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Babi Jar: Putbus zeigt Bilder eines vergessenen Massakers

Putbus Babi Jar: Putbus zeigt Bilder eines vergessenen Massakers

In der Orangerie stellt Frank Otto Sperlich seine Werke über den Massenmord an Juden aus

Putbus. Die Salven der Maschinengewehre in der Babi Jar, der Weiberschlucht, hörten die Kiewer 36 Stunden lang. In diesen 36 Stunden des 29./30. September 1941 wurden unter dem Kommando der Wehrmacht 33771 Juden ermordet. Es war staatlicher Terrorismus, das größte Einzelmassaker des Zweiten Weltkrieges, bevor die Nazis mit Giftgas den industriellen Massenmord einführten. Babi Jar: Vorläufer von Auschwitz.

75 Jahre danach zeigt der heute auf Rügen lebende Filmemacher und Maler Frank Otto Sperlich Bilder darüber. Seine Ausstellung „Bewegung“ in der Orangerie Putbus würdigt sein Gesamtschaffen anlässlich von Sperlichs 65. Geburtstag (28. Oktober). Dieses Schaffen präsentiert sich sehr vielgestaltig, in anderen Arbeiten lustvoll und witzig. Doch seinen jüngsten Bildern, die in den letzten zwei Jahren über das Massaker von Babi Jar entstanden, widmet die Schau den ganzen unteren rechten Flügel der Orangerie.

2010 war Sperlich im Auftrag des Hessischen Rundfunks nach Kiew gereist, um als Zuarbeit für den Film „Babi Jar – Das vergessene Massaker“ zu recherchieren und zu drehen. „Das Thema ließ mich nicht mehr los“, sagt er. „Dann erlebte ich vor zwei Jahren Katja Petrowskaja bei einer Lesung aus ihrem Buch ,Vielleicht Esther’. Sie bezieht sich auf dieses Massaker, für mich war das eine zweite Initialzündung.“ Seither schuf Sperlich seinen fünfteiligen Fries und weitere Bilder über die Kiewer Juden, die der Anordnung der Deutschen zur Evakuierung guten Glaubens gefolgt waren und brutal vernichtet wurden. Dazu steht im Raum eine Skulptur aus 33 Hemden (jedes für 1000 Ermordete). Auf den Hemden erkennt man, ebenso wie auf Gemälden und einer Video-Installation, Porträts von Opfern, die Sperlich in Kiewer Archiven fand und „aus der Vergessenheit herausholt“. An diesem Thema werde er immer weiter arbeiten, betont er.

Am 24. September um 17 Uhr ist die Finissage zur Schau dem Thema Babi Jar gewidmet: neben Sperlich treten der Filmemacher Thomas Franke und der ukrainische Geiger Mark Chaet auf.

Dietrich Pätzold

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