ gestifteten Kabarettpreis Rostocker Goldenen Koggenzieher. Jetzt gehört der Kling zu den Erfolgreichen im Literaturbetrieb. So problematisierte er am Samstagabend im Großen Haus des Rostocker Volkstheaters die eigene Lage eines Besserverdienenden: Nach der jüngsten Wahl werde der Spitzensteuersatz sicher nicht erhöht, was gut für ihn sei, was er aber gleichzeitig blöd finde. Klings Ausweg: Er spendet die Hälfte seiner Einnahmen der aktuellen Tour für gesellschaftliche Initiativen – für welche, darüber durfte das Publikum im Foyer an einer Wahlurne abstimmen.

Gekommen war Kling auf Einladung des Literaturhauses Rostock, um sein neues Werk „QualityLand“ vorzustellen: Eine multimediale Collage mit zentraler Geschichte, die besonders durch Klings kabarettistischen Vortrag ihre Reize entfaltet. Der Autor entwirft darin die Vision einer totalitären Zukunft, in der Arbeit, Freizeit und Gefühle durch Technik und Algorithmen „optimiert“ sind; aber er tut das in einem absurden Tanz der Paradoxien als „lustige Dystopie“ – wie es nur Kling hinbekommt. So ist das Buch zugleich eine Satire auf unsere Gesellschaft, in der dieser Optimierungswahn krankhafte Präsenz gewinnt. In QualityLand werden Produkte an Konsumenten schon nach deren geheimen Wünschen versandt, ohne dass sie etwas bestellen müssten; die Menschen sind in „Level“

kategorisiert (einstellig für Nutzlose); Konsumgesetze verbieten Reparieren; bezahlt wird mit einem TouchKiss auf Displays; Partnerwahl und -wechsel werden durch die stets aktiven digitalen Assistenten empfohlen und realisiert; manche intelligente Maschinen werden immer menschlicher. Und Bücher werden, wie auch Nachrichten, durch Personalisierung dem Geschmack der Kunden angepasst.

Letzteres führt Kling in seiner Produktion vor: „QualityLand“ gibt es als helle (für Optimisten) und als dunkle Ausgabe (für Pessimisten). Die Handlung ist gleich, aber die Nachrichten, Werbeblöcke und Reisetipps unterscheiden sich. So wird Klings Projekt zur Gratwanderung: Die kritisierten Marktmechanismen führen zu solchem Erfolg, dass er von Fans wie ein Popstar bejubelt wird. Es ist auch eine Gratwanderung zwischen Zynismus und Ambition.

Dietrich Pã¤tzold

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