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Balance von messerscharfer Präzision und esoterischer Magie

Rostock Balance von messerscharfer Präzision und esoterischer Magie

. Karlheinz Stockhausen (1928 –2007) gilt als einer der innovativsten und folgenreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, unermüdlich auf der Suche nach dem radikal Un-Erhörten.

Rostock. . Karlheinz Stockhausen (1928 –2007) gilt als einer der innovativsten und folgenreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, unermüdlich auf der Suche nach dem radikal Un-Erhörten. Sein Name ist bekannt, sein Werk weniger. Da war es eine Pioniertat, dass die Rostocker Hochschule für Musik und Theater mit der Stockhausen-Stiftung für Musik in dieser Woche im Festival „Neue Musik in Rostock“ dieses Werk in den Mittelpunkt rückte, in beispielhaften Aufführungen mit renommierten Stockhausen-Interpreten. Die Konzerte gaben einen hoch konzentrierten Überblick über die irritierende Besonderheit des Werkes, seine unermüdliche Suche nach neuen Organisationsformen für Klangereignisse, die das, was als Musik gilt, radikal überschreiten – in einer Balance von messerscharfer Präzision, technisch höchst anspruchsvoll, und komplexester Konstruktion und von esoterischer Magie, die den Kanal zur Transzendenz öffnen soll. Immer mit dem Zugriff auf mythische Archetypen und fortgeschrittenste technologische Möglichkeiten.

Dies prägt sich am deutlichsten in seinem 29-stündigen siebenteiligen Opernzyklus „Licht“ aus. Aus dem war Sonntag „Michaels Reise“ zu erleben, der 2. Akt der Oper „Donnerstag aus Licht“ (1981), als Beispiel für Stockhausens „szenische Musik“, ohne Gesang, mit der er Sichtbarkeiten, die planvollen Bewegungen der Instrumente und ihrer Spieler, zu einem Element der musikalischen Struktur macht. In der Darstellung des Trompeters Paul Hübner als Michael und eines Instrumentalensembles gewann dies eine kühle Poesie und auch naive Heiterkeit.

Nichts zu sehen gab es im Montags-Konzert, nicht einmal Musiker, hier erklang in Dunkelheit elektronische Musik aus quadrofonen Lautsprechern: „Hymnen“ (1967), in der Fetzen von Nationalhymnen in die Strukturen elektronischer Klänge dekonstruierend eingehüllt sind. Dienstag Stockhausens Versuche für eine „neue Instrumentalmusik“, mit einer Auswahl aus den „Klavierstücken“ und „Kontakte für elektronische Klänge, Klavier und Schlagzeug“, von den Stockhausen-Spezialisten Benjamin Kobler (Klavier) und Michael Pattmann (Schlagzeug) faszinierend dargeboten. Als Abschluss gestern „Kammermusik“, mit dem frühen „Kreuzspiel“ (1951), intensiv musiziert von einem studentischen Ensemble, mit Solostücken für Schlagzeug oder Klarinette, dazu der berühmte elektronische „Gesang der Jünglinge“ (1956). Eingeschaltet war ein Konzert mit dem Minguet-Quartett, das sich nach Stücken von Webern, Mahler und dem Stockhausen-Schüler Wolfgang Rihm für die Uraufführung von „Vier Sätze über die Unfreiheit für Streichquartett, Instrumentalensemble, Sopran, Sprecher und Bewegungskünstler“ zur Verfügung stellte.

Dieses geistig gespannte Werk der Koreanerin Jung-A Lim, die in Rostock studiert hat, stellt sich nachhaltig-eindrücklich, am Geländer des Brecht-Textes „An die Nachgeborenen“, in einer intensiven Tonsprache den Disparatheiten unserer Welt, „jenen finsteren Zeiten, in denen wir leben“.

OZ

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